Fall von Gondolin

Der Fall von Gondolin ist eine Erzählung des Legendariums und eines der Lieder, die von Beleriand in den Ältesten Tagen berichtet.
Inhalt
| Fall von Gondolin | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teil von: Juwelenkrieg | |||||||||
| Datum | 510 E. Z. | ||||||||
| Ort | Gondolin | ||||||||
| Ausgang | überwältigender Sieg der Truppen Morgoths, kaum Überlebende der Elben | ||||||||
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Die verborgene Elbenstadt Gondolin lag auf dem Amon Gwareth („Berg der Wacht“) im Tal von Tumladen in den Echoriath in Beleriand. Sie wurde von Turgon als Abbild der Stadt Tirion in Eldamar gegründet. Die Stadt blieb fast 400 Jahre vor Morgoth verborgen. Um 500 E. Z. (J. S.) wurde Tuor von Ulmo beauftragt, Turgon aufzusuchen, der seit der Nirnaeth Arnoediad Hoher König der Noldor war. Tuors Vater Huor und dessen Bruder Húrin Thalion waren die einzigen Menschen, die Gondolin je betreten hatten. Von Voronwe geleitet gelangte Tuor nach Gondolin und schließlich zum König. Dort überbrachte er die Botschaft, die ihm von Ulmo eingegeben wurde, dass nämlich sich der Fluch der Noldor bald erfüllen und Gondolin zerstört werden würde. Doch Turgon war stolz geworden und vertraute der Stärke und der Lage von Gondolin.[1]
Tuor blieb in Gondolin und vermählte sich mit Idril, genannt Celebrindal (Sindarin für Silberfuß), der Tochter des Königs. Im Frühjahr 503 wurde ihr Sohn Earendil geboren. Dies erregte die Eifersucht Maeglins, Idrils Cousin, der sie trotz der engen Verwandtschaft begehrte. Er hatte durch seinen Vater, den Dunkelelben Eol, die Suche und den Umgang mit Erzen erlernt und verließ heimlich immer wieder die Stadt. Bei einem seiner Ausflüge wurde er von Orks gefangen genommen und verriet Morgoth die Lage des Ortes, um so sein Leben zu retten.[1]
Am Festtag der Pforten des Sommers 510 griff Morgoth Gondolin mit Orks, Balrogs und Drachen von Norden her an. Da die Gondolindrim aber nach Osten zur aufgehenden Sonne sahen, bemerkten sie den Angriff erst, als die feindlichen Truppen bereits vor der Stadt standen. Auf dem Platz des Königs erschlugen sich Ecthelion und Gothmog, der Fürst der Balrogs, gegenseitig. Der Turm des Königs wurde von Turgon und seinen Haustruppen verteidigt, bis der Turm schließlich umgestoßen wurde.[1]
Maeglin nahm Idril und ihren Sohn während des Angriffs gefangen, wurde aber von Tuor gestellt und von der hohen Stadtmauer gestürzt. Mit nur wenigen Begleitern gelang Tuor und seiner Familie die Flucht durch einen geheimen Tunnel. Auf dem Weg aber wurden sie auf der Cirith Thoronath von Orks überfallen und Glorfindel kämpfte mit einem Balrog, mit dem er in den Tod stürzte. Nur mit Hilfe Thorondors und anderer Adler gelang die Flucht zu den Mündungen des Sirion.[1]
Werkgeschichte
Der Fall von Gondolin ist die werkgeschichtlich ältesteste Geschichte des Legendariums. Nach Angaben J. R. R. Tolkiens wurde sie während eines Genesungsurlaubs 1917 geschrieben.[2] Diese erste Fassung, die 1984 in Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2 veröffentlicht wurde, ist auch die detaillierteste.
Sie beschriebt, wie König Turgon hielt eine eilige Heerschau abhielt und seine Streitkräfte auf die Schlacht vorbereitete. Um vier Uhr morgens hatten die Armeen Morgoths die Ebene von Tumladin (Tumladen) durchquert und Turgon rief einen letzten Rat ein, bei dem beraten wird, ob ein Ausfall durchgeführt werden sollte oder nicht. Obwohl die Mehrheit der Fürsten für einen Ausfall stimmte, entschied sich Turgon aufgrund Meglins (Maeglin) Raten gegen einen Ausfall.[3]
Kurz darauf rollte die erste Angriffswelle unter Mithilfe von Feuerdrachen gegen die Verteidiger an, bei der das nördliche Tor zerstört wurde. Durch die gewaltigen Massen der Orks wurden die Gondolindrim immer weiter in die Stadt zurückgedrängt. Als die Balrogs begannen, die Verteidiger mit Feuerpfeilen zu beschießen und Duilin vom Haus der Schwalbe getroffen wurde, stürmten die Männer vom Hammer des Zornes unter Rog mit solchem Ingrimm vorwärts, dass sie bis ans Tor gelangten. Dort wurden sie von Gothmog auf die Ebene gelockt, wo sie alle zugrunde gingen.[3]
Daraufhin konnten Tuor und Ecthelion von der Quelle sich nur noch kurz gegen die Orks behaupten, und so zogen sie sich zum Platz der Quelle des Volkes zurück, wo sie Verstärkung von Galdor vom Baum erhielten. Doch auch dort konnten sie sich nicht halten und zogen weiter zum Platz des Königs. Hier trafen sie auf Glorfindel von der Goldenen Blume und Egalmoth vom Himmlischen Bogen. Die Orks jedoch drangen von allen Seiten auf den Platz ein, doch die überlebenden Gondolindrim hielten Stand, bis ein großer Feuerdrache auftauchte. Durch den heldenhaften Tod Ecthelions fiel auch Gothmog, der Herr der Balrogs, und die Orks waren verängstigt, da sie ihren Führer verloren hatten.[3]
Nach kurzer Zeit wurden die Elben nun auch von hier vertrieben und sie sammelten sich zum letzten Widerstand um Turgon und seine Bäume Belthil und Glingal. Während sich Turgon weigerte die Stadt, die er erbaut hatte, zu verlassen und sich in seinen Turm zurückzog, führte Tuor sie zu seinem geheimen Fluchttunnel und hinaus aus der brennenden Stadt. Auf der Ebene von Tumladin führte sie darauf Legolas aus dem Hause des Baums weiter. Als sie schon den Pass in den Bergen erreicht hatten, wurde ihr Zug sowohl von hinten als auch von vorne angegriffen. Die Gondolindrim konnten sich nur durch den Heldenmut und -tod Glorfindels und das Eingreifen der Adler unter Sorontur (Thorondor) retten.[3]
Diese Fassung sollte noch überarbeitet werden, dennoch trug sie Tolkien 1920 im Essay Club vor.[2]
Während seiner Zeit in Leeds in den 1920er Jahren versuchte sich Tolkien an einer Gedichtfassung (The Lay of the Fall of Gondolin), was er jedoch früh wieder aufgab.[4]
Wahrscheinlich 1951 schrieb Tolkien eine neue Fassung, die jedoch unvollendet blieb und bereits bei der Ankunft Tuors in Gondolin endet. Bedeutsam ist unter anderem die Darstellung der sieben Tore von Gondolin und deren Wachen, die möglicherweise die Funktionen der zwölf Häuser von Gondolin übernehmen sollten. Diese Fassung wurde 1980 in den Nachrichten aus Mittelerde als Von Tuor und seiner Ankunft in Gondolin veröffentlicht.[2]
2018 erschien das Werk Der Fall von Gondolin, in dem die Texte der verschiedenen Fassungen veröffentlicht wurden.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, XXIII Von Tuor und dem Fall von Gondolin.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 J. R. R. Tolkien: Nachrichten aus Mittelerde. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Hans J. Schütz. Klett-Cotta, Stuttgart 1983. (Im Original erschienen 1980 unter dem Titel Unfinished Tales of Númenor and Middle-earth.) Einleitung
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Hans J. Schütz. Klett-Cotta, Stuttgart 1999. (Im Original erschienen 1984 unter dem Titel The Book Of Lost Tales. Part Two.) III Der Fall von Gondolin
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. II Poems early abandoned. (iii) The Lay of the Fall of Gondolin
| Die drei großen Lieder Beleriands | |
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