Bauer Giles von Ham: Unterschied zwischen den Versionen

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| Titel      = Bauer Giles von Ham
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==Inhalt==
==Inhalt==
Der gutmütige, bauernschlaue, jedoch nicht allzu mutige Bauer [[Giles]] von [[Ham]] vertreibt mehr durch Zufall als durch Mut oder Können einen Riesen, der sich verlaufen hat, von seinen Ländereien. Daraufhin erhält er durch Mundpropaganda den Ruf eines Heldens, welcher sich sogar zum König des „Mittleren Königreiches“ herumspricht. Dieser sendet ihm daraufhin ein Schwert.
Dem gutmütigen, zwar recht gewieften, aber nicht übermäßig heroischen Bauern [[Giles]] von [[Ham]] gelingt es mehr durch glückliche Fügung als durch planvollem Handeln oder Können einen Riesen, der auf seinen Ländereien umherirrt, zu vertreiben. Dies bringt ihm Ansehen und den Ruf eines Heldens ein. Der König des „Mittleren Königreiches“, der von dem Geschehen erfährt, belohnt den Bauern mit einem alten Schwert.
Als etwas später der [[Drache]] [[Chrysophylax]] marodierend durch die Länder zieht und sich die Ritter des Königs nicht der Pflicht annehmen, ihn zu töten, muss der widerstrebende Giles gegen den Drachen ausziehen. Zufällig ist das geschenkte Schwert das des berühmtesten Drachentöters des Königreichs, „Caudimordax“, der Schwanzbeißer. So bewaffnet erreicht Giles, dass der Drache sich ergibt und ihm einen Teil seines Schatzes zu geben verspricht.
Als eine neue Gefahr in Form des alten [[Drachen]] [[Chrysophylax]] heranzieht und die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt, finden die Ritter des Königs Ausflüchte, um nicht gegen ihn antreten zu müssen. Daher muss der von seinen Nachbarn unter Druck gesetzte Giles widerstrebend gegen den Drachen ausziehen. Zufällig ist das ihm geschenkte Schwert das des berühmtesten Drachentöters des Königreichs, „Caudimordax“, der Schwanzbeißer. So bewaffnet erreicht Giles, dass der Drache sich ergibt und den Dorfbewohnern einen Großteil seines Schatzes zu geben verspricht, wenn sie ihn nicht töten.
Chrysophylax hält sich aber natürlich nicht an sein Versprechen und kommt zu dem vereinbarten Zeitpunkt nicht dem Schatz zurück. Als der König davon erfährt, lässt er Giles zusammen mit vielen Rittern zu Chrysophylax' Höhle aufbrechen. Chrysophylax vertreibt alle Ritter, doch gibt angesichts des Schwertes Caudimordax wieder klein bei. Er muss nun wirklich einen Teil seines Schatzes nach Ham bringen. Der Erfolg kommt dem König zu Ohren, der nun versucht, sich einen Teil des Schatzes anzueignen. Aber auf Befehl des selbstbewussten Giles vertreibt Chrysophylax den König und seine Ritter. Giles wird bald darauf König des neugegründeten „Kleinen Königreiches“.
Der Drache ignoriert allerdings sein Versprechen, sobald er zurück in seiner Drachenheimat ist. Das ärgert auch den König des Landes, der sich selbst schon Hoffnung auf den Schatz gemacht hat. Er weist seine Ritter, aber auch Giles an, Chrysophylax zu fangen und zu töten. Während der Drache zwar mit den Rittern ohne großes Federlesen fertig wird, muss er vor dem Bauern und seinem Schwert klein beigeben. Er liefert einen Teil des Schatzes ab und bringt ihn nach Ham, darf den Rest jedoch behalten, um sein Ansehen bei den anderen Drachen wahren zu können.
 
Als Giles alt wird, lässt er Chrysophylax ziehen. Der kehrt in seine Höhle zurück (die immer noch voller Schätze ist) und vertreibt einen „frechen Jungdrachen“, der sich dort einquartiert hatte.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Bauer Giles von Ham]]''. [[Klett-Cotta]], Stuttgart 2016.</ref>
Schließlich jagt Chrysophylax auf Befehl des inzwischen selbstbewussten Giles den König und seine Mannen davon, als diese sich den Schatz holen wollen. Giles wird bald darauf König des neugegründeten und von dem Drachen beschützten „Kleinen Königreiches“. Als Giles alt wird, lässt er Chrysophylax ziehen. Der kehrt in seine Höhle zurück (die immer noch voller Schätze ist) und vertreibt einen „frechen Jungdrachen“, der sich dort einquartiert hatte.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: [[Farmer Giles of Ham]]. [[Klett-Cotta]], Stuttgart 2016.</ref>


==Wichtige Personen bzw. Tiere==
==Wichtige Personen bzw. Tiere==
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==Bedeutung==
==Bedeutung==
Die Bedeutung der Erzählung ''Farmer Giles von Ham'' ist in seiner exemplarischen Funktion für Tolkiens Konzeption von (phantastischer) Literatur (besonders Märchen, engl. ''fairy tales'') zu sehen. Tolkien sieht als wichtigste Aufgabe des Märchens eine heilsame (und keine moralische) Wirkung für den menschlichen Geist an: die Gesundung der menschlichen Einbildungskraft, die Schärfung des ästhetischen Bewusstseins und den Trost, den die Flucht in die imaginäre Welt bildet. Darunter versteht er nicht den Vorwurf des [[Eskapismus]], sondern die Flucht, die heilsam ist, weil sie hilft, Dinge, die in der realen Welt nicht zu ändern sind, besser und gesünder zu ertragen („escape of the prisoner“). Das stets gute Ende eines Märchens (er prägt dafür den Begriff „eucatastrophe“) ist für ihn essentiell für die Trosterfahrung (siehe dazu Tolkiens als Vortrag gehaltenes Essay ''On fairy stories'' von 1939).<ref name="GD">[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Über Märchen]]'', in ''[[Gute Drachen sind rar]]'', S. 51–140.</ref>
Die Erzählung ''Farmer Giles von Ham'' gilt als Kunstmärchen und verdeutlicht gut Tolkiens Konzeption davon, was (phantastische) Literatur und besonders Märchen (engl. ''fairy tales'') ausmachen sollte. Tolkien hält deren heilsame Wirkung auf den menschlichen Geist und dessen Vorstellungskraft für wichtiger als eine eventuelle moralische Wirkung. Die Flucht in eine imaginäre Welt sei kein [[Eskapismus]], sondern aufgrund des Trostes, den sie spenden könne, heilsam, weil sie helfe, Dinge, die in der realen Welt nicht zu ändern sind, besser und gesünder zu ertragen („escape of the prisoner“). Das stets gute Ende eines Märchens (er prägt dafür den Begriff „eucatastrophe“) ist für ihn essentiell für die Trosterfahrung (siehe dazu Tolkiens als Vortrag gehaltenes Essay ''On fairy stories'' von 1939).<ref name="GD">[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Über Märchen]]'', in ''[[Gute Drachen sind rar]]'', S. 51–140.</ref>
 
[[Alan Lee]] schrieb in einem Nachwort zu einem von ihm illustrierten Sammelband, der auch den ''Farmer Giles'' enthält, zu dieser ''heilsamen Wirkung':
{{Zitat|Text=''Ich bin überzeugt, dass wir gute Geschichtenerzähler heute ebenso dringend brauchen wie damals, als Geschichten noch ausschließlich mündlich wiedergegeben wurden; und dass die aktive Weitergabe von Geschichten eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Gehirns spielt. Die Qualität der Geschichten, die uns in unserer Kindheit und Jugend umgeben, spielt für unser Wohlbefinden eine ebenso große Rolle wie die Qualität unserer Nahrung und unserer Umwelt.''|Autor=Alan Lee in:|Quelle=''[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Geschichten aus dem gefährlichen Königreich]]''. Übersetzt von [[Angela Uthe-Spencker]], [[Hans J. Schütz]], [[Ebba-Margareta von Freymann]] und [[Thelma von Freymann]].  ''[[Klett-Cotta]]'', Stuttgart 2022, 4. Auflage. Nachwort, S. 332f.}}


''Farmer Giles von Ham'' erfüllt als Kunstmärchen alle wesentlichen Elemente, die auch für ein Volksmärchen gelten. Darüberhinaus enthält es aber für Märchen eher untypische satirisch-parodistische und humorvolle Aspekte. Tolkiens Arbeitsgebiet entsprechend finden sich viele philologische Anspielungen, die die Arbeitsweise der [[Philologie|Philologen]] karikieren. So erklärt er beispielsweise die Entstehung des Names Themse (engl. Thames) durch das Wort „tame“ (dt. zahm), da Giles ja Herr eines gezähmten Drachens geworden sei. Viele Namen in seinem Märchen sind entweder sprechende Namen (Chrysophylax = „Wächter des Goldes“) oder enthalten Anspielungen auf historische oder mythologische Figuren (beispielsweise auf Hannibals Gegenspieler Fabrius Cunctator) im Namen des feigen Schmieds Fabricius (sic!) Cuncator.
''Farmer Giles von Ham'' enthält zwar alle wesentlichen Elemente, die auch für ein Volksmärchen erwartet werden. Darüberhinaus enthält die Erzählung aber für Märchen eher ungewöhnlichen Sprachwitz, philologische Wortspiele und satirisch-parodistische Elemente. Tolkien zieht darin die [[Philologie|Philologen]], zu denen er selbst gehörte, auf, wenn er beispielsweise die Entstehung des Names Themse (engl. Thames) durch das Wort „tame“ (dt. zahm) erklärt, da der Farmer ja Herr eines gezähmten Drachens geworden sei.
 
Viele Namen in seinem Märchen enthalten Anspielungen auf Mythen und historische Personen. So taucht auch in der [[Edda|Älteren Edda]] ein Hund namens „Garm“ auf<ref>Karl Simrock, (Übersetzer u. Herausgeber): ''Die Edda – Nordische Götter- und Heldensagen'' I. Die ältere Edda. 1. ''Wöluspa'', Vers 39.</ref> und Giles´ Widersacher, der Schmied „Fabricius Cuncator“, trägt fast exakt den Namen von Hannibals römischem Gegenspieler Fabrius Cunctator. Der Drache „Chrysophylax Dives“ erhielt einen sprechenden, teils griechisch, teils römischen Namen als „reicher Wächter des Goldes“.<ref>[[Dieter Petzold]]: ''[[J. R. R. Tolkien: Leben und Werk]]''. Edition Isele, Eggingen 2004.</ref>)


==Buchinformation==
==Buchinformation==
Die Geschichte des Bauern Giles von Ham und seinen Abenteuern wird im englischen Original erstmals 1949 veröffentlicht. Ins Deutsche wird sie von [[Angela Uthe-Spencker]] übersetzt im Buch ''[[Fabelhafte Geschichten]]'' 1975 veröffentlicht.
Die Geschichte des Bauern Giles von Ham und seinen Abenteuern wurde im englischen Original erstmals 1949 veröffentlicht.<ref name="TB1949"></ref> Ins Deutsche wurde sie von [[Angela Uthe-Spencker]] übersetzt im Buch ''[[Fabelhafte Geschichten]]'' 1975 veröffentlicht.<ref name="DNB_FG_1975"></ref>
 
Geschrieben hatte [[J. R. R. Tolkien]] sie schon 1937 und sie seinem Verleger in der Folge wiederholt zur Veröffentlichung angeboten, so im [[Brief 31]] vom 24.07.1938, [[Brief 33]] vom 31.08.1938, [[Brief 35]] vom 02.02.1939, [[Brief 47]] vom 07.12.1942, [[Brief 98]] vom 18.03.1945 und [[Brief 106]] vom 30.09.1946.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: [[Briefe]]. Ausgewählt und herausgegeben von [[Humphrey Carpenter]] mit der Hilfe von [[Christopher Tolkien]]. Übersetzt von [[Wolfgang Krege]]. [[Klett-Cotta]], Stuttgart 1991.</ref>


==Ausgaben==
==Ausgaben==
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===Deutsche Erstausgabe===
===Deutsche Erstausgabe===
 
* '''Art:''' kartoniert, in Schuber
===Weitere deutsche Ausgaben===
* '''Übersetzung:''' [[Angela Uthe-Spencker]]
 
* '''Sprache:''' Deutsch
===Weitere Übersetzungen===
* '''Verlag:''' [[Hobbit Presse]] im [[Klett-Cotta]] Verlag
* '''Erscheinungsdatum:''' 1975
* '''ISBN:''' 978-3-12-908050-4<ref name="DNB_FG_1975"></ref>


==Sonstiges==
==Sonstiges==

Aktuelle Version vom 10. Oktober 2026, 19:30 Uhr

Bauer Giles von Ham
Der Aufstieg und die wunderbaren Abenteuer
des Bauern Giles, Herrn von Tame,
Grafen von Würmlingshausen
und Königs
im Kleinen Königreich
Autor J. R. R. Tolkien
Übersetzer Angela Uthe-Spencker[1]
Illustrator Pauline Baynes[2][3]
Verlag Klett-Cotta
Engl. Erstausgabe: George Allen & Unwin[2]
Erschienen 2016[3]
Erstausgabe: 1975[4]
Engl. Erstausgabe: 1949[2]
Details
Format gebunden mit Schutzumschlag
Seiten 240
Sprache Deutsch[3]
ISBN 978-3-608-96092-1

Bauer Giles von Ham (Original Farmer Giles of Ham) ist ein erstmals 1949 erschienenes Werk von J. R. R. Tolkien, das vom im Kleinen Königreich lebenden Bauern Giles und seinem Kampf gegen den Drachen Chrysophylax handelt.

Inhalt

Dem gutmütigen, zwar recht gewieften, aber nicht übermäßig heroischen Bauern Giles von Ham gelingt es mehr durch glückliche Fügung als durch planvollem Handeln oder Können einen Riesen, der auf seinen Ländereien umherirrt, zu vertreiben. Dies bringt ihm Ansehen und den Ruf eines Heldens ein. Der König des „Mittleren Königreiches“, der von dem Geschehen erfährt, belohnt den Bauern mit einem alten Schwert.

Als eine neue Gefahr in Form des alten Drachen Chrysophylax heranzieht und die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt, finden die Ritter des Königs Ausflüchte, um nicht gegen ihn antreten zu müssen. Daher muss der von seinen Nachbarn unter Druck gesetzte Giles widerstrebend gegen den Drachen ausziehen. Zufällig ist das ihm geschenkte Schwert das des berühmtesten Drachentöters des Königreichs, „Caudimordax“, der Schwanzbeißer. So bewaffnet erreicht Giles, dass der Drache sich ergibt und den Dorfbewohnern einen Großteil seines Schatzes zu geben verspricht, wenn sie ihn nicht töten.

Der Drache ignoriert allerdings sein Versprechen, sobald er zurück in seiner Drachenheimat ist. Das ärgert auch den König des Landes, der sich selbst schon Hoffnung auf den Schatz gemacht hat. Er weist seine Ritter, aber auch Giles an, Chrysophylax zu fangen und zu töten. Während der Drache zwar mit den Rittern ohne großes Federlesen fertig wird, muss er vor dem Bauern und seinem Schwert klein beigeben. Er liefert einen Teil des Schatzes ab und bringt ihn nach Ham, darf den Rest jedoch behalten, um sein Ansehen bei den anderen Drachen wahren zu können.

Schließlich jagt Chrysophylax auf Befehl des inzwischen selbstbewussten Giles den König und seine Mannen davon, als diese sich den Schatz holen wollen. Giles wird bald darauf König des neugegründeten und von dem Drachen beschützten „Kleinen Königreiches“. Als Giles alt wird, lässt er Chrysophylax ziehen. Der kehrt in seine Höhle zurück (die immer noch voller Schätze ist) und vertreibt einen „frechen Jungdrachen“, der sich dort einquartiert hatte.[5]

Wichtige Personen bzw. Tiere

  • Bauer Giles (Ægidius Ahenobarbus Julius Agricola de Hammo)
  • König Augustus Bonifacius Ambrosius Aurelianus Antoninus Pius et Magnificus, dux, rex, tyrannus, et basileus Mediterranearum Partium (König des Mittleren Königreichs)
  • Garm (Hund von Giles, kann sprechen)

Bedeutung

Die Erzählung Farmer Giles von Ham gilt als Kunstmärchen und verdeutlicht gut Tolkiens Konzeption davon, was (phantastische) Literatur und besonders Märchen (engl. fairy tales) ausmachen sollte. Tolkien hält deren heilsame Wirkung auf den menschlichen Geist und dessen Vorstellungskraft für wichtiger als eine eventuelle moralische Wirkung. Die Flucht in eine imaginäre Welt sei kein Eskapismus, sondern aufgrund des Trostes, den sie spenden könne, heilsam, weil sie helfe, Dinge, die in der realen Welt nicht zu ändern sind, besser und gesünder zu ertragen („escape of the prisoner“). Das stets gute Ende eines Märchens (er prägt dafür den Begriff „eucatastrophe“) ist für ihn essentiell für die Trosterfahrung (siehe dazu Tolkiens als Vortrag gehaltenes Essay On fairy stories von 1939).[6]

Alan Lee schrieb in einem Nachwort zu einem von ihm illustrierten Sammelband, der auch den Farmer Giles enthält, zu dieser heilsamen Wirkung':

„ Ich bin überzeugt, dass wir gute Geschichtenerzähler heute ebenso dringend brauchen wie damals, als Geschichten noch ausschließlich mündlich wiedergegeben wurden; und dass die aktive Weitergabe von Geschichten eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Gehirns spielt. Die Qualität der Geschichten, die uns in unserer Kindheit und Jugend umgeben, spielt für unser Wohlbefinden eine ebenso große Rolle wie die Qualität unserer Nahrung und unserer Umwelt. “

— Alan Lee in:: J. R. R. Tolkien: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich. Übersetzt von Angela Uthe-Spencker, Hans J. Schütz, Ebba-Margareta von Freymann und Thelma von Freymann. Klett-Cotta, Stuttgart 2022, 4. Auflage. Nachwort, S. 332f.

Farmer Giles von Ham enthält zwar alle wesentlichen Elemente, die auch für ein Volksmärchen erwartet werden. Darüberhinaus enthält die Erzählung aber für Märchen eher ungewöhnlichen Sprachwitz, philologische Wortspiele und satirisch-parodistische Elemente. Tolkien zieht darin die Philologen, zu denen er selbst gehörte, auf, wenn er beispielsweise die Entstehung des Names Themse (engl. Thames) durch das Wort „tame“ (dt. zahm) erklärt, da der Farmer ja Herr eines gezähmten Drachens geworden sei.

Viele Namen in seinem Märchen enthalten Anspielungen auf Mythen und historische Personen. So taucht auch in der Älteren Edda ein Hund namens „Garm“ auf[7] und Giles´ Widersacher, der Schmied „Fabricius Cuncator“, trägt fast exakt den Namen von Hannibals römischem Gegenspieler Fabrius Cunctator. Der Drache „Chrysophylax Dives“ erhielt einen sprechenden, teils griechisch, teils römischen Namen als „reicher Wächter des Goldes“.[8])

Buchinformation

Die Geschichte des Bauern Giles von Ham und seinen Abenteuern wurde im englischen Original erstmals 1949 veröffentlicht.[2] Ins Deutsche wurde sie von Angela Uthe-Spencker übersetzt im Buch Fabelhafte Geschichten 1975 veröffentlicht.[4]

Geschrieben hatte J. R. R. Tolkien sie schon 1937 und sie seinem Verleger in der Folge wiederholt zur Veröffentlichung angeboten, so im Brief 31 vom 24.07.1938, Brief 33 vom 31.08.1938, Brief 35 vom 02.02.1939, Brief 47 vom 07.12.1942, Brief 98 vom 18.03.1945 und Brief 106 vom 30.09.1946.[9]

Ausgaben

Die folgende Ausgabenliste bezieht sich fast ausschließlich auf die Veröffentlichungen von Bauer Giles von Ham in einem Einzelwerk. Für Sammelwerke, siehe Die Abenteuer des Tom Bombadil #Ausgaben, Geschichten aus dem gefährlichen Königreich #Ausgaben und Fabelhafte Geschichten #Ausgaben.

Originalausgabe

Gebundene englische Ausgaben

  • 1949: George Allen & Unwin (Library Edition), keine ISBN[11]
  • 1975: Cedric Chivers, ISBN 0859970620 [Großdruck-Ausgabe][12]
  • 1976: George Allen & Unwin, ISBN 0048231312 [zweite Auflage][13]

Englische Taschenbuchausgaben

Deutsche Erstausgabe

Sonstiges

  • 1987 erschien Selections from the Marquette J.R.R. Tolkien Collection (Marquette University, Marquette 1987), in der ein Satz aus Farmer Giles of Ham enthalten ist, der vor dem Setzen aus dem Typoskript entfernt wurde.[15]

Anmerkungen

  1. ↑ Die Originalausgabe unterteilt sich in vier Auflagen (1949, 1957, 1961, 1965). Die vierte Auflage wurde von Allen & Unwin in Zusammenarbeit mit Houghton Mifflin veröffentlicht; die Originalausgabe, die am Ende elf Auflagen zählte, wurde bis 1974 verkauft.
  2. ↑ Farmer Giles of Ham war zuvor bereits in einer Taschenbuchausgabe von The Adventures of Tom Bombadil aus dem Jahr 1975 abgedruckt worden. Die Taschenbuchausgabe von Farmer Giles of Ham aus dem Jahr 1983 wurde 1984 und 1986 nachgedruckt.

Quellen

  1. ↑ J. R. R. Tolkien: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich. Klett-Cotta, Stuttgart 2022. 8. Auflage. Impressum, S. 4.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Farmer Giles of Ham. 1949. TolkienBooks.net, abgerufen am 1. September 2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Bauer Giles von Ham. klett-cotta.de, abgerufen am 1. September 2026.
  4. ↑ 4,0 4,1 4,2 Fabelhafte Geschichten. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 1. September 2026.
  5. ↑ J. R. R. Tolkien: Farmer Giles of Ham. Klett-Cotta, Stuttgart 2016.
  6. ↑ J. R. R. Tolkien: Über Märchen, in Gute Drachen sind rar, S. 51–140.
  7. ↑ Karl Simrock, (Übersetzer u. Herausgeber): Die Edda – Nordische Götter- und Heldensagen I. Die ältere Edda. 1. Wöluspa, Vers 39.
  8. ↑ Dieter Petzold: J. R. R. Tolkien: Leben und Werk. Edition Isele, Eggingen 2004.
  9. ↑ J. R. R. Tolkien: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Humphrey Carpenter mit der Hilfe von Christopher Tolkien. Übersetzt von Wolfgang Krege. Klett-Cotta, Stuttgart 1991.
  10. ↑ Farmer Giles of Ham. 1965. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  11. ↑ Farmer Giles of Ham. 1949. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  12. ↑ Farmer Giles of Ham. 1975. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  13. ↑ Farmer Giles of Ham. 1976. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  14. ↑ Farmer Giles of Ham. 1983. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  15. ↑ Selections from the Marquette J.R.R. Tolkien Collection. 1987. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
Veröffentlichungen
Primärliteratur
Belletristik Songs for the Philologists (1936) • Der Hobbit (1937) • The Lay of Aotrou and Itroun (1945) • Blatt von Tüftler (1947) • Bauer Giles von Ham (1949) • The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son (1953) • Der Herr der Ringe (1. Die Gefährten (1954) • 2. Die Zwei Türme (1954) • 3. Die Rückkehr des Königs (1955)) • Die Abenteuer des Tom Bombadil und andere Gedichte aus dem Roten Buch (1962) • Baum und Blatt (1964, Sammelband) • The Tolkien Reader (1966, Sammelband) • The Road Goes Ever On (1967) • Der Schmied von Großholzingen (1967)
Posthum veröffentlichte Belletristik Briefe vom Weihnachtsmann (1976) • Das Silmarillion (1977) • Nachrichten aus Mittelerde (1980) • Herr Glück (1982) • The History of Middle-earth (1. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 1 (1983) • 2. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2 (1984) • 3. The Lays of Beleriand (1985) • 4. The Shaping of Middle-earth (1986) • 5. The Lost Road and Other Writings (1987) • 6. The Return of the Shadow (1988) • 7. The Treason of Isengard (1993) • 8. The War of the Ring (1992) • 9. Sauron Defeated (1992) • 10. Morgoth’s Ring (1993) • 11. The War of the Jewels (1994) • 12. The Peoples of Middle-earth (1996)) • Bilbos Abschiedslied (1990) • Geschichten aus dem gefährlichen Königreich (1997, Sammelband) • Roverandom (1998) • Die Kinder Húrins (2007) • The History of The Hobbit (2007) • Die Legende von Sigurd und Gudrún (2009) • König Arthurs Untergang (2013) • Die Geschichte von Kullervo (2015) • Beren und Lúthien (2017) • Der Fall von Gondolin (2018) • Natur und Wesen von Mittelerde (2021) • Der Untergang von Númenor (2022) • Die Schlacht von Maldon und Die Heimkehr von Beorhtnoth (2023) • The Collected Poems of J. R. R. Tolkien (2024) • Die Bovadium-Fragmente (2025)
Akademische Werke A Middle English Vocabulary (1922) • Sir Gawain and the Green Knight (Mittelenglischer Text, 1925) • The Devil’s Coach-Horses (1925) • Ancrene Wisse and Hali Meiðhad (1929) • Sigelwara Land (1932–34) • The Name Nodens (1932) • Chaucer as a Philologist: The Reeve’s Tale (1934) • Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1936) • Über Märchen (1939) • Zur Übersetzung des Beowulf (1940) • Sir Orfeo (1944) • ‘iþþlen’ in Sawles Warde (1947) • A Fourteenth-Century Romance (1953) • Ancrene Wisse (1962) • English and Welsh (1963) • Beiträge zur Jerusalemer Bibel (als Übersetzer und Lexikograph, 1966)
Posthume akademische Veröffentlichungen Sir Gawain and the Green Knight, Pearl, and Sir Orfeo (1975) • The Old English Exodus (1982) • Finn and Hengest (1982) • Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1983) • Beowulf and the Critics (2002) • Beowulf: A Translation and Commentary together with Sellic Spell (2014) • A Secret Vice (2016)
Sekundärliteratur
Über das Legendarium Das große Mittelerde-Lexikon (1978) • The Lord of the Rings: A Reader’s Companion (2005) • The Maps of Middle-earth (2024)
Tolkien-Biographien J. R. R. Tolkien: Eine Biographie (1977) • The Inklings (1978) • Tolkien und der Erste Weltkrieg (2003)
Wissenschaftliche Werke Der Weg nach Mittelerde (1982) • The Keys of Middle-earth (2005) • The J. R. R. Tolkien Companion and Guide (2005) • The Ring of Words (2006) • A Companion to J. R. R. Tolkien (2014) • Tolkien’s Lost Chaucer (2019) • Tolkien’s Library (2019) • The Great Tales Never End (2022) • Tolkien on Chaucer, 1913–1959 (2024) • Les Mondes de Christopher Tolkien (2024)
Wissenschaftliche Zeitschriften Tolkien Studies • (The Chronology)
Andere Werke Tolkiens
Linguistische Zeitschriften Vinyar Tengwar (seit 1988; verschiedene Ausgaben) • Parma Eldalamberon (seit 1971; Ausgabe 11–23)
Sammlungen von Kunst und Manuskripten Pictures by J. R. R. Tolkien (1979) • J. R. R. Tolkien: Life and Legend (1992) • J. R. R. Tolkien – Der Künstler (1995) • Die Kunst des Hobbit (2011) • Die Kunst des Herr der Ringe (2015) • Tolkien: Schöpfer von Mittelerde (2018) • Tolkien: Treasures (2018) • J. R. R. Tolkien: The Art of the Manuscript (2022)
Bibliographie • Briefe