Hobbits: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Bild:Hobbit2.jpg|thumb|Ein dösender Hobbit vom Stamm der [[Starren]] <small>(Bild: [[Benutzer:BelegLangbogen|Jonas Ulrich]])</small>]] | [[Bild:Hobbit2.jpg|thumb|Ein dösender Hobbit vom Stamm der [[Starren]] <small>(Bild: [[Benutzer:BelegLangbogen|Jonas Ulrich]])</small>]] | ||
'''Hobbits''' | '''Hobbits''' oder '''Halblinge''' (im Original ''Halflings'') sind menschenähnliche Wesen und Bewohner im von [[J. R. R. Tolkien]] geschaffenen [[Legendarium]]. Sie spielen in den Romanen ''[[Der kleine Hobbit]]'' und ''[[Der Herr der Ringe]]'' eine zentrale Rolle. | ||
== Beschreibung == | == Beschreibung == | ||
[[Bild:BilboBaggins.jpg|thumb|[[Bilbo Beutlin]] <small>(Bild: [[Anke Eißmann]])</small>]] | [[Bild:BilboBaggins.jpg|thumb|[[Bilbo Beutlin]] <small>(Bild: [[Anke Eißmann]])</small>]] | ||
{{Zitat|Text='''hobbit''' (ˈhɒbɪt). [...] In the tales of J. R. R. Tolkien [...]: one of an imaginary people, a small variety of the human race, that gave themselves this name (meaning ‘hole-dweller’) but were called by others ''halflings'', since they were half the height of normal men.|Autor=[[J. R. R. Tolkien]]|Quelle=''Oxford English Dictionary'' (Second Edition)<ref>Dieser Teil des Eintrags wurde von Tolkien 1970 im Wesentlichen auf Anfrage der Redaktion des ''OED'' selbst verfasst. J. R. R. Tolkien: ''[[ | {{Zitat|Text='''hobbit''' (ˈhɒbɪt). [...] In the tales of J. R. R. Tolkien [...]: one of an imaginary people, a small variety of the human race, that gave themselves this name (meaning ‘hole-dweller’) but were called by others ''halflings'', since they were half the height of normal men.|Autor=[[J. R. R. Tolkien]]|Quelle=''Oxford English Dictionary'' (Second Edition)<ref group="Anm.">Dieser Teil des Eintrags wurde von Tolkien 1970 im Wesentlichen auf Anfrage der Redaktion des ''OED'' selbst verfasst.</ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 316|Letter 316]]: ''An R. W. Burchfield'', 11. September 1970</ref>|Übersetzung='''Hobbit'''<ref group="Anm.">In der ersten deutschen Übersetzung von ''[[Der kleine Hobbit|The Hobbit]]'' (''Kleiner Hobbit und der große Zauberer'') von 1957 wird der Plural von Hobbit noch mit Hobbite wiedergegeben.</ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der kleine Hobbit|Der kleine Hobbit und der Große Zauberer]]''. Im Original erschienen 1937 unter dem Titel ''The Hobbit or There and Back Again'' Übersetzt von [[Walter Scherf]]. [[Paulus Verlag]], Recklinghausen 1957. </ref> In den Erzählungen J. R. R. Tolkiens: jemand aus einem erdachten Volk, einer kleinen Unterart der menschlichen Rasse, die sich selbst diesen Namen gaben (mit der Bedeutung „Höhlenbewohner“), von anderen aber ''Halblinge'' genannt wurden, da sie halb so groß waren wie normale Menschen.|Übersetzer=Ardapedia}} | ||
Hobbits sind eine Unterart der [[Menschen]], eine kleine Nebenlinie der menschlichen Gattung.<ref> | Hobbits sind eine Unterart der [[Menschen]],<ref>[[Wayne G. Hammond]], [[Christina Scull]]: ''[[The Lord of the Rings: A Reader’s Companion]]''. ''Prologue'', S. 8</ref> eine kleine Nebenlinie der menschlichen Gattung.<ref name=“Brief319“>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 319|Letter 319]]: ''From a letter to Roger Lancelyn Green'', 8. Januar 1971</ref> Sie haben eine bräunliche Hautfarbe und erreichen eine Körpergröße von etwa 60 bis 120 Zentimetern. Dies entspricht im Durchschnitt einer halben Mannshöhe in den [[Längeneinheiten]] der [[Dúnedain]], die die Hobbits deshalb '''Periannath''' (''Halblinge'') nannten. Die Hobbits selbst sagten, sie seien einmal größer gewesen. [[Bandobras Tuk]] soll sogar 1,35 Meter gemessen haben. Heutzutage werden Hobbits selten größer als 90 Zentimeter.<ref name=“Prolog1“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Prolog: ''Über Hobbits''</ref><ref name=“ReadCom3“> [[Wayne G. Hammond]], [[Christina Scull]]: ''[[The Lord of the Rings: A Reader’s Companion]]''. ''Prologue'', S. 3</ref> | ||
Hobbits neigen zu Leibesfülle, haben runde, gutmütige Gesichter, leicht spitze Ohren | Hobbits neigen zu Leibesfülle, haben runde, gutmütige Gesichter, leicht spitze Ohren<ref name=“Brief27“>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 27|Letter 27]]: ''From a letter to the Houghton Mifflin Co., März/April 1938''</ref> krauses Haupthaar und lange, geschickte Finger. Die Füße der Hobbits sind auf dem Spann mit einem dichten, wärmenden Haarpelz bedeckt, während ihre Sohlen eine lederartige Haut aufweisen. Diese Tatsache macht es für die Hobbits unnötig, Schuhe zu tragen. Sie sind Meister im Schleichen und haben ein sehr gutes Gehör.<ref name=“Prolog1“></ref><ref name=“ReadCom3“></ref> Sie erholen sich schnell von Stürzen und Verletzungen, und sie haben einen Fundus an Weisheiten und klugen Sprüchen.<ref name=“Hobbit5“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der kleine Hobbit|Der Hobbit]]''. Fünftes Kapitel: ''Rätsel in der Finsternis''</ref> Zauberei ist Hobbits vollkommen fremd, magische Fähigkeiten besitzen sie nicht, bis auf ein wenig Alltagsmagie, um schnell und leise zu verschwinden. Allerdings erreichen sie ein höheres Lebensalter als Menschen und werden oft bis zu oder sogar über 100 Jahre alt.<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
''Rätsel in der Finsternis'' | |||
Hobbits sind ein ruhiges und friedfertiges Volk, wenig abenteuerlustig und weder kriegerisch noch grausam; sie töten Tiere niemals aus Vergnügen. Als typische Hobbit-Tugenden gelten Verstand, Großmut, Geduld und Charakterstärke.<ref> | Hobbits sind ein ruhiges und friedfertiges Volk, wenig abenteuerlustig und weder kriegerisch noch grausam; sie töten Tiere niemals aus Vergnügen. Als typische Hobbit-Tugenden gelten Verstand, Großmut, Geduld und Charakterstärke.<ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 281|Letter 281]]: ''From a letter to Rayner Unwin'', 15. Dezember 1965</ref> | ||
== Lebensweise und Kultur der Auenland-Hobbits== | == Lebensweise und Kultur der Auenland-Hobbits== | ||
[[Bild:Brandyschloss.jpg|thumb|Das [[Brandygut]] zu [[Bockland]], eines der frühen Clan-Smials <small>(Bild: Matěj Čadil)</small>]] | [[Bild:Brandyschloss.jpg|thumb|Das [[Brandygut]] zu [[Bockland]], eines der frühen Clan-Smials <small>(Bild: Matěj Čadil)</small>]] | ||
[[Bild:Abschiedsfest.jpg|thumb|[[Bilbos Abschiedsfest|Bilbo Beutlins Abschiedsfest]] (3001 D. Z.), eine besonders denkwürdige Hobbitfeier <small>(Bild: Anke Eißmann)</small>]] | [[Bild:Abschiedsfest.jpg|thumb|[[Bilbos Abschiedsfest|Bilbo Beutlins Abschiedsfest]] (3001 D. Z.), eine besonders denkwürdige Hobbitfeier <small>(Bild: Anke Eißmann)</small>]] | ||
Am genauesten ist die Kultur der Hobbits des [[Auenland]]s im [[Drittes Zeitalter|Dritten Zeitalter]] zur Zeit [[Bilbo Beutlin|Bilbo]] und [[Frodo Beutlin]]s überliefert. Sie waren handwerklich und landwirtschaftlich begabt. Als Bauern, Gärtner und Handwerker bestellten sie das Land, in dem sie lebten. Dabei verwendeten sie ausschließlich Geräte mit simpler Mechanik (z. B. Schmiede-Blasebalg, Wassermühle, Handwebstuhl). | Am genauesten ist die Kultur der Hobbits des [[Auenland]]s im [[Drittes Zeitalter|Dritten Zeitalter]] zur Zeit [[Bilbo Beutlin|Bilbo]] und [[Frodo Beutlin]]s überliefert. Sie waren handwerklich und landwirtschaftlich begabt. Als Bauern, Gärtner und Handwerker bestellten sie das Land, in dem sie lebten. Dabei verwendeten sie ausschließlich Geräte mit simpler Mechanik (z. B. Schmiede-Blasebalg, Wassermühle, Handwebstuhl).<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
Die Hobbits lebten vorzugsweise in Höhlen, sogenannten [[Smials]], mit runden Türen und Fenstern, die bei den älteren Hobbitfamilien gleich von mehreren Generationen bewohnt wurden. Die häufig weit verzweigten Wohnhöhlen waren gemütlich ausgestattet und oft vollgestellt mit sogenannten [[Mathom]]s – mehr oder weniger nutzlosen Dingen, die in ihren Augen aber zum Wegwerfen zu schade waren. Später bauten Hobbits auch einfache Häuser, darunter Schuppen, in denen die Hobbits ihrem Handwerk nachgehen konnten. Allerdings wohnten Hobbits nicht gerne in höheren Stockwerken, daher waren auch ihre Häuser meist einstöckig. | Die Hobbits lebten vorzugsweise in Höhlen, sogenannten [[Smials]], mit runden Türen und Fenstern, die bei den älteren Hobbitfamilien gleich von mehreren Generationen bewohnt wurden. Die häufig weit verzweigten Wohnhöhlen waren gemütlich ausgestattet und oft vollgestellt mit sogenannten [[Mathom]]s – mehr oder weniger nutzlosen Dingen, die in ihren Augen aber zum Wegwerfen zu schade waren. Später bauten Hobbits auch einfache Häuser, darunter Schuppen, in denen die Hobbits ihrem Handwerk nachgehen konnten. Allerdings wohnten Hobbits nicht gerne in höheren Stockwerken, daher waren auch ihre Häuser meist einstöckig.<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
Die Hobbits lieben die Natur und alle grünen und wachsenden Dinge. Deshalb bevorzugten sie auch in der Mode die Farben Grün und Gelb. Die männlichen Hobbits trugen für gewöhnlich Kniehosen mit Hosenträgern, darüber farbige [[Westen (Kleidung)|Westen]] und eine Jacke | Die Hobbits lieben die Natur und alle grünen und wachsenden Dinge. Deshalb bevorzugten sie auch in der Mode die Farben Grün und Gelb. Die männlichen Hobbits trugen für gewöhnlich Kniehosen mit Hosenträgern, darüber farbige [[Westen (Kleidung)|Westen]] und eine Jacke.<ref name=“Brief27“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch I, Achtes Kapitel: ''Nebel auf den Hügelgräberhöhen''</ref> Hobbits aßen und tranken gerne und reichlich. Mittagessen nahmen sie – wenn möglich – zweimal am Tag ein und gönnten sich über den Tag verteilt kleinere Zwischenmahlzeiten (insgesamt sechs Mahlzeiten am Tag).<ref name=“Prolog1“></ref><ref>[[Wayne G. Hammond]], [[Christina Scull]]: ''[[The Lord of the Rings: A Reader’s Companion]]''. ''Prologue'', S. 7</ref> Die Hobbits rauchten gerne [[Pfeifenkraut]], eine Kunst, von der die Hobbits mit Recht behaupten dürfen, sie erfunden zu haben.<ref name=“Prolog2“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Prolog: ''Über Pfeifenkraut''</ref> Man besuchte zusammen Gasthäuser, wo Neuigkeiten ausgetauscht wurden, oder Familienfeiern, auf denen man sich gegenseitig beschenkte. Die Familie ist den Halblingen besonders wichtig.<ref name=“Prolog1“></ref> Sie schrieben sich untereinander regelmäßig Briefe, weshalb die [[Postzustellung im Auenland|Post]] einer der wichtigsten öffentlichen Dienste war.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch I, Erstes Kapitel: ''Ein lang erwartetes Fest''</ref> Zum Zeitvertreib spielten die Hobbits unter anderem Ring-, Pfeil- und Ballwerfen sowie Kegeln.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der kleine Hobbit|Der Hobbit]]''. Achtes Kapitel: ''Fliegen und Spinnen''</ref> | ||
Eine der wenigen Wissenschaften, für die die Hobbits sich interessierten, war die Ahnenkunde. Die Geschichtsschreibung war dagegen nicht weit verbreitet. Als eine der wenigen bekannten Quellen der Hobbitgeschichte gilt das [[Gelbhülle|Jahrbuch von Tuckbergen]] der auenländischen Familie [[Tuk]]. | Eine der wenigen Wissenschaften, für die die Hobbits sich interessierten, war die Ahnenkunde. Die Geschichtsschreibung war dagegen nicht weit verbreitet.<ref name=“Prolog1“></ref> Als eine der wenigen bekannten Quellen der Hobbitgeschichte gilt das [[Gelbhülle|Jahrbuch von Tuckbergen]] der auenländischen Familie [[Tuk]].<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang D: ''Die Kalender''</ref> | ||
Als besonders beständiges Volk von einfachem Gemüt kümmerten sie sich stets nur um die Angelegenheiten, die sich in ihrer Heimat zutrugen, weshalb viele der von den Hobbits gemachten Karten | Als besonders beständiges Volk von einfachem Gemüt kümmerten sie sich stets nur um die Angelegenheiten, die sich in ihrer Heimat zutrugen, weshalb viele der von den Hobbits gemachten Karten jenseits der heimatlichen Grenzen nur weiße Flecken zeigten. Fremde nannten sie ''Außenseiter''.<ref name=“HdR1,9“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch I, Neuntes Kapitel: ''Im Gasthaus zum Tänzelnden Pony''</ref> Mit ihren menschlichen Verwandten, dem ''großen Volk'', haben sie kaum etwas zu tun, weil sie in ihren Augen groß, dumm und laut sind. Es gab jedoch noch Orte, wo die Hobbits mit den großen Menschen friedlich zusammenlebten, so etwa im [[Breeland]] in [[Eriador]].<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
Im Gegensatz zu den [[Elben]] oder [[Zwerge]]n, die ihre eigenen Sprachen besaßen, schien die Sprache der Hobbits seit jeher die der benachbarten Menschenvölker gewesen zu sein. So benutzten sie auch im Dritten Zeitalter noch einige Wörter, die aus dem Sprachschatz der [[Éothéod]], der Vorfahren der [[Rohirrim]] entlehnt sind, die früher auch am [[Anduin]] siedelten. Der von ihnen gesprochene Dialekt des [[Westron]] wurde [[Hobbitisch]] genannt. In späteren Zeiten entfremdete sich ihre Sprache jedoch von denen des ''großen Volks''. | Im Gegensatz zu den [[Elben]] oder [[Zwerge]]n, die ihre eigenen Sprachen besaßen, schien die Sprache der Hobbits seit jeher die der benachbarten Menschenvölker gewesen zu sein. So benutzten sie auch im Dritten Zeitalter noch einige Wörter, die aus dem Sprachschatz der [[Éothéod]], der Vorfahren der [[Rohirrim]], entlehnt sind, die früher auch am [[Anduin]] siedelten. Der von ihnen gesprochene Dialekt des [[Westron]] wurde [[Hobbitisch]] genannt. In späteren Zeiten entfremdete sich ihre Sprache jedoch von denen des ''großen Volks''.<ref name=“Prolog1“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang F, Sprachen und Völker des Dritten Zeitalters: ''Von den Hobbits''</ref> | ||
Die Hobbits gaben Mädchen gerne die Namen von Blumen oder Edelsteinen. Jungen erhielten dagegen traditionelle Vornamen ohne Bedeutung, solche deren Bedeutung nicht mehr bekannt | Die Hobbits gaben Mädchen gerne die Namen von Blumen oder Edelsteinen. Jungen erhielten dagegen traditionelle Vornamen ohne Bedeutung, solche, deren Bedeutung nicht mehr bekannt ist, oder Namen von bekannten Persönlichkeiten aus der Geschichte.<ref name=“AnhangF“> [[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang F, Sprachen und Völker des Dritten Zeitalters: ''Zur Übersetzung''</ref> | ||
Bei den Hobbits ist ''-a'' eine maskuline Endung und ''-o'' beziehungsweise ''-e'' eine feminine.<ref>In der Übertragung der Namen aus dem [[Westron]] ins Englische (respektive Deutsche) | Bei den Hobbits ist ''-a'' eine maskuline Endung und ''-o'' beziehungsweise ''-e'' eine feminine.<ref group="Anm.">In der Übertragung der Namen aus dem [[Westron]] ins Englische (respektive Deutsche) wurden die Endungen den bei uns geschlechtsspezifischen Namensendungen angepasst.</ref> Im Gegensatz zu den anderen Völkern [[Mittelerde]]s verwendeten die Hobbits, ebenso wie die Menschen des Breelandes, bereits Nachnamen.<ref name=“AnhangF“></ref> | ||
== Herkunft und Geschichte == | == Herkunft und Geschichte == | ||
[[Bild:Ursprüngliche siedlungen hobbits.png|thumb|hochkant|Die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Hobbits, vor den Tagen der Wanderung.]] | [[Bild:Ursprüngliche siedlungen hobbits.png|thumb|hochkant|Die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Hobbits, vor den Tagen der Wanderung.]] | ||
Zu Beginn des Dritten Zeitalters lebten die drei ursprünglichen Hobbitstämme, die [[Harfüße]], die [[Starren]] und die [[Falbhäute]], östlich des [[Nebelgebirge]]s, im oberen Tal des [[Anduin]]. | Zu Beginn des Dritten Zeitalters lebten die drei ursprünglichen Hobbitstämme, die [[Harfüße]], die [[Starren]] und die [[Falbhäute]], östlich des [[Nebelgebirge]]s, im oberen Tal des [[Anduin]].<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
Um das Jahr 1050 D. Z. begannen die sogenannten [[Wandertage]] (im Original ''Wandering Days''). Die Harfüße verließen ihre Siedlungen als erste in Richtung Westen. Etwa ein Jahrhundert später folgten ihnen die Starren und die Falbhäute über das [[Nebelgebirge]]. Warum die Hobbitstämme ihre ursprünglichen Siedlungen verließen, ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich | Um das Jahr 1050 D. Z. begannen die sogenannten [[Wandertage]] (im Original ''Wandering Days''). Die Harfüße verließen ihre Siedlungen als erste in Richtung Westen. Etwa ein Jahrhundert später folgten ihnen die Starren und die Falbhäute über das [[Nebelgebirge]].<ref name=“AnhangB“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: ''Das Dritte Zeitalter''</ref> Warum die Hobbitstämme ihre ursprünglichen Siedlungen verließen, ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich fühlten sich die Hobbits durch die wachsende Gefahr im [[Düsterwald]] und die großen Menschen, die sich zunehmend im Tal des Anduin ansiedelten, bedroht. | ||
Die Harfüße zogen durch [[Eriador]] bis zu den [[Wetterberge]]n, wohin ihnen später auch die Falbhäute folgen sollten. Um 1300 D. Z. ließen sie sich in [[Bree]] nieder. Bree gehörte damit zu den ersten und ältesten Hobbitsiedlungen, die nach den Wandertagen an Bedeutung gewannen. Die Starren zogen hingegen nach Süden und lebten lange im [[Winkel]], wo der [[Bruinen]] in den [[Mitheithel]] mündete, oder zogen weiter südlich nach [[Tharbad]] und | Die Harfüße zogen durch [[Eriador]] bis zu den [[Wetterberge]]n, wohin ihnen später auch die Falbhäute folgen sollten. Um 1300 D. Z. ließen sie sich in [[Bree]] nieder. Bree gehörte damit zu den ersten und ältesten Hobbitsiedlungen, die nach den Wandertagen an Bedeutung gewannen.<ref name=“Prolog1“></ref> Die Starren zogen hingegen nach Süden und lebten lange im [[Winkel]], wo der [[Bruinen]] in den [[Mitheithel]] mündete, oder zogen weiter südlich nach [[Tharbad]] und an die Grenzen von [[Dunland]]. 1356 D. Z. verließen sie den Winkel aus Furcht vor dem von [[Angmar]] entfachten Krieg und wanderten weiter nach Süden oder zogen nach [[Rhovanion]] zurück, wo sie in primitiven Gemeinden zusammenlebten.<ref name=“AnhangB“></ref> | ||
Von Bree aus brachen etwa drei Jahrhunderte später die Brüder [[Marcho]] und [[Blanco]] aus dem Stamm der Falbhäute mit einer Gruppe anderer Hobbits auf und besiedelten im Jahre 1601 D. Z. das von ihnen später so genannte [[Auenland]], einen Teil des Königreichs [[Arthedain]], das ihnen König [[Argeleb II.]] überlassen hatte. Er forderte dafür lediglich von ihnen, die Straßen und Brücken | Von Bree aus brachen etwa drei Jahrhunderte später die Brüder [[Marcho]] und [[Blanco]] aus dem Stamm der Falbhäute mit einer Gruppe anderer Hobbits auf und besiedelten im Jahre 1601 D. Z. das von ihnen später so genannte [[Auenland]], einen Teil des Königreichs [[Arthedain]], das ihnen König [[Argeleb II.]] überlassen hatte. Er forderte dafür lediglich von ihnen, die Straßen und Brücken instand zu halten und den König als ihren Herrscher anzuerkennen. 1601 D. Z. begann damit zugleich die [[Auenland-Kalender|Auenland-Zeitrechnung]]. Im Jahre 1630 D. Z. zogen die Starren, die Dunland noch nicht verlassen hatten, ebenfalls ins Auenland.<ref name=“Prolog1“></ref><ref name=“AnhangB“></ref> | ||
Bree, das Auenland sowie das angrenzende [[Bockland]] wurden zur festen Heimat der Hobbitstämme, die sich mit der Zeit vermischten. Andere Siedlungsgebiete, beispielsweise jene in [[Wilderland]], scheinen im Laufe des späteren Dritten Zeitalters verlassen oder zerstört worden zu sein.<ref>J. R. R. Tolkien: ''[[Nachrichten aus Mittelerde]]'' | Bree, das Auenland sowie das angrenzende [[Bockland]] wurden zur festen Heimat der Hobbitstämme, die sich mit der Zeit vermischten. Andere Siedlungsgebiete, beispielsweise jene in [[Wilderland]], scheinen im Laufe des späteren Dritten Zeitalters verlassen oder zerstört worden zu sein.<ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Christopher Tolkien]] (ed.): ''[[Nachrichten aus Mittelerde]]''. Teil Drei: Das Ende des Dritten Zeitalters, Kapitel IV: ''Die Jagd nach dem Ring''</ref> | ||
In späteren [[Zeitalter]]n nahm die Zahl der Hobbits ab, und mittlerweile wird das ''große Volk'' von ihnen vollständig gemieden. Sie siedeln jedoch bis heute in den genannten Gebieten im | In späteren [[Zeitalter]]n nahm die Zahl der Hobbits ab, und mittlerweile wird das ''große Volk'' von ihnen vollständig gemieden. Sie siedeln jedoch bis heute in den genannten Gebieten im Nordwesten der Alten Welt (Europa).<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
== Berühmte Hobbits == | == Berühmte Hobbits == | ||
* Die Brüder [[Marcho]] und [[Blanco]] besiedelten 1601 D. Z. als erste Hobbits das Auenland. Sie waren Hobbits vom Stamm der Falbhäute und zuvor in Bree beheimatet. | * Die Brüder [[Marcho]] und [[Blanco]] besiedelten 1601 D. Z. als erste Hobbits das Auenland. Sie waren Hobbits vom Stamm der Falbhäute und zuvor in Bree beheimatet.<ref name=“Prolog1“></ref> | ||
* [[Tobold Hornbläser]] (im Original ''Tobold Hornblower''), auch ''Alter Tobi'' (im Original ''Old Toby''), lebte im 27. Jahrhundert D. Z. und war ein Hobbit des Auenlandes. Um 2670 D. Z. baute er das erste [[Pfeifenkraut]] in seinem Garten an. Die Sorte wurde später nach ihm als [[Alter Tobi]] bezeichnet. | * [[Tobold Hornbläser]] (im Original ''Tobold Hornblower''), auch ''Alter Tobi'' (im Original ''Old Toby''), lebte im 27. Jahrhundert D. Z. und war ein Hobbit des Auenlandes. Um 2670 D. Z. baute er das erste [[Pfeifenkraut]] in seinem Garten an. Die Sorte wurde später nach ihm als [[Alter Tobi]] bezeichnet.<ref name=“Prolog2“></ref><ref name=“AnhangB“></ref> | ||
* [[Bilbo Beutlin]] (2890 bis nach 3021 D. Z.) war ein Hobbit des Auenlandes, der im Jahre 2941 D. Z. auf seiner Reise zum [[Erebor]] den [[Der Eine Ring|Einen Ring]] fand. | * [[Bilbo Beutlin]] (2890 bis nach 3021 D. Z.)<ref name=“AnhangC“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang C, Ahnentafeln: ''Beutlin von Hobbingen''</ref> war ein Hobbit des Auenlandes, der im Jahre 2941 D. Z. auf seiner Reise zum [[Erebor]] den [[Der Eine Ring|Einen Ring]] fand.<ref name=“Hobbit5“></ref><ref name=“AnhangB“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der kleine Hobbit|Der Hobbit]]''</ref> | ||
* [[Frodo Beutlin]] (2968 bis nach 3021 D. Z.) war ein Hobbit des Auenlandes, der von 3018 bis 3019 D. Z. den Einen Ring vom Auenland zum [[Orodruin]] in [[Mordor]] brachte und ihn dort vernichtete. | * [[Frodo Beutlin]] (2968 bis nach 3021 D. Z.)<ref name=“AnhangC“></ref> war ein Hobbit des Auenlandes, der von 3018 bis 3019 D. Z. den Einen Ring vom Auenland zum [[Orodruin]] in [[Mordor]] brachte und ihn dort vernichtete.<ref name=“AnhangBGrJ“>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: ''Die Grossen Jahre''</ref> | ||
* [[Samweis Gamdschie]] (2980 D. Z. bis nach 61 V. Z.) war ein Hobbit des Auenlandes und [[Gemeinschaft des Ringes|Gefährte]] Frodo Beutlins bei seiner Reise nach | * [[Samweis Gamdschie]] (2980 D. Z. bis nach 61 V. Z.)<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang C, Ahnentafeln: ''Stammbaum von Master Samweis''</ref> war ein Hobbit des Auenlandes und [[Gemeinschaft des Ringes|Gefährte]] Frodo Beutlins bei seiner Reise nach Mordor.<ref name=“AnhangBGrJ“></ref> | ||
* [[Meriadoc Brandybock]] (2982 D. Z. bis nach 64 V. Z.), auch ''Merry'', war ein Hobbit aus Bockland und Gefährte Frodo Beutlins sowie Ritter [[Rohan]]s. | * [[Meriadoc Brandybock]] (2982 D. Z. bis nach 64 V. Z.),<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang C, Ahnentafeln: ''Brandybock von Bockland''</ref> auch ''Merry'', war ein Hobbit aus Bockland und Gefährte Frodo Beutlins sowie Ritter [[Rohan]]s.<ref name=“AnhangBGrJ“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch V, Zweites Kapitel: ''Der Weg der Grauen Schar''</ref> | ||
* [[Peregrin Tuk]] (2990 D. Z. bis nach 64 V. Z.), auch ''Pippin'', war ein Hobbit des Auenlandes und | * [[Peregrin Tuk]] (2990 D. Z. bis nach 64 V. Z.),<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Anhang C, Ahnentafeln: ''Tuk von Groß-Smials''</ref> auch ''Pippin'', war ein Hobbit des Auenlandes und Gefährte Frodo Beutlins sowie Wächter der [[Zitadelle|Veste]] in [[Minas Tirith (Gondor)|Minas Tirith]], der Hauptstadt [[Gondor]]s.<ref name=“AnhangBGrJ“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch V, Erstes Kapitel: ''Minas Tirith''</ref> | ||
== Etymologie == | == Etymologie == | ||
Im Westron lautet die Bezeichnung für einen Hobbit ''banakil'' (''Halbling''). Die Hobbits nannten sich selbst auch ''kuduk'', was möglicherweise mit dem [[Rohirrisch|rohirrischen]] Wort ''kûd-dûkan'' ('' | Im Westron lautet die Bezeichnung für einen Hobbit ''banakil'' (''Halbling''). Die Hobbits nannten sich selbst auch ''kuduk'', was möglicherweise mit dem [[Rohirrisch|rohirrischen]] Wort ''kûd-dûkan'' (''Höhlenbauer'') verwandt ist. Entsprechend seiner (fiktiven) Übersetzungsstrategie „übersetzte“ Tolkien ''kûd-dûkan'' mit dem gleichbedeutenden altenglischen ''holbytla''.<ref name=“AnhangF“></ref> | ||
Entsprechend seiner (fiktiven) Übersetzungsstrategie „übersetzte“ Tolkien ''kûd-dûkan'' mit dem gleichbedeutenden | |||
Im [[Sindarin]] heißen die Hobbits ''Periannath'', was ''Volk der Halblinge'' bedeutet (von Singular ''perian'' und Plural ''periain''). [[Peregrin Tuk|Pippin]] wurde vom [[Gondor| | Im [[Sindarin]] heißen die Hobbits ''Periannath'', was ''Volk der Halblinge'' bedeutet (von Singular ''perian'' und Plural ''periain'').<ref>[[Wayne G. Hammond]], [[Christina Scull]]: ''[[The Lord of the Rings: A Reader’s Companion]]''. ''Prologue'', S. 41</ref> [[Peregrin Tuk|Pippin]] wurde vom [[Gondor|gondorischen]] Volk in [[Minas Tirith (Gondor)|Minas Tirith]] sogar zum ''Ernil i Pheriannath'' (''Prinz der Halblinge'') geadelt.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch V, Viertes Kapitel: ''Die Belagerung von Gondor''</ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Buch VI, Viertes Kapitel: ''Das Feld von Cormallen''</ref> | ||
== Inspirationsquellen == | == Inspirationsquellen == | ||
J. R. R. Tolkien selbst nannte als seine einzige unbewusste Inspirationsquelle für die Hobbits Edward Wyke Smiths Kinderbuch ''[[Das wunderbare Land der Schnerge|The Marvellous Land of Snergs]]'' von 1927, das er seinen Kindern vorgelesen hatte.<ref> | J. R. R. Tolkien selbst nannte als seine einzige unbewusste Inspirationsquelle für die Hobbits Edward Wyke Smiths Kinderbuch ''[[Das wunderbare Land der Schnerge|The Marvellous Land of Snergs]]'' von 1927, das er seinen Kindern vorgelesen hatte.<ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 163|Letter 163]]: ''To W. H. Auden'', 7. Juni 1955</ref> | ||
Das Buch erzählt die Abenteuer des Snergs Gorbo und der beiden Kinder Joe und Sylvia. Das Volk der Snergs beschreibt Wyke Smith als nur etwas größer als | Das Buch erzählt die Abenteuer des Snergs Gorbo und der beiden Kinder Joe und Sylvia. Das Volk der Snergs beschreibt Wyke Smith als nur etwas größer als einen Tisch, dafür aber breitschultrig und stark.<ref>{{Internetquelle|url=https://en.wikipedia.org/wiki/The_Marvellous_Land_of_Snergs|titel=The Marvellous Land of Snergs|website=Wiki|abruf=28. Februar 2026}}</ref> | ||
Obschon Tolkien ausdrücklich schrieb, dass es ihn nur unbewusst zu den Hobbits, aber zu nichts anderem inspirierte, versuchen Tolkien-Forscher wie [[Douglas A. Anderson]], literarische Parallelen zwischen Wyke Smiths Buch und Tolkiens ''The Hobbit'' zu finden.<ref>Douglas A. Anderson: ''[[The Annotated Hobbit]]''. ''Introduction'' | Obschon Tolkien ausdrücklich schrieb, dass es ihn nur unbewusst zu den Hobbits, aber zu nichts anderem inspirierte, versuchen Tolkien-Forscher wie [[Douglas A. Anderson]], literarische Parallelen zwischen Wyke Smiths Buch und Tolkiens ''The Hobbit'' zu finden.<ref>[[Douglas A. Anderson]]: ''[[The Annotated Hobbit]]''. ''Introduction'', S. 6f </ref> | ||
Schon zu Tolkiens Lebzeiten war die Frage nach dem Ursprung des Wortes Hobbit in die allgemeine literarische Diskussion geraten. Bereits 1938, also ein Jahr nach dem Erscheinen von ''The Hobbit'', druckte ''The Observer'' | Schon zu Tolkiens Lebzeiten war die Frage nach dem Ursprung des Wortes Hobbit in die allgemeine literarische Diskussion geraten. Bereits 1938, also ein Jahr nach dem Erscheinen von ''The Hobbit'', druckte ''The Observer'' einen Leserbriefes ab, der mit ''Habit'' unterschrieben war. Der Leserbriefschreiber fragte Tolkien, ob seine Hobbits von den kleinen, dichtbehaarten Menschen Afrikas inspiriert seien, von denen Julian Huxley berichtet habe. Tolkien verneinte, interessierte sich jedoch sehr für eine Erwähnung einer angeblichen Erzählung ''The Hobbit'' in einer Märchensammlung von 1904, an die sich ein Freund des ''Habit'' erinnert haben wollte. Darin sei der Hobbit aber eher als ein beängstigendes Wesen dargestellt worden.<ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 25|Letter 25]]: ''To the editor of the Observer'', 1938</ref> Diese angebliche Sammlung war jedoch bis zur Eintragung des Begriffs im ''Oxford English Dictionary'' in den siebziger Jahren nicht auffindbar. Erst 1988 stellte man fest, dass es sich bei dem gesuchten Werk zweifellos um ''The Hobyahs'' handelte, eine Geschichte, die in Joseph Jacobs’ ''More English Fairy Tales'' 1894 erschienen war. Tatsächlich sind die Hobyahs dort aber Kobolde, Tolkiens Hobbits ganz unähnlich.<ref>[[John D. Rateliff]]: ''[[The History of the Hobbit]]''. Part II, ''Return to Bag-End''. ''Tolkien’s Letter to ''The Observer'', S. 860</ref> | ||
Tolkien betonte immer seinen Anspruch darauf, das Wort erfunden zu haben.<ref> | Tolkien betonte immer seinen Anspruch darauf, das Wort erfunden zu haben.<ref name=“Brief319“></ref><ref>[[Wayne G. Hammond]], [[Christina Scull]]: ''[[The Lord of the Rings: A Reader’s Companion]]''. ''Prologue'', S. 1, 2</ref> | ||
Erst in der Mitte der neunzehnhundertsiebziger Jahre, nach dem Tod des Autors, wurde die damals führende englische Expertin für traditionelle Volksmärchen Katharine Briggs auf eine Auflistung von | Erst in der Mitte der neunzehnhundertsiebziger Jahre, nach dem Tod des Autors, wurde die damals führende englische Expertin für traditionelle Volksmärchen, Katharine Briggs, auf eine Auflistung von Feen, Geistern, Kreaturen der klassischen Mythologie und anderen irrealen Wesen in Michael Denhams ''The Denham Tracts'' (1846–1859), einer Sammlung von Pamphleten und Notizen zur Folklore, aufmerksam. Briggs verwendete die Liste für ihr ''A Dictionary of Fairies'' (1976), kommentierte aber Denhams Nennung des Begriffs ''hobbits'' nicht, den dieser zusammen mit anderen auf dem Wortstamm ''hob-'' (‚Kobold‘) aufbauenden Bezeichnungen aufführte. Philip Howard, der Briggs Entdeckung aufgriff, veröffentlichte sie kommentiert 1977 im ''The-Times''-Artikel ''Tracking The Hobbit Down to Earth''.<ref>{{Internetquelle|url=https://en.wikipedia.org/wiki/Denham_Tracts|titel=Denham Tracts|website=Wiki|abruf=28. Februar 2026}}</ref> | ||
Es scheint jedoch fragwürdig, ob Tolkien etwas von Denhams Auflistung wusste, als er begann, ''The Hobbit'' zu schreiben. So mag er sie zwar möglicherweise während seines Studiums im ''English Dialect Dictionary'' (1898–1905) erwähnt gefunden haben, weil sie dort als eine der Hauptquellen angegeben wurde, doch Tolkien betonte, dass er als er den ''Hobbit'' schrieb... | Es scheint jedoch fragwürdig, ob Tolkien etwas von Denhams Auflistung wusste, als er begann, ''The Hobbit'' zu schreiben. So mag er sie zwar möglicherweise während seines Studiums im ''English Dialect Dictionary'' (1898–1905) erwähnt gefunden haben, weil sie dort als eine der Hauptquellen angegeben wurde, doch Tolkien betonte, dass er, als er den ''Hobbit'' schrieb, ... | ||
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|Text=[...] keinerlei Kenntnis von ''Hobberdy'', ''Hobbaty'', ''Hobberdy Dick'' etc. (für »Haus-Kobolde«) hatte. | |Text=[...] keinerlei Kenntnis von ''Hobberdy'', ''Hobbaty'', ''Hobberdy Dick'' etc. (für »Haus-Kobolde«) hatte. | ||
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== Wissenswertes == | == Wissenswertes == | ||
Gegen Ende des Jahres 2004 wurden in einer Höhle auf der indonesischen Insel ''Flores'' Knochen und alte Werkzeuge einer bisher unbekannten Menschenart gefunden: | *Gegen Ende des Jahres 2004 wurden in einer Höhle auf der indonesischen Insel ''Flores'' Knochen und alte Werkzeuge einer bisher unbekannten Menschenart gefunden: der ''Homo floresiensis''. Diese Menschenart, die sich wahrscheinlich aus ''Homo erectus'' entwickelt hat und auf die Insel Flores auf dem Meeresweg übersetzte, war so winzig klein (ca. 1 Meter), dass sie von den Archäologen auch als Hobbits bezeichnet wurde.<ref>{{Internetquelle|url=https://en.wikipedia.org/wiki/Homo_floresiensis|titel=Homo floresiensis|website=Wiki|abruf=28. Februar 2026}}</ref> | ||
*In einem Brief an Deborah Webster schrieb Tolkien, er sei - abgesehen von seiner Größe - im Grunde selbst ein Hobbit. Er möge Gärten, Bäume und unmechanisiertes Ackerland, rauche Pfeife und schätze gutes einfaches Essen und könne der französische Küche nichts abgewinnen. Er trage gerne Westen und wage sogar, sie an trüben Tagen zu tragen. Zudem möge er Pilze, habe einen schlichten Sinn für Humor, gehe spät zu Bett und stehe, wenn möglich, spät auf; außerdem reise er nur ungern.<ref name=“ReadCom3“></ref><ref>[[J. R. R. Tolkien]], [[Humphrey Carpenter]] (ed.): ''[[The Letters of J.R.R. Tolkien]]''. [[Brief 213|Letter 213]]: ''From a letter to Deborah Webster''</ref> | |||
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Aktuelle Version vom 28. Februar 2026, 20:59 Uhr

Hobbits oder Halblinge (im Original Halflings) sind menschenähnliche Wesen und Bewohner im von J. R. R. Tolkien geschaffenen Legendarium. Sie spielen in den Romanen Der kleine Hobbit und Der Herr der Ringe eine zentrale Rolle.
Beschreibung

| „ | hobbit (ˈhɒbɪt). [...] In the tales of J. R. R. Tolkien [...]: one of an imaginary people, a small variety of the human race, that gave themselves this name (meaning ‘hole-dweller’) but were called by others halflings, since they were half the height of normal men. | “ |
— J. R. R. Tolkien: Oxford English Dictionary (Second Edition)[Anm. 1][1] | ||
| Hobbit[Anm. 2][2] In den Erzählungen J. R. R. Tolkiens: jemand aus einem erdachten Volk, einer kleinen Unterart der menschlichen Rasse, die sich selbst diesen Namen gaben (mit der Bedeutung „Höhlenbewohner“), von anderen aber Halblinge genannt wurden, da sie halb so groß waren wie normale Menschen. | ||
Übersetzung: Ardapedia | ||
Hobbits sind eine Unterart der Menschen,[3] eine kleine Nebenlinie der menschlichen Gattung.[4] Sie haben eine bräunliche Hautfarbe und erreichen eine Körpergröße von etwa 60 bis 120 Zentimetern. Dies entspricht im Durchschnitt einer halben Mannshöhe in den Längeneinheiten der Dúnedain, die die Hobbits deshalb Periannath (Halblinge) nannten. Die Hobbits selbst sagten, sie seien einmal größer gewesen. Bandobras Tuk soll sogar 1,35 Meter gemessen haben. Heutzutage werden Hobbits selten größer als 90 Zentimeter.[5][6]
Hobbits neigen zu Leibesfülle, haben runde, gutmütige Gesichter, leicht spitze Ohren[7] krauses Haupthaar und lange, geschickte Finger. Die Füße der Hobbits sind auf dem Spann mit einem dichten, wärmenden Haarpelz bedeckt, während ihre Sohlen eine lederartige Haut aufweisen. Diese Tatsache macht es für die Hobbits unnötig, Schuhe zu tragen. Sie sind Meister im Schleichen und haben ein sehr gutes Gehör.[5][6] Sie erholen sich schnell von Stürzen und Verletzungen, und sie haben einen Fundus an Weisheiten und klugen Sprüchen.[8] Zauberei ist Hobbits vollkommen fremd, magische Fähigkeiten besitzen sie nicht, bis auf ein wenig Alltagsmagie, um schnell und leise zu verschwinden. Allerdings erreichen sie ein höheres Lebensalter als Menschen und werden oft bis zu oder sogar über 100 Jahre alt.[5]
Hobbits sind ein ruhiges und friedfertiges Volk, wenig abenteuerlustig und weder kriegerisch noch grausam; sie töten Tiere niemals aus Vergnügen. Als typische Hobbit-Tugenden gelten Verstand, Großmut, Geduld und Charakterstärke.[9]
Lebensweise und Kultur der Auenland-Hobbits


Am genauesten ist die Kultur der Hobbits des Auenlands im Dritten Zeitalter zur Zeit Bilbo und Frodo Beutlins überliefert. Sie waren handwerklich und landwirtschaftlich begabt. Als Bauern, Gärtner und Handwerker bestellten sie das Land, in dem sie lebten. Dabei verwendeten sie ausschließlich Geräte mit simpler Mechanik (z. B. Schmiede-Blasebalg, Wassermühle, Handwebstuhl).[5]
Die Hobbits lebten vorzugsweise in Höhlen, sogenannten Smials, mit runden Türen und Fenstern, die bei den älteren Hobbitfamilien gleich von mehreren Generationen bewohnt wurden. Die häufig weit verzweigten Wohnhöhlen waren gemütlich ausgestattet und oft vollgestellt mit sogenannten Mathoms – mehr oder weniger nutzlosen Dingen, die in ihren Augen aber zum Wegwerfen zu schade waren. Später bauten Hobbits auch einfache Häuser, darunter Schuppen, in denen die Hobbits ihrem Handwerk nachgehen konnten. Allerdings wohnten Hobbits nicht gerne in höheren Stockwerken, daher waren auch ihre Häuser meist einstöckig.[5]
Die Hobbits lieben die Natur und alle grünen und wachsenden Dinge. Deshalb bevorzugten sie auch in der Mode die Farben Grün und Gelb. Die männlichen Hobbits trugen für gewöhnlich Kniehosen mit Hosenträgern, darüber farbige Westen und eine Jacke.[7][10] Hobbits aßen und tranken gerne und reichlich. Mittagessen nahmen sie – wenn möglich – zweimal am Tag ein und gönnten sich über den Tag verteilt kleinere Zwischenmahlzeiten (insgesamt sechs Mahlzeiten am Tag).[5][11] Die Hobbits rauchten gerne Pfeifenkraut, eine Kunst, von der die Hobbits mit Recht behaupten dürfen, sie erfunden zu haben.[12] Man besuchte zusammen Gasthäuser, wo Neuigkeiten ausgetauscht wurden, oder Familienfeiern, auf denen man sich gegenseitig beschenkte. Die Familie ist den Halblingen besonders wichtig.[5] Sie schrieben sich untereinander regelmäßig Briefe, weshalb die Post einer der wichtigsten öffentlichen Dienste war.[13] Zum Zeitvertreib spielten die Hobbits unter anderem Ring-, Pfeil- und Ballwerfen sowie Kegeln.[14]
Eine der wenigen Wissenschaften, für die die Hobbits sich interessierten, war die Ahnenkunde. Die Geschichtsschreibung war dagegen nicht weit verbreitet.[5] Als eine der wenigen bekannten Quellen der Hobbitgeschichte gilt das Jahrbuch von Tuckbergen der auenländischen Familie Tuk.[15]
Als besonders beständiges Volk von einfachem Gemüt kümmerten sie sich stets nur um die Angelegenheiten, die sich in ihrer Heimat zutrugen, weshalb viele der von den Hobbits gemachten Karten jenseits der heimatlichen Grenzen nur weiße Flecken zeigten. Fremde nannten sie Außenseiter.[16] Mit ihren menschlichen Verwandten, dem großen Volk, haben sie kaum etwas zu tun, weil sie in ihren Augen groß, dumm und laut sind. Es gab jedoch noch Orte, wo die Hobbits mit den großen Menschen friedlich zusammenlebten, so etwa im Breeland in Eriador.[5]
Im Gegensatz zu den Elben oder Zwergen, die ihre eigenen Sprachen besaßen, schien die Sprache der Hobbits seit jeher die der benachbarten Menschenvölker gewesen zu sein. So benutzten sie auch im Dritten Zeitalter noch einige Wörter, die aus dem Sprachschatz der Éothéod, der Vorfahren der Rohirrim, entlehnt sind, die früher auch am Anduin siedelten. Der von ihnen gesprochene Dialekt des Westron wurde Hobbitisch genannt. In späteren Zeiten entfremdete sich ihre Sprache jedoch von denen des großen Volks.[5][17]
Die Hobbits gaben Mädchen gerne die Namen von Blumen oder Edelsteinen. Jungen erhielten dagegen traditionelle Vornamen ohne Bedeutung, solche, deren Bedeutung nicht mehr bekannt ist, oder Namen von bekannten Persönlichkeiten aus der Geschichte.[18]
Bei den Hobbits ist -a eine maskuline Endung und -o beziehungsweise -e eine feminine.[Anm. 3] Im Gegensatz zu den anderen Völkern Mittelerdes verwendeten die Hobbits, ebenso wie die Menschen des Breelandes, bereits Nachnamen.[18]
Herkunft und Geschichte

Zu Beginn des Dritten Zeitalters lebten die drei ursprünglichen Hobbitstämme, die Harfüße, die Starren und die Falbhäute, östlich des Nebelgebirges, im oberen Tal des Anduin.[5]
Um das Jahr 1050 D. Z. begannen die sogenannten Wandertage (im Original Wandering Days). Die Harfüße verließen ihre Siedlungen als erste in Richtung Westen. Etwa ein Jahrhundert später folgten ihnen die Starren und die Falbhäute über das Nebelgebirge.[19] Warum die Hobbitstämme ihre ursprünglichen Siedlungen verließen, ist nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich fühlten sich die Hobbits durch die wachsende Gefahr im Düsterwald und die großen Menschen, die sich zunehmend im Tal des Anduin ansiedelten, bedroht.
Die Harfüße zogen durch Eriador bis zu den Wetterbergen, wohin ihnen später auch die Falbhäute folgen sollten. Um 1300 D. Z. ließen sie sich in Bree nieder. Bree gehörte damit zu den ersten und ältesten Hobbitsiedlungen, die nach den Wandertagen an Bedeutung gewannen.[5] Die Starren zogen hingegen nach Süden und lebten lange im Winkel, wo der Bruinen in den Mitheithel mündete, oder zogen weiter südlich nach Tharbad und an die Grenzen von Dunland. 1356 D. Z. verließen sie den Winkel aus Furcht vor dem von Angmar entfachten Krieg und wanderten weiter nach Süden oder zogen nach Rhovanion zurück, wo sie in primitiven Gemeinden zusammenlebten.[19]
Von Bree aus brachen etwa drei Jahrhunderte später die Brüder Marcho und Blanco aus dem Stamm der Falbhäute mit einer Gruppe anderer Hobbits auf und besiedelten im Jahre 1601 D. Z. das von ihnen später so genannte Auenland, einen Teil des Königreichs Arthedain, das ihnen König Argeleb II. überlassen hatte. Er forderte dafür lediglich von ihnen, die Straßen und Brücken instand zu halten und den König als ihren Herrscher anzuerkennen. 1601 D. Z. begann damit zugleich die Auenland-Zeitrechnung. Im Jahre 1630 D. Z. zogen die Starren, die Dunland noch nicht verlassen hatten, ebenfalls ins Auenland.[5][19]
Bree, das Auenland sowie das angrenzende Bockland wurden zur festen Heimat der Hobbitstämme, die sich mit der Zeit vermischten. Andere Siedlungsgebiete, beispielsweise jene in Wilderland, scheinen im Laufe des späteren Dritten Zeitalters verlassen oder zerstört worden zu sein.[20]
In späteren Zeitaltern nahm die Zahl der Hobbits ab, und mittlerweile wird das große Volk von ihnen vollständig gemieden. Sie siedeln jedoch bis heute in den genannten Gebieten im Nordwesten der Alten Welt (Europa).[5]
Berühmte Hobbits
- Die Brüder Marcho und Blanco besiedelten 1601 D. Z. als erste Hobbits das Auenland. Sie waren Hobbits vom Stamm der Falbhäute und zuvor in Bree beheimatet.[5]
- Tobold Hornbläser (im Original Tobold Hornblower), auch Alter Tobi (im Original Old Toby), lebte im 27. Jahrhundert D. Z. und war ein Hobbit des Auenlandes. Um 2670 D. Z. baute er das erste Pfeifenkraut in seinem Garten an. Die Sorte wurde später nach ihm als Alter Tobi bezeichnet.[12][19]
- Bilbo Beutlin (2890 bis nach 3021 D. Z.)[21] war ein Hobbit des Auenlandes, der im Jahre 2941 D. Z. auf seiner Reise zum Erebor den Einen Ring fand.[8][19][22]
- Frodo Beutlin (2968 bis nach 3021 D. Z.)[21] war ein Hobbit des Auenlandes, der von 3018 bis 3019 D. Z. den Einen Ring vom Auenland zum Orodruin in Mordor brachte und ihn dort vernichtete.[23]
- Samweis Gamdschie (2980 D. Z. bis nach 61 V. Z.)[24] war ein Hobbit des Auenlandes und Gefährte Frodo Beutlins bei seiner Reise nach Mordor.[23]
- Meriadoc Brandybock (2982 D. Z. bis nach 64 V. Z.),[25] auch Merry, war ein Hobbit aus Bockland und Gefährte Frodo Beutlins sowie Ritter Rohans.[23][26]
- Peregrin Tuk (2990 D. Z. bis nach 64 V. Z.),[27] auch Pippin, war ein Hobbit des Auenlandes und Gefährte Frodo Beutlins sowie Wächter der Veste in Minas Tirith, der Hauptstadt Gondors.[23][28]
Etymologie
Im Westron lautet die Bezeichnung für einen Hobbit banakil (Halbling). Die Hobbits nannten sich selbst auch kuduk, was möglicherweise mit dem rohirrischen Wort kûd-dûkan (Höhlenbauer) verwandt ist. Entsprechend seiner (fiktiven) Übersetzungsstrategie „übersetzte“ Tolkien kûd-dûkan mit dem gleichbedeutenden altenglischen holbytla.[18]
Im Sindarin heißen die Hobbits Periannath, was Volk der Halblinge bedeutet (von Singular perian und Plural periain).[29] Pippin wurde vom gondorischen Volk in Minas Tirith sogar zum Ernil i Pheriannath (Prinz der Halblinge) geadelt.[30][31]
Inspirationsquellen
J. R. R. Tolkien selbst nannte als seine einzige unbewusste Inspirationsquelle für die Hobbits Edward Wyke Smiths Kinderbuch The Marvellous Land of Snergs von 1927, das er seinen Kindern vorgelesen hatte.[32]
Das Buch erzählt die Abenteuer des Snergs Gorbo und der beiden Kinder Joe und Sylvia. Das Volk der Snergs beschreibt Wyke Smith als nur etwas größer als einen Tisch, dafür aber breitschultrig und stark.[33]
Obschon Tolkien ausdrücklich schrieb, dass es ihn nur unbewusst zu den Hobbits, aber zu nichts anderem inspirierte, versuchen Tolkien-Forscher wie Douglas A. Anderson, literarische Parallelen zwischen Wyke Smiths Buch und Tolkiens The Hobbit zu finden.[34]
Schon zu Tolkiens Lebzeiten war die Frage nach dem Ursprung des Wortes Hobbit in die allgemeine literarische Diskussion geraten. Bereits 1938, also ein Jahr nach dem Erscheinen von The Hobbit, druckte The Observer einen Leserbriefes ab, der mit Habit unterschrieben war. Der Leserbriefschreiber fragte Tolkien, ob seine Hobbits von den kleinen, dichtbehaarten Menschen Afrikas inspiriert seien, von denen Julian Huxley berichtet habe. Tolkien verneinte, interessierte sich jedoch sehr für eine Erwähnung einer angeblichen Erzählung The Hobbit in einer Märchensammlung von 1904, an die sich ein Freund des Habit erinnert haben wollte. Darin sei der Hobbit aber eher als ein beängstigendes Wesen dargestellt worden.[35] Diese angebliche Sammlung war jedoch bis zur Eintragung des Begriffs im Oxford English Dictionary in den siebziger Jahren nicht auffindbar. Erst 1988 stellte man fest, dass es sich bei dem gesuchten Werk zweifellos um The Hobyahs handelte, eine Geschichte, die in Joseph Jacobs’ More English Fairy Tales 1894 erschienen war. Tatsächlich sind die Hobyahs dort aber Kobolde, Tolkiens Hobbits ganz unähnlich.[36]
Tolkien betonte immer seinen Anspruch darauf, das Wort erfunden zu haben.[4][37]
Erst in der Mitte der neunzehnhundertsiebziger Jahre, nach dem Tod des Autors, wurde die damals führende englische Expertin für traditionelle Volksmärchen, Katharine Briggs, auf eine Auflistung von Feen, Geistern, Kreaturen der klassischen Mythologie und anderen irrealen Wesen in Michael Denhams The Denham Tracts (1846–1859), einer Sammlung von Pamphleten und Notizen zur Folklore, aufmerksam. Briggs verwendete die Liste für ihr A Dictionary of Fairies (1976), kommentierte aber Denhams Nennung des Begriffs hobbits nicht, den dieser zusammen mit anderen auf dem Wortstamm hob- (‚Kobold‘) aufbauenden Bezeichnungen aufführte. Philip Howard, der Briggs Entdeckung aufgriff, veröffentlichte sie kommentiert 1977 im The-Times-Artikel Tracking The Hobbit Down to Earth.[38]
Es scheint jedoch fragwürdig, ob Tolkien etwas von Denhams Auflistung wusste, als er begann, The Hobbit zu schreiben. So mag er sie zwar möglicherweise während seines Studiums im English Dialect Dictionary (1898–1905) erwähnt gefunden haben, weil sie dort als eine der Hauptquellen angegeben wurde, doch Tolkien betonte, dass er, als er den Hobbit schrieb, ...
| „ | [...] keinerlei Kenntnis von Hobberdy, Hobbaty, Hobberdy Dick etc. (für »Haus-Kobolde«) hatte. | “ |
— J. R. R. Tolkien: Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 319: From a letter to Roger Lancelyn Green, 8. Januar 1971 | ||
Wissenswertes
- Gegen Ende des Jahres 2004 wurden in einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores Knochen und alte Werkzeuge einer bisher unbekannten Menschenart gefunden: der Homo floresiensis. Diese Menschenart, die sich wahrscheinlich aus Homo erectus entwickelt hat und auf die Insel Flores auf dem Meeresweg übersetzte, war so winzig klein (ca. 1 Meter), dass sie von den Archäologen auch als Hobbits bezeichnet wurde.[39]
- In einem Brief an Deborah Webster schrieb Tolkien, er sei - abgesehen von seiner Größe - im Grunde selbst ein Hobbit. Er möge Gärten, Bäume und unmechanisiertes Ackerland, rauche Pfeife und schätze gutes einfaches Essen und könne der französische Küche nichts abgewinnen. Er trage gerne Westen und wage sogar, sie an trüben Tagen zu tragen. Zudem möge er Pilze, habe einen schlichten Sinn für Humor, gehe spät zu Bett und stehe, wenn möglich, spät auf; außerdem reise er nur ungern.[6][40]
Anmerkungen
- ↑ Dieser Teil des Eintrags wurde von Tolkien 1970 im Wesentlichen auf Anfrage der Redaktion des OED selbst verfasst.
- ↑ In der ersten deutschen Übersetzung von The Hobbit (Kleiner Hobbit und der große Zauberer) von 1957 wird der Plural von Hobbit noch mit Hobbite wiedergegeben.
- ↑ In der Übertragung der Namen aus dem Westron ins Englische (respektive Deutsche) wurden die Endungen den bei uns geschlechtsspezifischen Namensendungen angepasst.
Quellen
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 316: An R. W. Burchfield, 11. September 1970
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit und der Große Zauberer. Im Original erschienen 1937 unter dem Titel The Hobbit or There and Back Again Übersetzt von Walter Scherf. Paulus Verlag, Recklinghausen 1957.
- ↑ Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. Prologue, S. 8
- ↑ 4,0 4,1 J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 319: From a letter to Roger Lancelyn Green, 8. Januar 1971
- ↑ 5,00 5,01 5,02 5,03 5,04 5,05 5,06 5,07 5,08 5,09 5,10 5,11 5,12 5,13 5,14 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Prolog: Über Hobbits
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. Prologue, S. 3
- ↑ 7,0 7,1 J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 27: From a letter to the Houghton Mifflin Co., März/April 1938
- ↑ 8,0 8,1 J. R. R. Tolkien: Der Hobbit. Fünftes Kapitel: Rätsel in der Finsternis
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 281: From a letter to Rayner Unwin, 15. Dezember 1965
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch I, Achtes Kapitel: Nebel auf den Hügelgräberhöhen
- ↑ Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. Prologue, S. 7
- ↑ 12,0 12,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Prolog: Über Pfeifenkraut
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch I, Erstes Kapitel: Ein lang erwartetes Fest
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Hobbit. Achtes Kapitel: Fliegen und Spinnen
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang D: Die Kalender
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch I, Neuntes Kapitel: Im Gasthaus zum Tänzelnden Pony
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang F, Sprachen und Völker des Dritten Zeitalters: Von den Hobbits
- ↑ 18,0 18,1 18,2 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang F, Sprachen und Völker des Dritten Zeitalters: Zur Übersetzung
- ↑ 19,0 19,1 19,2 19,3 19,4 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Das Dritte Zeitalter
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Nachrichten aus Mittelerde. Teil Drei: Das Ende des Dritten Zeitalters, Kapitel IV: Die Jagd nach dem Ring
- ↑ 21,0 21,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang C, Ahnentafeln: Beutlin von Hobbingen
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Hobbit
- ↑ 23,0 23,1 23,2 23,3 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Die Grossen Jahre
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang C, Ahnentafeln: Stammbaum von Master Samweis
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang C, Ahnentafeln: Brandybock von Bockland
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Zweites Kapitel: Der Weg der Grauen Schar
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang C, Ahnentafeln: Tuk von Groß-Smials
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Erstes Kapitel: Minas Tirith
- ↑ Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. Prologue, S. 41
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Viertes Kapitel: Die Belagerung von Gondor
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch VI, Viertes Kapitel: Das Feld von Cormallen
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 163: To W. H. Auden, 7. Juni 1955
- ↑ The Marvellous Land of Snergs, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, abgerufen am 28. Februar 2026.
- ↑ Douglas A. Anderson: The Annotated Hobbit. Introduction, S. 6f
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 25: To the editor of the Observer, 1938
- ↑ John D. Rateliff: The History of the Hobbit. Part II, Return to Bag-End. Tolkien’s Letter to The Observer, S. 860
- ↑ Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. Prologue, S. 1, 2
- ↑ Denham Tracts, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, abgerufen am 28. Februar 2026.
- ↑ Homo floresiensis, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, abgerufen am 28. Februar 2026.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 213: From a letter to Deborah Webster
