Bauer Giles von Ham

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Bauer Giles von Ham
Der Aufstieg und die wunderbaren Abenteuer
des Bauern Giles, Herrn von Tame,
Grafen von Würmlingshausen
und Königs
im Kleinen Königreich
Autor J. R. R. Tolkien
Übersetzer Angela Uthe-Spencker[1]
Illustrator Pauline Baynes[2][3]
Verlag Klett-Cotta
Engl. Erstausgabe: George Allen & Unwin[2]
Erschienen 2016[3]
Erstausgabe: 1975[4]
Engl. Erstausgabe: 1949[2]
Details
Format gebunden mit Schutzumschlag
Seiten 240
Sprache Deutsch[3]
ISBN 978-3-608-96092-1

Bauer Giles von Ham (Original Farmer Giles of Ham) ist ein erstmals 1949 erschienenes Werk von J. R. R. Tolkien, das vom im Kleinen Königreich lebenden Bauern Giles und seinem Kampf gegen den Drachen Chrysophylax handelt.

Inhalt

Dem gutmütigen, zwar recht gewieften, aber nicht übermäßig heroischen Bauer Giles von Ham gelingt es mehr durch eine glückliche Fügung als durch planvollem Handeln oder Können einen Riesen, der auf seinen Ländereien umherirrt, zu vertreiben. Dies bringt ihm Ansehen und den Ruf eines Heldens ein. Der König des „Mittleren Königreiches“, der von dem Geschehen erfährt, belohnt den Bauern mit einem alten Schwert.

Als eine neue Gefahr in Form des alten Drachen Chrysophylax heranzieht und die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzt, finden die Ritter des Königs Ausflüchte, um nicht gegen ihn antreten zu müssen. Der von seinen Nachbarn unter Druck gesetzte Giles muss widerstrebend gegen den Drachen ausziehen. Zufällig ist das geschenkte Schwert das des berühmtesten Drachentöters des Königreichs, „Caudimordax“, der Schwanzbeißer. So bewaffnet erreicht Giles, dass der Drache sich ergibt und den Dorfbewohnern einen Großteil seines Schatzes zu geben verspricht, wenn sie ihn nicht töten.

Der Drache ignoriert allerdings sein Versprechen, sobald er in seine Höhle zurückgekehrt ist. Das ärgerte den König des Landes, der sich selbst schon Hoffnung auf den Schatz gemacht hat. Er weist seine Ritter, aber auch Giles an, Chrysophylax zu fangen und zu töten. Während der Drache zwar mit den Rittern ohne großes Federlesen fertig wird, muss er vor dem Bauern und seinem Schwert klein beigeben. Er liefert einen Teil des Schatzes aus und bringt ihn nach Ham, darf den Rest jedoch behalten, um sein Ansehen bei den anderen Drachen wahren zu können.

Schließlich jagt Chrysophylax auf Befehl des inzwischen selbstbewussten Giles den König und seine Mannen davon, die sich den Schatz holen wollen. Giles wird bald darauf König des neugegründeten und von dem Drachen beschützten „Kleinen Königreiches“. Als Giles alt wird, lässt er Chrysophylax ziehen. Der kehrt in seine Höhle zurück (die immer noch voller Schätze ist) und vertreibt einen „frechen Jungdrachen“, der sich dort einquartiert hatte.[5]

Wichtige Personen bzw. Tiere

  • Bauer Giles (Ægidius Ahenobarbus Julius Agricola de Hammo)
  • König Augustus Bonifacius Ambrosius Aurelianus Antoninus Pius et Magnificus, dux, rex, tyrannus, et basileus Mediterranearum Partium (König des Mittleren Königreichs)
  • Garm (Hund von Giles, kann sprechen)

Bedeutung

Die Erzählung Farmer Giles von Ham gilt als Kunstmärchen und verdeutlicht gut Tolkiens Konzeption davon, was (phantastische) Literatur und besonders Märchen (engl. fairy tales) ausmachen sollte. Tolkien hält deren heilsame Wirkung auf den menschlichen Geist und dessen Vorstellungskraft für wichtiger als eine eventuelle moralische Wirkung. Die Flucht in eine imaginäre Welt sei kein Eskapismus, sondern aufgrund des Trostes, den sie spenden könne, heilsam, weil sie helfe, Dinge, die in der realen Welt nicht zu ändern sind, besser und gesünder zu ertragen („escape of the prisoner“). Das stets gute Ende eines Märchens (er prägt dafür den Begriff „eucatastrophe“) ist für ihn essentiell für die Trosterfahrung (siehe dazu Tolkiens als Vortrag gehaltenes Essay On fairy stories von 1939).[6]

Alan Lee schrieb in einem Nachwort zu einem von ihm illustrierten Sammelband, der auch den Farmer Giles enthält, zu dieser heilsamen Wirkung':

„ Ich bin überzeugt, dass wir gute Geschichtenerzähler heute ebenso dringend brauchen wie damals, als Geschichten noch ausschließlich mündlich wiedergegeben wurden; und dass die aktive Weitergabe von Geschichten eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Gehirns spielt. Die Qualität der Geschichten, die uns in unseer Kindheit und Jugend umgeben, spielt für unser Wohlbefinden eine ebenso große Rolle wie die Qualität unserer Nahrung und unserer Umwelt. “

— Alan Lee in:: J. R. R. Tolkien: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich. Übersetzt von Angela Uthe-Spencker, Hans J. Schütz, Ebba-Margareta von Freymann und Thelma von Freymann. Klett-Cotta, Stuttgart 2022, 4. Auflage. Nachwort, S. 332f.

Farmer Giles von Ham enthält zwar alle wesentlichen Elemente, die auch für ein Volksmärchen erwartet werden. Darüberhinaus enthält die Erzählung aber für Märchen eher ungewöhnlichen Sprachwitz, philologische Wortspiele und satirisch-parodistische Elemente. Tolkien zieht darin die Philologen, zu denen er selbst gehörte, auf, wenn er beispielsweise die Entstehung des Names Themse (engl. Thames) durch das Wort „tame“ (dt. zahm) erklärt, da der Farmer ja Herr eines gezähmten Drachens geworden sei.

Viele Namen in seinem Märchen enthalten Anspielungen auf Mythen und historische Personen. So taucht auch in der Älteren Edda ein Hund namens „Garm“ auf[7] und Giles´ Widersacher, der Schmied „Fabricius Cuncator“, trägt fast exakt den Namen von Hannibals römischem Gegenspieler Fabrius Cunctator. Der Drache „Chrysophylax Dives“ erhielt einen sprechenden, teils griechisch, teils römischen Namen als „reicher Wächter des Goldes“.[8])

Buchinformation

Die Geschichte des Bauern Giles von Ham und seinen Abenteuern wird im englischen Original erstmals 1949 veröffentlicht.[2] Ins Deutsche wird sie von Angela Uthe-Spencker übersetzt im Buch Fabelhafte Geschichten 1975 veröffentlicht.[4]

Ausgaben

Die folgende Ausgabenliste bezieht sich fast ausschließlich auf die Veröffentlichungen von Bauer Giles von Ham in einem Einzelwerk. Für Sammelwerke, siehe Die Abenteuer des Tom Bombadil #Ausgaben, Geschichten aus dem gefährlichen Königreich #Ausgaben und Fabelhafte Geschichten #Ausgaben.

Originalausgabe

Gebundene englische Ausgaben

  • 1949: George Allen & Unwin (Library Edition), keine ISBN[10]
  • 1975: Cedric Chivers, ISBN 0859970620 [Großdruck-Ausgabe][11]
  • 1976: George Allen & Unwin, ISBN 0048231312 [zweite Auflage][12]

Englische Taschenbuchausgaben

Deutsche Erstausgabe

Weitere deutsche Ausgaben

Weitere Übersetzungen

Sonstiges

  • 1987 erschien Selections from the Marquette J.R.R. Tolkien Collection (Marquette University, Marquette 1987), in der ein Satz aus Farmer Giles of Ham enthalten ist, der vor dem Setzen aus dem Typoskript entfernt wurde.[14]

Anmerkungen

  1. ↑ Die Originalausgabe unterteilt sich in vier Auflagen (1949, 1957, 1961, 1965). Die vierte Auflage wurde von Allen & Unwin in Zusammenarbeit mit Houghton Mifflin veröffentlicht; die Originalausgabe, die am Ende elf Auflagen zählte, wurde bis 1974 verkauft.
  2. ↑ Farmer Giles of Ham war zuvor bereits in einer Taschenbuchausgabe von The Adventures of Tom Bombadil aus dem Jahr 1975 abgedruckt worden. Die Taschenbuchausgabe von Farmer Giles of Ham aus dem Jahr 1983 wurde 1984 und 1986 nachgedruckt.

Quellen

  1. ↑ J. R. R. Tolkien: Geschichten aus dem gefährlichen Königreich. Klett-Cotta, Stuttgart 2022. 8. Auflage. Impressum, S. 4.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Farmer Giles of Ham. 1949. TolkienBooks.net, abgerufen am 1. September 2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Bauer Giles von Ham. klett-cotta.de, abgerufen am 1. September 2026.
  4. ↑ 4,0 4,1 Fabelhafte Geschichten. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 1. September 2026.
  5. ↑ J. R. R. Tolkien: Bauer Giles von Ham. Klett-Cotta, Stuttgart 2016.
  6. ↑ J. R. R. Tolkien: Über Märchen, in Gute Drachen sind rar, S. 51–140.
  7. ↑ Karl Simrock, (Übersetzer u. Herausgeber): Die Edda – Nordische Götter- und Heldensagen I. Die ältere Edda. 1. Wöluspa, Vers 39.
  8. ↑ Dieter Petzold: J. R. R. Tolkien: Leben und Werk. Edition Isele, Eggingen 2004.
  9. ↑ Farmer Giles of Ham. 1965. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  10. ↑ Farmer Giles of Ham. 1949. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  11. ↑ Farmer Giles of Ham. 1975. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  12. ↑ Farmer Giles of Ham. 1976. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  13. ↑ Farmer Giles of Ham. 1983. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
  14. ↑ Selections from the Marquette J.R.R. Tolkien Collection. 1987. TolkienBooks.net, abgerufen am 2. September 2026.
Veröffentlichungen
Primärliteratur
Belletristik Songs for the Philologists (1936) • Der Hobbit (1937) • The Lay of Aotrou and Itroun (1945) • Blatt von Tüftler (1947) • Bauer Giles von Ham (1949) • The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son (1953) • Der Herr der Ringe (1. Die Gefährten (1954) • 2. Die Zwei Türme (1954) • 3. Die Rückkehr des Königs (1955)) • Die Abenteuer des Tom Bombadil und andere Gedichte aus dem Roten Buch (1962) • Baum und Blatt (1964, Sammelband) • The Tolkien Reader (1966, Sammelband) • The Road Goes Ever On (1967) • Der Schmied von Großholzingen (1967)
Posthum veröffentlichte Belletristik Briefe vom Weihnachtsmann (1976) • Das Silmarillion (1977) • Nachrichten aus Mittelerde (1980) • Herr Glück (1982) • The History of Middle-earth (1. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 1 (1983) • 2. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2 (1984) • 3. The Lays of Beleriand (1985) • 4. The Shaping of Middle-earth (1986) • 5. The Lost Road and Other Writings (1987) • 6. The Return of the Shadow (1988) • 7. The Treason of Isengard (1993) • 8. The War of the Ring (1992) • 9. Sauron Defeated (1992) • 10. Morgoth’s Ring (1993) • 11. The War of the Jewels (1994) • 12. The Peoples of Middle-earth (1996)) • Bilbos Abschiedslied (1990) • Geschichten aus dem gefährlichen Königreich (1997, Sammelband) • Roverandom (1998) • Die Kinder Húrins (2007) • The History of The Hobbit (2007) • Die Legende von Sigurd und Gudrún (2009) • König Arthurs Untergang (2013) • Die Geschichte von Kullervo (2015) • Beren und Lúthien (2017) • Der Fall von Gondolin (2018) • Natur und Wesen von Mittelerde (2021) • Der Untergang von Númenor (2022) • Die Schlacht von Maldon und Die Heimkehr von Beorhtnoth (2023) • The Collected Poems of J. R. R. Tolkien (2024) • Die Bovadium-Fragmente (2025)
Akademische Werke A Middle English Vocabulary (1922) • Sir Gawain and the Green Knight (Mittelenglischer Text, 1925) • The Devil’s Coach-Horses (1925) • Ancrene Wisse and Hali Meiðhad (1929) • Sigelwara Land (1932–34) • The Name Nodens (1932) • Chaucer as a Philologist: The Reeve’s Tale (1934) • Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1936) • Über Märchen (1939) • Zur Übersetzung des Beowulf (1940) • Sir Orfeo (1944) • ‘iþþlen’ in Sawles Warde (1947) • A Fourteenth-Century Romance (1953) • Ancrene Wisse (1962) • English and Welsh (1963) • Beiträge zur Jerusalemer Bibel (als Übersetzer und Lexikograph, 1966)
Posthume akademische Veröffentlichungen Sir Gawain and the Green Knight, Pearl, and Sir Orfeo (1975) • The Old English Exodus (1982) • Finn and Hengest (1982) • Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1983) • Beowulf and the Critics (2002) • Beowulf: A Translation and Commentary together with Sellic Spell (2014) • A Secret Vice (2016)
Sekundärliteratur
Über das Legendarium Das große Mittelerde-Lexikon (1978) • The Lord of the Rings: A Reader’s Companion (2005) • The Maps of Middle-earth (2024)
Tolkien-Biographien J. R. R. Tolkien: Eine Biographie (1977) • The Inklings (1978) • Tolkien und der Erste Weltkrieg (2003)
Wissenschaftliche Werke Der Weg nach Mittelerde (1982) • The Keys of Middle-earth (2005) • The J. R. R. Tolkien Companion and Guide (2005) • The Ring of Words (2006) • A Companion to J. R. R. Tolkien (2014) • Tolkien’s Lost Chaucer (2019) • Tolkien’s Library (2019) • The Great Tales Never End (2022) • Tolkien on Chaucer, 1913–1959 (2024) • Les Mondes de Christopher Tolkien (2024)
Wissenschaftliche Zeitschriften Tolkien Studies • (The Chronology)
Andere Werke Tolkiens
Linguistische Zeitschriften Vinyar Tengwar (seit 1988; verschiedene Ausgaben) • Parma Eldalamberon (seit 1971; Ausgabe 11–23)
Sammlungen von Kunst und Manuskripten Pictures by J. R. R. Tolkien (1979) • J. R. R. Tolkien: Life and Legend (1992) • J. R. R. Tolkien – Der Künstler (1995) • Die Kunst des Hobbit (2011) • Die Kunst des Herr der Ringe (2015) • Tolkien: Schöpfer von Mittelerde (2018) • Tolkien: Treasures (2018) • J. R. R. Tolkien: The Art of the Manuscript (2022)
Bibliographie • Briefe