Brandir der Lahme

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Brandir der Lahme
Titel
Oberhaupt des Hauses Haleth[1]
Eckdaten
Geboren 465 E. Z. (J. S.)
Gestorben 499 E. Z. (J. S.),[1] Dimrost[2]
Volk Menschen
Zugehörigkeit Edain
Ort Brethil, Beleriand[3][4]
Sprache Halethian[5]
Familie
Haus Haus Haleth[3]
Mutter Beldis
Vater Handir[1]

Brandir der Lahme (Original Brandir the Lame) ist ein Mensch aus dem Haus Haleth. Er ist das sechste Oberhaupt dieses Volkes.

Beschreibung

Brandir aus dem Haus Haleth, dem zweiten der drei Häuser der Edain, wurde im Jahr 465 E. Z. (J. S.) geboren. Er war der Sohn von Beldis aus dem Haus Beor und Handir, dem Oberhaupt des Hauses Haleth. Er wurde nach seinem Onkel Brandir benannt, dem Bruder seiner Mutter.[1]

Brandir lebte in Brethil.[4]

Zur Zeit seiner Geburt war Brandirs Urgroßvater Halmir der oberste Anführer der Haladin. Sein Großvater, der ihm im Jahr 471 E. Z. (J. S.) nachgefolgt war, starb nur ein Jahr später in der fünften Schlacht von Beleriand, der Nirnaeth Arnoediad, woraufhin Brandirs Vater dessen Stellung übernahm. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 495 E. Z. (J. S.) wurde Brandir das sechste Oberhaupt seines Volkes.[1][3] Als er im Jahr 499 E. Z. (J. S.) starb, folgte Hardang als Anführer der Haladin nach.[6]

In seiner Kindheit erlitt Brandir einen Unfall, bei dem er sich ein Bein brach. Seitdem war er lahm und hinkte. Er war sanftmütig und kein Mann des Krieges. Er zog Holz dem Metall vor und beschäftigte sich am liebsten mit allem, was in der Erde wuchs. Zudem verstand er sich auf die Heilkunst.[7]

Legendarium

Seine Kindheit in Brethil war von der ständigen Gefahr geprägt, dass Orks aus dem Norden einfielen. Als er dreißig Jahre alt war und sein Vater von Orks getötet wurde, wurde er das Oberhaupt der Haladin, auch wenn viele es vorgezogen hätten, Hunthor oder Manthor zum Anführer zu wählen.[7]

Die Palisadenfestung auf dem Amon Obel im Wald von Brethil, in die sich die Leute Haleths zurückgezogen hatten, wurde nach ihm auch Ephel Brandir benannt.[8] Da er ein friedfertiger Mann war, zog er es vor, sein Volk, das durch die Kriege stark geschwächt war, zu beschützen und im Stillen und Geheimen zu halten.

Bei einem Grenzkampf mit Orks wurden Dorlas und seine Männer nur durch das beherzte Eingreifen Túrins Turambar vor dem Tod bewahrt. Dorlas brachte Túrin zu den Haladin. Als Brandir Túrin sah, dem aufgrund der Trauer über Finduilas Tod die Lebensgeister entwichen waren, fiel ein dunkler Schatten auf sein Herz, und er ahnte, dass mit ihm Unheil über sein Volk kommen werde. Dennoch pflegte Brandir Túrin, bis er wieder gesund war. Dieser setzte nach einiger Zeit seine Verfolgung der Orks fort, was Brandir missfiel.[7]

Túrin fand seine Schwester Níniel, die er nicht erkannte und die wiederum ihr Gedächtnis und ihre Sprache verloren hatte. Er brachte die schwerkranke Níniel zu Brandir. Brandir setzte all seine Fähigkeiten ein, um sie zu heilen. Als sie genesen war und wieder sprechen lernte, suchte sie oft Brandir auf, da sie die Namen aller lebenden Dinge erfahren wollte. Brandir verliebte sich in sie, doch sie betrachtete ihn als Bruder, und ihr Herz gehörte Túrin. Nachdem Túrin Níniel um ihre Hand gebeten hatte, riet Brandir ihr, zu warten, da er einen Schatten auf ihm liegen sah. Níniel wartete noch ein Jahr, ehe sie Túrin heiratete. Als Túrin erfuhr, dass Brandir ihr zur Vorsicht geraten hatte, war er verstimmt. Auf Brandirs Herz legte sich jedoch ein noch tieferer Schatten.[9]

Als erneut Orks in die Region einfielen, zog Túrin in den Kampf und führte die Männer an. Zusehends übernahm er die Führung, so dass es schien, als sei er das Oberhaupt der Haladin, während Brandir kaum noch Beachtung fand.

Als der Drache Glaurung in Brethil einzufallen drohte, mahnte Brandir zur Vorsicht und riet dazu, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Aber Túrin wollte ausziehen, um den Drachen zu töten. Dorlas sprang ihm zur Seite und verhöhnte Brandir und rief aus, dass er eine Schande für das Haus Haleth sei. Brandir saß schweigend auf seinem Hochsitz, doch innerlich war er voller Bitterkeit. Hunthor, ein aufrechter, mutiger Mann des Hauses Haleth, stand Brandir zwar bei, wollte jedoch mit Túrin ziehen. Dies verbitterte Brandir umso mehr, und er ließ ihn ohne Segen ziehen.

Entgegen Brandirs Rat folgte Níniel Túrin. Brandir war vollends verbittert und rief den Verbliebenen der Haladin zu:

Seht, wie ich verachtet und all mein Rat verworfen werde. Wählt euch einen anderen, der euch führt. Denn hiermit verzichte ich sowohl auf Herrschaft als auch auf das Volk. Turambar soll euer Herr dem Namen nach sein, da er bereits all meine Autorität an sich gerissen hat. Niemand soll mich jemals wieder um Rat oder Heilung bitten.

— J. R. R. Tolkien: Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Harper Collins, London 2014. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XVI: The Coming of Glaurung

Er zerbrach seinen Stab, nahm seine Krücke und ein Kurzschwert und humpelte Níniel hinterher.[10]

Am Dimrost holte er Níniel ein und wollte sie in Sicherheit bringen. Doch sie rannte fort, um Túrin zu suchen. Brandir folgte ihr, so gut er konnte, kam aber zu spät. Er lehnte an einem Baum und konnte von dort aus hören, was Glaurung Níniel offenbarte. Túrin sei ihr Bruder und sie trage sein Kind unter ihrem Herzen. Brandir konnte nicht verhindern, dass Níniel in die Cabed-en-Aras sprang und sich zu Tode stürzte. Obwohl Brandir sein Leben nun hasste, brachte er es nicht über sich, den Tod zu suchen.

Auf seinem Weg zurück traf Brandir auf Dorlas. Dieser war beschämt umgekehrt und hatte sich versteckt, als er von Túrins Plan erfahren hatte, die Cabed-en-Aras zu überqueren. Brandir erkannte, dass Dorlas sich unehrenhaft entfernt hatte und seine Gefährten Túrin und Hunthor ihrem Schicksal überlassen hatte, und warf Dorlas sein Verhalten vor. Er machte ihn mitverantwortlich für das Leiden seines Volkes und für den Tod Níniels. Daraufhin versuchte Dorlas, ihn mit einem Faustschlag anzugreifen. Aber Brandir zog schnell sein Messer und Dorlas starb mit einem erstaunten Ausdruck in seinen Augen.

Am Dimrost traf er wieder auf seine Leute und berichtete ihnen vom Tod des Drachen, von Túrin Turambar und von Níniel.[11] Doch Túrin war nicht tot. Als dieser erfuhr, was geschehen war, geriet er außer sich und erschlug Brandir mit seinem Schwert Gurthang. Brandir hatte seinem Tod entgegengesehen und hoffte, Níniel vielleicht jenseits des Meeres wiederzufinden.[2]

Stammbaum

Haldad
Haleth*
Haldar
Haldan*
Halmir*
Bregil
Haldir*
Hundar
Galdor
Hareth
Hiril
Enthor
Brandir
Beldis
Handir*
Hundad
Morwen
Húrin
Huor
Rían
Meleth
Brandir der Lahme*
Hardang*
Túrin Turambar
Lalaith
Nienor Níniel
Tuor
Hunthor
Manthor
Earendil
Elrond
Elros

* Stammesführer des Hauses Haleth[1]

Werkgeschichte

  • In einer früheren Version der Quenta Silmarillion wird berichtet, dass Brandir durch einen Orkpfeil verwundet wurde, der ihn als Kind getroffen und seine Lahmheit verursacht hatte.[12]
  • In einer anderen Fassung war Brandir, der Enkel von Haleth the Hunter (Haleth dem Jäger). Haleth war zu dieser Zeit im Stammbaum der Oberste eines der drei Häuser der Edain, das noch nicht unter dem Namen Haladin bekannt war. Brandirs Vater Handir war in dieser Version der Sohn Haleths.[12][13]

Etymologie

Der Name Brandir setzt sich aus den Wortbestandteilen brand und dîr zusammen. Brand ist von branda abgeleitet und bedeutet edel oder nobel. Die Silbe dîr bezeichnet einen erwachsenen Mann (unabhängig vom Volk). Der Name kann somit als „edler Mann“ übersetzt werden.[14][15]

Links

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part Two: The Later Quenta Silmarillion, Kapitel XIV: Of the Coming of Men into the West, S. 237
  2. 2,0 2,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XVIII: The Death of Túrin
  3. 3,0 3,1 3,2 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion: Kapitel XVII: Von den ersten Menschen im Westen
  4. 4,0 4,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel XXI: Von Túrin Turambar
  5. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XII The Peoples of Middle-earth. Part Two: Late Writings, Kapitel XII The Problem of Ros, S. 372, Note 4
  6. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part Three: The Wanderings of Húrin and other Writings not forming Part of the Quenta Silmarillion, Kapitel I: The Wanderings of Húrin, S. 309
  7. 7,0 7,1 7,2 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XIII: The Coming of Túrin into Brethil
  8. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part One: The Grey Annals, S. 98, § 291
  9. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XV: Niënor in Brethil
  10. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XVI: The Coming of Glaurung
  11. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Narn I Chîn Húrin, The Tale of the Children of Húrin, Kapitel XVII: The Death of Glaurung
  12. 12,0 12,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. IV The Shaping of Middle-earth. Kapitel III: The Quenta, S. 129, § 13
  13. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part Two: The Later Quenta Silmarillion, Kapitel XIV: Of the Coming of Men into the West, S. 236
  14. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. V The Lost Road and Other Writings. Part Three: The Ethymologies, BARÁD, S 351
  15. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. V The Lost Road and Other Writings. Part Three: The Ethymologies, DER, S 354