Herr Glück

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Herr Glück

von J. R. R. Tolkien;
Anja Hegemann (Übers.)

Klett-Cotta, Stuttgart 1983

ISBN 3-608-95221-7

Hardcover, 105 Seiten

Mr. Bliss

von J. R. R. Tolkien

Allen & Unwin, London 1982

ISBN 0395329361

Hardcover, 107 Seiten

Herr Glück ist ein kurzes Bikderbuch für Kinder, das von J. R. R. Tolkien verfasst und erstmals 1982 veröffentlicht wurde.

Kurzbeschreibung

Es ist die Geschichte eines Exzentrikers: Herr Glück, berühmt wegen seiner Vorliebe für hohe Hüte und dem Giraffinchen, das in seinem Garten lebt, beschließt eines Tages, ein Auto zu kaufen. Seine erste Fahrt soll dem Besuch von Freunden gelten, doch die Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, erfordern alle Umsicht. Manches, das muss man ehrlicherweise zugeben, beruht auf den Fahrkünsten von Herrn Glück, doch für das meiste kann man ihn mit bestem Willen nicht verantwortlich machen, denn wer kann schon vorhersehen, dass er von drei Bären überfallen wird.

Figuren

  • Veit Valentin ist ein alter, gebeugter, halb tauber Bewohner des Ortes, aus dem Herr Glück stammt.
  • Schnösel Alfred ist ein piekfeiner Bewohner des Dorfes, in dem Herr Glück lebt.
  • Frau Leisegang ist eine besonders dicke Bewohnerin des Dorfes, aus dem Herr Glück stammt, sie hält gerne ihren Schwatz mit Frau Lustig.
  • Frau Lustig ist eine Bewohnerin des Ortes aus dem Herr Glück stammt. Sie redet gerne mit Frau Leisegang.

Inspirationsquellen

Humphrey Carpenter schildert in seiner Biographie über Tolkien, dass Herr Glück von Tolkiens eigenen Missgeschicken inspiriert war, die ihm beim Fahren mit seinem Auto zustießen, das er 1932 kaufte.

Joan Audrey Tolkien, die Ehefrau von Michael Tolkien erklärte in einem Brief an die Sunday Times, dass ihr Mann die Geschichte zum ersten Mal 1928 im Alter von acht Jahren von seinem Vater erzählt bekam[1]. Ein Nachweis hierfür ist unter anderem, dass Michael die Geschichte in seinem Urlaubstagebuch vom Sommer 1928 erwähnte.

Die Erzählung war von Tolkien für seine drei Söhne John, Michael und Christopher erdacht worden. Die drei darin auftauchenden Bären sollen von den Teddybären der drei inspiriert worden sein, wobei Archie (im Deutschen Axel) der Bär von Michael war. Das gelbe Auto von Herr Glück basiere laut Mrs. Michael Tolkien auf einem Spielzeugauto mit Chauffeur, das laut den Angaben ihres Mannes, seinem Bruder Christopher gehört hatte[2].

Werksgeschichte

Irgendwann zwischen 1932 und 1937 schrieb und illustrierte J. R. R. Tolkien seine Kindergeschichte Mr. Bliss. Dem Verlag Allen & Unwin wurde die Geschichte zur gleichen Zeit vorgelegt wie Tolkiens Roman The Hobbit (1937). Allen & Unwin wollte die Geschichte sehr gerne veröffentlichen, allerdings sollte Tolkien dazu, um die Erzählung leichter reproduzierbar zu machen, seine Illustrationen vereinfachen.

Doch wie Tolkiens Korrespondenz mit C. A. Furth von Allen & Unwin zeigt, sah Tolkien sich, auch wegen arbeitsbedingtem Zeitmangel, nicht in der Lage die Illustrationen zu vereinfachen. Daher bat er um Ratschläge, um eine mögliche Veröffentlichung nicht zu gefährden.

Doch The Hobbit verdrängte Mr. Bliss und die Geschichte blieb zu Tolkiens Lebzeiten unveröffentlicht. Erst 1982 brachte Allen & Unwin die Geschichte des Herrn Glück heraus. Dabei wurde auf jeweils einer Seite Tolkiens Illustration mit seinem handgeschriebenen Text und auf der gegenüberliegenden Seite eine getippte Textfassung abgedruckt.

1983 erschien die deutsche Übersetzung von Anja Hegemann, die in ihrer drucktechnischen Ausstattung der Originalausgabe entspricht.

Sonstiges

Russische Tolkienfans kreierten 2004 einen Zeichentrickfilm zu Mr. Bliss (Мистер Блисс). Produziert wurde der Film von Tolkien Texts Translation. Der 33-minütige Film basiert in seinem Stil und den Animationen auf Tolkiens eigenen Illustrationen zu Mr. Bliss. Erzähler des Films ist Dmitri Matveyev. 2006 wurde der Film sowohl auf dem Tolkien Thing als auch auf der Ring*Con gezeigt.

Anmerkungen

  1. Wie sie eigentlich schilderte, schrieb Tolkien die Geschichte bereits 1928. Christopher Tolkien glaubt jedoch aufgrund der Handschrift seines Vaters eher an eine Niederschrift in den 30er, als in den 20er Jahren.
  2. Im Briefwechsel mit den Verfassern des Sunday Times-Artikels "Origin of a Tolkien Tale" (10. Oktober 1982) erinnerte sich Christopher Tolkien freilich nicht an das erwähnte Spielzeugauto.

Links

Quellen

Veröffentlichungen
Werke J. R. R. Tolkiens
Belletristik Songs for the Philologists (1936) • Der Hobbit (1937) • The Lay of Aotrou and Itroun (1945) • Blatt von Tüftler (1947) • Bauer Giles von Ham (1949) • The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son (1953) • Der Herr der Ringe (1. Die Gefährten (1954) • 2. Die Zwei Türme (1954) • 3. Die Rückkehr des Königs (1955)) • Die Abenteuer des Tom Bombadil und andere Gedichte aus dem Roten Buch (1962) • Baum und Blatt (1964, Sammelband) • The Tolkien Reader (1966, Sammelband) • The Road Goes Ever On (1967) • Der Schmied von Großholzingen (1967)
Posthum veröffentlichte Belletristik Briefe vom Weihnachtsmann (1976) • Das Silmarillion (1977) • Nachrichten aus Mittelerde (1980) • Herr Glück (1982) • The History of Middle-earth (I. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 1 (1983) • 2. Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2 (1984) • 3. The Lays of Beleriand (1985) • 4. The Shaping of Middle-earth (1986) • 5. The Lost Road and Other Writings (1987) • 6. The Return of the Shadow (1988) • 7. The Treason of Isengard (1993) • 8. The War of the Ring (1992) • 9. Sauron Defeated (1992) • 10. Morgoth’s Ring (1993) • 11. The War of the Jewels (1994) • 12. The Peoples of Middle-earth (1996)) • Bilbos Abschiedslied (1990) • Geschichten aus dem gefährlichen Königreich (1997, Sammelband) • Roverandom (1998) • Die Kinder Húrins (2007) • The History of The Hobbit (2007) • Die Legende von Sigurd und Gudrún (2009) • König Arthurs Untergang (2013) • Die Geschichte von Kullervo (2015) • Beren und Lúthien (2017) • Der Fall von Gondolin (2018) • Natur und Wesen von Mittelerde (2021) • Der Untergang von Númenor (2022) • Die Schlacht von Maldon und Die Heimkehr von Beorhtnoth (2023) • The Collected Poems of J. R. R. Tolkien (2024) • Die Bovadium-Fragmente (2025)
Akademische Werke A Middle English Vocabulary (1922) • Sir Gawain and the Green Knight (Mittelenglischer Text, 1925) • The Devil’s Coach-Horses (1925) • Ancrene Wisse and Hali Meiðhad (1929) • Sigelwara Land (1932–34) • The Name Nodens (1932) • Chaucer as a Philologist: The Reeve’s Tale (1934) • Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1936) • Über Märchen (1939) • Zur Übersetzung des Beowulf (1940) • Sir Orfeo (1944) • Ancrene Wisse (1962) • English and Welsh (1963) • Beiträge zur Jerusalemer Bibel (als Übersetzer und Lexikograph, 1966)
Posthume akademische Veröffentlichungen Sir Gawain and the Green Knight, Pearl, and Sir Orfeo (1975) • Exodus (1981) • Finn and Hengest (1982) • Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1983) • Beowulf and the Critics (2002) • Beowulf: A Translation and Commentary together with Sellic Spell (2014) • A Secret Vice (2016)
Werke anderer Autoren
Über das Legendarium Das große Mittelerde-Lexikon (1978) • The Lord of the Rings: A Reader’s Companion (2005) • The Maps of Middle-earth (2024)
Tolkien-Biographien J. R. R. Tolkien: Eine Biographie (1977) • The Inklings (1978) • Tolkien und der Erste Weltkrieg (2003)
Wissenschaftliche Werke Der Weg nach Mittelerde (1982) • The Keys of Middle-earth (2005) • The J. R. R. Tolkien Companion and Guide (2005) • The Ring of Words (2006) • A Companion to J. R. R. Tolkien (2014) • Tolkien’s Lost Chaucer (2019) • Tolkien’s Library (2019) • The Great Tales Never End (2022) • Tolkien on Chaucer, 1913–1959 (2024)
Wissenschaftliche Zeitschriften Tolkien Studies • (The Chronology)
Andere Werke Tolkiens
Linguistische Zeitschriften Vinyar Tengwar (seit 1988; verschiedene Ausgaben) • Parma Eldalamberon (seit 1971; Ausgabe 11–23)
Sammlungen von Kunst und Manuskripten Pictures by J. R. R. Tolkien (1979) • J. R. R. Tolkien: Life and Legend (1992) • J. R. R. Tolkien – Der Künstler (1995) • Die Kunst des Hobbit (2011) • Die Kunst des Herr der Ringe (2015) • Tolkien: Schöpfer von Mittelerde (2018) • Tolkien: Treasures (2018) • J. R. R. Tolkien: The Art of the Manuscript (2022)
BibliographieJ. R. R. Tolkien Briefe