Mittelerde

Mittelerde ist der zentrale Kontinent Ardas. Der Nordwesten Mittelerdes ist Schauplatz des Juwelenkriegs und des Ringkriegs, der bekanntesten Geschichten des Legendariums.
Geographie
Mittelerde war die Bezeichnung für die Länder östlich des trennenden Meeres Belegaer. Sie mussten im Lauf der Kriege zwischen den Valar und Morgoth zwei große geographische Veränderungen hinnehmen. Im Krieg der Mächte wurden die Küsten verformt, Flussläufe veränderten sich und neue Schluchten wurden aufgerissen.[1] Im Krieg des Zorns ging Beleriand, das Land westlich der Ered Luin, großteils unter.[2]

In den Romanen Der Hobbit und Der Herr der Ringe spielen vor allem die Regionen im Nordwesten (Westlande) eine große Rolle. Die Länder im Norden (Forodwaith), Süden (Harad) und Osten Mittelerdes (Rhûn) waren größtenteils unbekannt.
Aus einem Zitat Aragorns lassen sich Rückschlüsse über die Größenverhältnisse Mittelerdes schließen:
| „ | [Aragorn]: »[...] Viele Gebirge und viele Flüsse habe ich überquert und so manche Ebene durchwandert bis zu so fernen Ländern wie Rhûn und Harad, wo die Sterne fremd sind. [...]« | “ |
— J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Zweites Buch, Zweites Kapitel: Der Rat von Elrond. | ||
Da in Harad die Sterne anders waren, muss Mittelerde im Süden ein großes Stück auf die Südhalbkugel hinabgereicht haben.
Geschichte
Erstes Zeitalter
In den Zeitaltern vor den Tagen hatten sich die Valar nach Valinor in Aman westlich des Belegaer zurückgezogen und Mittelerde Melkor überlassen, der in Utumno, weit im Norden, herrschte.[3] Nach etwa 1000 Valischen Jahren erwachten die Elben in Cuiviénen im Osten Mittelerdes, womit das Erste Zeitalter begann. Um den Elben die Wanderung nach Aman zu ermöglichen, zogen die Valar im Krieg der Mächte nach Mittelerde, besiegten Melkor und hielten ihn in Mandos für drei Valische Zeitalter gefangen.[1] Von dem Schicksal der in Mittelerde verbliebenen Avari und den in Hildórien erwachten Menschen gibt es keine Berichte. In Beleriand, wo Thingol und Melian regierten, wohnten die Sindar und Nandor.[4]
Lange Zeit später stahl Melkor die von Feanor geschaffenen Silmaril und kehrte zurück nach Mittelerde in seine Festung Angband. Seitdem wird er von den Elben Morgoth („Schwarzer Feind“) genannt. Ein Großteil der Noldor verfolgten Melkor und bekämpften ihn im Juwelenkrieg.[5] Dieser endete mit dem Krieg des Zorns, nachdem Earendil der Seefahrer nach Valinor gesegelt war und von den Valar Unterstützung gebeten hatte. Im Krieg des Zorns wurde Morgoth besiegt und in die Äußere Leere verbannt, aber auch Beleriand zerstört.[2] Damit endete das Erste Zeitalter.
Zweites Zeitalter
Das Zweite Zeitalter war das Zeitalter Númenors. Die Númenórer befuhren die Küsten Mittelerdes und brachten den dort lebenden Menschen Ackerbau bei. In den örtlichen Religionen wurden die Númenórer als Götter verehrt.[6] Diese Zeit wird auch die Dunklen Jahre genannt, denn in Mittelerde herrschte Sauron lange Zeit beinahe uneingeschränkt. In dieser Zeit wurden auch die Elbenringe und der Eine Ring geschmiedet.[7] Sauron kam in Konflikt mit den Númenórern, als diese begannen, Land zu erobern und von den Menschen Mittelerdes Tribut zu erheben.[6] Unter Saurons Einfluss wandten sich einige Númenórer, die sich in Mittelerde angesiedelt hatten, den dunklen Künsten zu, die Schwarzen Númenórer.[8]
Nach dem von Sauron verursachten Untergang von Númenor, den nur wenige Getreue überlebten, gründete Elendil der Lange in Mittelerde das Reich Arnor, seine Söhne Isildur und Anárion das Reich Gondor. Sie bildeten das Letzte Bündnis mit den Elben und belagerten Barad-dûr, wobei Gil-galad und Elendil von Sauron erschlagen wurden. Isildur konnte jedoch mit den Bruchstücken des Schwerts Narsil den Einen Ring von Saurons Finger schneiden und ihn so besiegen. Damit endete das Zweite Zeitalter.[7]
Drittes Zeitalter
Im Dritten Zeitalter, etwa im Jahr 1000, stieg Sauron wieder auf und ließ sich zunächst in Dol Guldur im Düsterwald nieder. Ungefähr zur selben Zeit wurden die Istari nach Mittelerde entsandt.[7]
Saurons Bestreben, ganz Mittelerde zu beherrschen, scheiterte im Ringkrieg, in dem Völker aus allen Teilen Mittelerdes teilnahmen, den Westlanden, Rhûn und Harad.[7]
Bewohner
Mittelerde war Heimat von Elben, Zwergen, Menschen, Hobbits, Ents, Orks und anderen Lebewesen.
Andere Namen
- Außenlande
- Endóre (Quenya-Form des Namens)
- Ennor (Sindarin-Form des Namens)
- Große Lande
- Hinnenlande (von den Eldar)
- Pelmar („Umzäuntes Land“)
- Weite Welt
Wissenswertes
Mittelerde ist, literarisch gesehen, eine Welt, entstanden aus Mythen und Legenden unserer Welt, in neue Form gebracht und mit einer wahrhaft epischen Handlung versehen. J. R. R. Tolkien schrieb hierzu:
| „ | Mittelerde ist kein Phantasiename; es ist die moderne Form von Midden-Erd, eine alte Bezeichnung für die Oikumene, den Wohnort des Menschen, die objektiv reale Welt im Gegensatz zu Fantasiewelten (wie dem Feenland) oder unsichtbaren Welten (wie Himmel und Hölle). | “ |
— J. R. R. Tolkien: Brief 183 | ||
Geographisch gesehen entspricht Mittelerde dem heute Afrika-Eurasien genannten Großkontinent auf einer Welt, die laut Tolkien unsere Erde in einer mythologischen Vergangenheit darstellt.[9] Diese Welt trägt den Namen Arda. Von Eru (Gott) geschaffen und den engelhaften Valar geformt, beheimatet diese Welt eine Vielzahl von fiktiven Lebewesen und Völkern.
In den 60er Jahren gab Tolkien im Brief 294 eine genaue Beschreibung Mittelerdes:
| „ | Die Geschichte spielt im Nordwesten von Mittelerde, was der geographischen Breite der Küste Europas und des nördlichen Mittelmeeres entspricht... Wenn Hobbingen und Bruchtal (wie beabsichtigt) etwa auf der Höhe von Oxford liegen, dann liegt Minas Tirith etwa 600 Meilen südlicher, also auf der Höhe von Florenz. Die Mündung des Anduin und die alte Stadt Pelargir liegen etwa auf der Höhe des alten Troja. | “ |
— J. R. R. Tolkien: Brief 294: An Charlotte and Denis Plimmer, 8. Februar 1967 | ||
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, III Vom Erwachen der Elben und von Melkors Gefangenschaft.
- ↑ 2,0 2,1 J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, XXIV Von Earendils Fahrt und dem Krieg des Zorns.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, I Vom Anbeginn der Tage.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, IV Von Thingol und Melian.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, XIII Von der Rückkehr der Noldor.
- ↑ 6,0 6,1 J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Akallabêth.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Wolfgang Krege. Klett-Cotta, Stuttgart 1978. Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Übersetzt von Margaret Carroux. Klett-Cotta, Stuttgart 2019. Fünftes Buch, Zehntes Kapitel Das Schwarze Tor öffnet sich
- ↑ J. R. R. Tolkien, Carl F. Hostetter: Natur und Wesen von Mittelerde. Dritter Teil: Die Welt und ihre Länder und Bewohner. Kapitel Die númenórische Katastrophe und das Ende des „physischen“ Aman
