Saeros
| Saeros | |
|---|---|
| Ted Nasmith, Saeros’ Fatal Leap, 2004 | |
| Bekannt für | |
| |
| Eckdaten | |
| Geboren | lebte im Ersten Zeitalter |
| Gestorben | 484 E. Z. |
| Volk | Elben |
| Zugehörigkeit | Nandor |
| Ort | Doriath Beleriand[2][3] |
| Familie | |
| Vater | Ithilbor[3] |
Saeros ist im Legendarium ein Elb aus dem Volk der Nandor und ein Ratgeber des Königs Thingol in Doriath.
Beschreibung
Saeros war der Sohn von Ithilbor. Beide gehörten zu den Nandor, die nach dem Tod ihres Fürsten Denethor in der Ersten Schlacht von Beleriand am Amon Ereb Zuflucht in Doriath suchten. Die Nandor, die später als Gastelben[4] bezeichnet wurden, lebten größtenteils in Arthórien zwischen Aros und Celon, während Saeros meist in Menegroth verweilte. Saeros Vater war der Anführer der Gastelben. In Menegroth gewann Saeros die Wertschätzung des Königs Thingol und wurde sein Ratgeber. Saeros genoss hohes Ansehen unter dem Volk von Doriath. Dem König galt er als treu und weise.
Saeros war stolz und behandelte jene hochmütig, die er für geringer an Rang und Wert als sich selbst hielt. Er war ein begabter Sänger und wurde ein Freund des Sängers Daeron. Er mochte die Menschen nicht und am wenigsten die Verwandten von Beren Erchamion.[3]
Legendarium
Saeros mißgönnte Túrin schon seit Langem die Ehre und Wertschätzung, die diesem als Pflegesohn Thingols zuteilwurde.[2] Er nannte ihn einen „Wilden Menschen aus den Wäldern“.[5] Saeros beäugte Túrin misstrauisch und sprach schlecht über ihn, wobei er seine Worte geschickt wählte und seinen Haß verbarg. Wenn er Túrin allein begegnete, behandelte er ihn hochmütig und zeigte offen seine Verachtung. Túrin erwiderte seine bösen Worte meist mit Schweigen, was Saeros mißfiel.
Túrin verließ Menegroth, um sich den Grenzwachen Doriaths anzuschließen, und kehrte mehrere Jahre lang nur selten nach Menegroth zurück. Während dieser Zeit erwarb er sich durch seine Stärke und seine Wagemutigkeit großen Ruhm.[3] Im Nach drei Jahren, im Jahr 848 des Ersten Zeitalters, kam Túrin verlaust und mit verschlissenen Kleidern nach Menegroth zurück.[2]
Am Abend betrat Saeros verspätet die Halle und sah, dass Túrin auf seinem gewohnten Platz unter den Ältesten saß. Saeros nahm an, Túrin habe diesen Platz absichtlich gewählt, um ihn zu beleidigen. Zudem entzürnte ihn, dass er von den anderen am Tisch willkommen geheißen wurde. Saeros unterdrückte seine Wut und nahm einen anderen Platz ein. Er befragte Túrin nach Ereignissen an der Grenze, konnte dabei aber seinen Spott nicht verbergen. Túrin, der in Gedanken versunken war, runzelte die Stirn und antwortete schließlich nicht mehr. Saeros deutete dies als weitere Beleidigung. Er warf Túrin einen goldenen Kamm hin und verspottete dessen ungepflegtes Äußeres. Er beachtete die Warnung in Túrins Blick nicht[3] und verhöhnte ihn weiter:
| „ | Wenn die Männer von Hithlum so wüst und grimmig sind, welcher Art sind da die Frauen in jenem Land? Laufen sie umher wie das Wild, nur in ihr Haar gekleidet? | “ |
— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (Hrsg.): Das Silmarillion. Übersetzt von Wolfgang Krege. 27. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2015. Quenta Silmarillion, Kapitel XXI: Von Túrin Turambar, S. 312, 313. | ||
Daraufhin warf Túrin ein schweres Trinkgefäß nach Saeros und traf ihn im Gesicht. Saeros wurde verletzt und fiel nach hinten. Túrin zog sein Schwert, wurde jedoch von Mablung zurückgehalten. Saeros erhob sich daraufhin und beschuldigte Túrin, gegen Thingols Gesetz verstoßen zu haben. Zugleich drohte er ihm, ihn außerhalb der Hallen zu töten. Mablung wies Saeros wegen seiner Provokation zurecht und warnte ihn davor, dem Willen Morgoths zu dienen.
In der Nacht wuchs der Groll von Saeros und am folgenden Morgen lauerte Saeros Túrin auf, als dieser Menegroth verließ, um an die nördliche Grenze zurückzukehren. Mit Schild und gezogenem Schwert griff er Túrin von hinten an. Túrin bemerkte den Angriff jedoch rechtzeitig und wich aus. Es kam zum Kampf, in dessen Verlauf Túrin Saeros' Schild zerschlug und ihn schließlich entwaffnete und überwältigte.[3] Túrin nahm Bezug auf den vorangegangenen Abend und sagte zu Saeros:
| „ | Saeros, du hast einen langen Lauf vor dir, und Kleider könnten dich dabei hindern. Deine Haare mögen dir genügen. | “ |
— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (Hrsg.): Nachrichten aus Mittelerde. Übersetzt von Hans J. Schütz. 22. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2022. Narn I Hîn Húrins: Die Geschichte der Kinder Húrins: Túrin in Doriath, S. 139. | ||
Túrin entkleidete Saeros, wies ihn an, loszulaufen, und trieb ihn mit gezogenem Schwert vor sich her. Saeros floh nackt durch den Wald und rief um Hilfe. Seine Rufe lockten andere Elben herbei, unter ihnen Mablung, der an der Spitze der Verfolger lief. Mablung wollte Túrin zum Halten bewegen, aber dieser sprang Saeros erneut hinterher. Saeros gab die Hoffnung auf Hilfe auf und wähnte sich seinem Tod nahe. Zu allem Unglück kam er zum Rande einer tiefen Schlucht. Zwischen hohen Felsen floß ein Bach und die Stelle wäre breit genug für einen Hirschsprung gewesen. Saeros wagte den Sprung, verlor jedoch auf der gegenüberliegenden Seite den Halt und stürzte mit einem Schrei zurück. Er fiel auf einen Felsen im Wasser und starb.
Obwohl Mablung und andere Elben den Vorfall miterlebt hatten, fürchtete Túrin, Thingol werde ihn wegen der Demütigung und des Todes von Saeros bestrafen. Mablung bat ihn, sich dem Urteil des Königs zu stellen und seine Gnade zu erbitten, aber Túrin weigerte sich und verließ Doriath, um als Gesetzloser zu leben.
Thingol war zu dieser Zeit nicht in Menegroth. Als er zurückkehrte, ließ er die Ereignisse untersuchen und beabsichtigte zunächst, Túrin wegen der Verfolgung und Demütigung von Saeros aus Doriath zu verbannen. Thingol erkannte zwar, dass Saeros' Spott böse gewesen war, hielt Túrins Verhalten nach dem Kampf jedoch ebenfalls für Unrecht.
In diesem Augenblick erschien Beleg und brachte die Elbin Nellas als Zeugin mit. Nellas hatte, ohne dass Túrin oder Saeros davon wussten, von einem Baum aus beobachtet, wie Saeros Túrin am Morgen angegriffen hatte. Sie berichtete, dass Túrin Saeros im Kampf zwar überwältigt, ihn aber nicht getötet hatte. Dadurch änderte Thingol sein Urteil: Er sah Túrin als provoziert und ihm Unrecht widerfahren an und sprach ihm seine Vergebung zu. Beleg wurde ausgesandt, um Túrin zu suchen und ihm Thingols Vergebung mitzuteilen.[3]
Werkgeschichte
Saeros erscheint in einer früheren Fassung von Tolkiens unter dem Namen Orgof. Orgof unterscheidet sich in mehreren Einzelheiten von dem späteren Saeros. In The Book of Lost Tales II ist Orgof von anderer Herkunft und stirbt bereits durch den Wurf des Trinkgefäßes. Die spätere Handlung mit dem Angriff auf Túrin und Saeros' Tod beim Sprung über die Schlucht entwickelte sich in der späteren Fassung.[6]
In späteren Manuskripten änderte Tolkien den Namen zu Orgol.[4] Christopher Tolkien stellte bei der Bearbeitung von Die Kinder Húrins fest, dass sein Vater den Namen Saeros offenbar zugunsten von Orgol (altenglisch orgol, orgel trägt die Bedeutung ‚Stolz‘) aufgegeben hatte. Er entschied sich jedoch, in der veröffentlichten Fassung den bereits etablierten Namen Saeros beizubehalten.[7][8][9]
Sonstiges
Im Silmarillion wird die Geschichte von Saeros wesentlich kürzer erzählt als in der Narn i Hîn Húrin in den Nachrichten aus Mittelerde. Die ausführlichere Fassung gibt insbesondere mehr Informationen über Saeros' Herkunft, seine Stellung in Thingols Hof, seine Freundschaft mit Daeron und seine ablehnende Haltung gegenüber den Menschen.[2][3]
Quellen
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Nachrichten aus Mittelerde. Register.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel XXI: Von Túrin Turambar.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Nachrichten aus Mittelerde. Teil Eins: Das Erste Zeitalter, Kapitel II: Narn I Hîn Húrin: Die Geshichte der Kinder Húrins, Túrin in Doriath.
- ↑ 4,0 4,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part One: The Grey Annals, S. 112, § 38.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Nachrichten aus Mittelerde. Teil Vier: Kapitel I: Die Drúedain, Anmerkungen.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. II The Book of Lost Tales, Part One. Kapitel II: Turambar and the Foalókë, S. 71.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The Children of Húrin. Appendix II: The Composition of the Text.
- ↑ orgel. Bosworth-Toller Anglo-Saxon Dictionary, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ orgol. Bosworth-Toller Anglo-Saxon Dictionary, abgerufen am 18. September 2026.
