Aredhel

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Aredhel
Ted Nasmith, Aredhel, the White Lady, 2012
Ted Nasmith, Aredhel, the White Lady, 2012
Eckdaten
Aussprache ˈɑrɛðɛl
Andere Namen Ar-Feiniel
Die Weiße Dame der Noldor
Die Weiße Dame von Gondolin[1]
Geboren 1362 E. Z. - Eldamar
Gestorben 400 E. Z. - Gondolin
Volk Elben
Zugehörigkeit Noldor, Haus Fingolfin
Ort Tirion
Vinyamar[2]
Nevrast
Gondolin
Nan Elmoth[3]
Familie
Eltern Fingolfin & Anairë
Geschwister Fingon, Turgon[4] und Argon[5]
Ehepartner Eol
Kinder Maeglin[3]
Körperliche Beschreibung
Haarfarbe Dunkel
Kleidung Silber und Weiß[4]

Aredhel ist im Legendarium die Tochter des Elbenfürsten Fingolfin und die Mutter von Maeglin.

Beschreibung

Aredhel war das jüngste Kind und die einzige Tochter von Fingolfin und Anairë. Ihre drei älteren Brüder waren Fingon, Turgon und Argon.[4] Aredhel wurde die Frau Eols und sie hatten einen Sohn namens Maeglin.[3]

Aredhels Vater Fingolfin war das Oberhaupt der Noldor in Tirion, nachdem sein Halbbruder Feanor nach Formenos verbannt worden war und Finwë, der Vater Fingolfins, ihm dorthin gefolgt war.[2]

Aredhel wird als große, starke, schöne und willensstarke Elbenfrau beschrieben. Sie liebte es, in den Wäldern zu reiten oder zu jagen. Ihre Haut war weiß wie Schnee, ihre Haare schwarz und sie trug stets silberne und weiße Kleidung. Obwohl sie die Söhne Feanors gern hatte und bewunderte, schenkte sie keinem von ihnen ihre Liebe.[4]

Legendarium

Als Feanor einen verhängnisvollen Eid schwor und die übrigen Elben dazu drängte, Valinor mit ihm zu verlassen, entschied sich Aredhels Vater, seinem Halbbruder zu folgen. Auch Aredhel und ihre Brüder wollten Feanor nach Mittelerde folgen.[6] Ihre Mutter Anairë hingegen weigerte sich, ihrem Mann und ihren Kindern zu folgen. Aufgrund ihrer engen Freundschaft mit Earwen blieb sie in Valinor.[7]

Während des Zugs der Noldor kam es in Alqualonde zum ersten Töten von Elben durch Elben. Feanor hatte versucht, die Teleri dazu zu bewegen, ihnen ihre Schiffe für die Überfahrt nach Mittelerde zu überlassen. Als diese sich weigerten, nahmen die Noldor die Schiffe mit Gewalt an sich, woraufhin es zum Sippenmord von Alqualonde kam. Somit war auch sie vom Fluch Feanors betroffen. Feanor betrog jedoch die Elben, die Fingolfing um sich versammelt hatte, segelte mit seinen Getreuen nach Mittelerde und schickte die Schiffe nicht zurück, sondern ließ sie in Losgar verbrennen. So musste auch Aredhel den beschwerlichen Weg über die Helcaraxe antreten, bei dem viele der Noldor ums Leben kamen, bevor sie schließlich Beleriand erreichte.[6]

Nach ihrer Ankunft in Mittelerde lebte Aredhel bei ihrem Bruder Turgon in Nevrast und zog später mit ihm nach Gondolin. In dem verborgenen Königreich vermisste sie es, über Land zu reiten und durch die Wälder zu streifen, wie es ihre Gewohnheit in Valinor gewesen war. Nach 200 Jahren bat Aredhel ihren Bruder um Erlaubnis, Gondolin zu verlassen. Zuerst schlug Turgon ihre Bitte ab, da er fürchtete, es könne zu einem Unglück führen. Bald aber gab Turgon dem Willen seiner Schwester nach, obwohl er weiter befürchtete, dass dadurch die Lage Gondolins verraten werden könnte. Er gestattete ihr allerdings nur, ihren Bruder Fingon zu besuchen, und gab drei Edlen den Auftrag, sie nach Hithlum zu begleiten.

Anke Eißmann, Aredhel, 2005

Aredhel wollte jedoch lieber die Söhne Feanors aufsuchen, und ihre Begleiter konnten sie davon nicht abbringen. Der Weg durch Doriath wurde ihnen von den Wachen Thingols verweigert. Aus diesem Grund nahmen sie die Ost-Straße entlang des nördlichen Grenzgebietes von Doriath. In der gefährlichen Region um Nan Dungortheb geschah es, dass Aredhel von ihrem Gefolge getrennt wurde, als sie von Kreaturen Ungoliants angegriffen wurden. Aredhel gelang es unbeschadet, Himlad zu erreichen, wo sie hoffte, Celegorm anzutreffen. Dieser war jedoch nicht anwesend. Celegorms Gefolge hieß sie als Ehrengast willkommen. Eine Zeit lang war Aredhel zufrieden und streifte durch die Wälder. Als ein Jahr vergangen war und Celegorm noch immer nicht zurück war, machte sie sich auf die Suche nach neuen Wegen und ritt immer weiter in den Süden. Eines Tages verirrte sie sich in den Wäldern von Nan Elmoth.

Ted Nasmith, Eöl Welcomes Aredhel, 1998

Die Bäume von Nan Elmoth waren die höchsten und dichtesten in ganz Beleriand und nie drang die Sonne in den Wald. In diesem Wald lebte Eol, der Dunkelelb, im tiefen Schatten. Er liebte die Nacht und das Dämmerlicht, mied die Noldor und unterhielt gute Beziehungen zu den Zwergen. Als Eol Aredhel im Wald umherziehen sah, erlag er ihrer Schönheit und begehrte sie. Er legte einen Zauber über sie, sodass sie den Weg aus dem Wald nicht mehr finden konnte und immer näher an seine Behausung kam. Dort hieß er sie willkommen und nahm sie zu seiner Frau.

Aredhel war Eol nicht ganz abgeneigt und das Leben in Nan Elmoth war für sie viele Jahre nicht unerträglich, aber Eol verlangte von ihr, das Sonnenlicht zu meiden, und verbot ihr, ihre Verwandten oder andere Noldor zu sehen. Als ihr Sohn geboren wurde, gab Adrehel ihm in der verbotenen Sprache der Noldor den Namen Lómion, Kind der Dämmerung. Eol gab ihm später, als er zwölf Jahre alt war, den Namen Maeglin, Scharfer Blick. Aredhel erzählte ihrem Sohn von ihrem Volk und den Prinzen aus dem Hause Fingolfings.

In Aredhel wuchs die Sehnsucht, ihre Verwandten wiederzusehen. Als die Zwerge Eol zu einem ihrer Feste eingeladen hatten und Aredhel und Maeglin allein waren, war es Maeglin, der seiner Mutter vorschlug, nach Gondolin zu gehen:

Was für Hoffnung gibt es denn in diesem Walde für dich oder für mich? Hier werden wir in Knechtschaft gehalten [...]. Wollen wir nicht nach Gondolin gehen?

— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Klett-Cotta, Stuttgart 2015. Quenta Silmarillion, Kapitel XVI: Von Maeglin, S. 207.

Die beiden machten sich auf den Weg und erreichten das Äußere Tor von Gondolin, wo sie freudig wieder aufgenommen wurden. Eol jedoch hatte sie verfolgt, wurde von den Wächtern gefangen genommen und vor Turgon gebracht. Dieser hieß ihn willkommen, erklärte ihm aber, dass er Gondolin nicht mehr verlassen dürfe. Eol war wütend und wollte die Stadt mit seinem Sohn verlassen. Turgon bekräftigte seine Aussage:

Diese Wahl nur hast du: hier zu wohnen oder hier zu sterben, und so auch dein Sohn.

— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Klett-Cotta, Stuttgart 2015. Quenta Silmarillion, Kapitel XVI: Von Maeglin, S. 212.

Eol ergriff blitzschnell einen Spieß, den er unter seinem Mantel verborgen gehalten hatte und warf ihn nach Maeglin. Aredhel sprang jedoch schützend vor ihren Sohn, und der Spieß traf sie in die Schulter. Adrehel bat Turgon um Gnade für ihren Mann. Am Abend wurde sie krank und starb noch in derselben Nacht. Die Spitze von Eols Speer war vergiftet gewesen, was niemand hatte, bevor es zu spät war.

Daraufhin gab es keine Gnade mehr für Eol. Er wurde zum Caragdûr geführt, um in den Tod gestoßen zu werden. Bevor er in den Tod gestürzt wurde, warf er seinem Sohn vor, dass dieser ihn im Stich gelassen habe, und weissagte ihm, dass er den gleichen Tod wie sein Vater sterben werde. Maeglin wurde ein mächtiger Prinz Gondolins, bevor auch ihn sein Schicksal ereilte.[3]

Stammbaum

Míriel
Finwë
Indis
Feanor
Findis
Fingolfin
Anairë
Írimë
Finarfin
Fingon
Turgon
Elenwe
Aredhel
Eol
Argon
Tuor
Idril
Maeglin
Finrod Felagund
Orodreth
Angrod
Aegnor
Galadriel
Earendil
Elwing
Elrond
Elros

Etymologie

  • Der Name Aredhel ist Sindarin und bedeutet Edelelb. Der Name setzt sich aus den Silben ar(a)- und edhel zusammen.[8][9]
  • Christopher Tolkien schreibt, dass er im veröffentlichen Silmarillion die Namen Aredhel und Ar-Feiniel zusammengezogen habe, obwohl die Manuskripte dafür keine Grundlage böten. Er deutet die Notizen vielmehr so, dass sein Vater letztlich Areðel (Aredhel) bevorzugt hätte.[8]

Werkgeschichte

Tom Loback
Aredhel & Eol, 2007
  • In der ursprünglichen Fassung trug Aredhel den Namen Isfin. Dieser Name geht auf die älteste Fassung von Der Fall von Gondolin aus dem Jahr 1916 zurück.[8]
  • In einem späteren Text zu den Kindern Fingolfins änderte Tolkien Isfin zu Irith und erwähnte auch die Quenya-Form Írissë.[10][11]
  • In der späteren Überarbeitung hielt Tolkien den Namen Isfin für ungeeignet. Er merkte an, dass der Name für die Stellung und den Charakter von Turgons Schwester unpassend und bedeutungslos sei. Offenbar bezog er sich dabei auf die ältere Erklärung des Namens als snow-locks (‚Schneelocken‘) beziehungsweise exceeding-cunning (‚überaus listig‘).
  • Tolkien notierte außerdem am Rand: „? Rodwen = High Virgin Noble (‚Rodwen = Hohe Jungfrau‘)“. Diese Notiz ist fragmentarisch und wurde nicht zu einer ausgearbeiteten endgültigen Namensfassung.
  • Später schrieb Tolkien, dass Isfin durchgehend in Feiniel (‚Weiße Dame‘) geändert werden muss.
  • Unmittelbar danach verwarf er offenbar auch diesen Ansatz und schrieb „Change Isfin to Aredhel (Noble-elf) (‚Isfin in Ardhel (Edelelf) ändern‘)“.[8]

Sonstiges

  • In einer Notiz dachte Tolkien darüber nach, die drei Edlen, die Aredhel auf ihrem Weg begleiten sollten, namentlich zu benennen. Dabei dachte er über die Namen Glorfindel, Ecthelion und Egalmoth nach. Später entschied er sich dagegen, die Begleiter namentlich zu benennen.[12]

Quellen

  1. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Anhänge, Namensregister: Aredhel.
  2. 2,0 2,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel VII: Von den Silmaril und der Unruhe der Noldor.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel XVI: Von Maeglin.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel V: Von Eldamar und den Fürsten der Eldalië.
  5. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XII The Peoples of Middle-earth. Part Two: Late Writings, Kapitel XI: The Shibboleth of Fëanor, S. 362, Note 38.
  6. 6,0 6,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel IX: Von der Verbannung der Noldor.
  7. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XII The Peoples of Middle-earth. Part Two: Late Writings, Kapitel XI: The Shibboleth of Fëanor, S. 344, 345.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XI The War of the Jewels. Part Three: The Wanderings of Húrin and other Writings not forming Part of the Quenta Silmarillion, Kapitel III: TMaeglin, S. 317, 318.
  9. Parma Eldalamberon: No. 15, Name List to The Fall of Gondolin, S. 28.
  10. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XII The Peoples of Middle-earth. Part Two: Late Writings, Kapitel XI: The Shibboleth of Fëanor, S. 344, 345.
  11. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XII The Peoples of Middle-earth. Part Two: Late Writings, Kapitel XI: The Shibboleth of Fëanor, S. 362, Note 39.
  12. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. II The Book of Lost Tales, Part One. Kapitel III: The Fall of Gondolin, Notes and Commentary, S. 212.