Schattenfell

Schattenfell (Original Shadowfax) ist im Legendarium ein Pferd aus der Rasse der Mearas und der treue Gefährte Gandalfs.
Beschreibung
Schattenfell war ein Mearas, ein besonders edles Pferd aus Rohan. Er war klug, stark, groß und verstand die Sprache der Menschen.[1][Anm. 1][2] Das Fell des Hengstes erschien weißlich bis silbergrau.[Anm. 2][2][3][4] Am Tag schimmerte es silbern, während es bei Nacht dunkel und schattenhaft wirkte.[5] Als Fürst der Mearas nahm Schattenfell unter den Pferden Rohans eine herausragende Stellung ein.[6]
Schattenfell zeichnete sich durch seine außergewöhnliche Schnelligkeit und Ausdauer aus. Er konnte große Entfernungen in kurzer Zeit zurücklegen und war den Reittieren der Nazgûl an Schnelligkeit überlegen. Zudem besaß er außergewöhnlichen Mut.[7] Während der Belagerung von Minas Tirith stellte er sich dem Hexenkönig von Angmar entgegen, obwohl andere Pferde vor dessen schreckenerregender Gegenwart zurückschreckten.[8]
Zwischen Schattenfell und Gandalf entstand ein besonderes Vertrauensverhältnis. Ihre Verbundenheit war so eng, dass sie nicht nur miteinander kommunizieren, sondern auch über große Entfernungen hinweg gedanklich miteinander in Verbindung treten konnten. Schattenfell trug Gandalf über weite Strecken während des Ringkriegs, ohne dass ein Sattel oder Zaumzeug erforderlich war. Gandalf konnte Schattenfell ohne herkömmliche Zügel reiten und sich auf dessen Kraft und Willen verlassen.[6]
| „ | Man reitet Schattenfell nicht: Er ist gewillt, einen zu tragen – oder nicht. Wenn er gewillt ist, dann reicht das. | “ |
— J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Übersetzt von Margaret Carroux. 9. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2025. Buch III, Elftes Kapitel: Der Palantír, S. 210. | ||
Legendarium
Begegnung und Freundschaft mit Gandalf
Nachdem Gandalf aus Orthanc entkommen war, erreichte er am 20. September 3018 D. Z. Edoras, den Sitz des Königs von Rohan. Er bat darum, sich ein Pferd ausleihen zu dürfen. König Théoden gestattete ihm schließlich, ein Pferd auszuwählen, verlangte jedoch, dass er Rohan bis zum folgenden Tag verließ.
| „ | Nehmt irgendein Pferd, aber verschwindet vor dem morgigen Tag. | “ |
— J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Übersetzt von Margaret Carroux. 9. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2025. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Das Dritte Zeitalter, S. 405. | ||
Am folgenden Tag begegnete Gandalf Schattenfell. Das Pferd ließ ihn zunächst nicht nahe genug herankommen, um es einzufangen. Gandalf folgt ihm daraufhin weit über die Ebenen Rohans. Am 22. September 3018 D. Z.[9] gelang es ihm, Schattenfell einzuholen. Das Pferd blieb jedoch weiterhin schwer zu beherrschen. Gandalf musste seine Ausdauer und Entschlossenheit unter Beweis stellen, bevor es ihm gelang, das Vertrauen von Schattenfell zu gewinnen. Am 23. September 3018 D. Z. schließlich ließ sich Schattenfell von Gandalf reiten, und der Zauberer verließ auf seinem Rücken Rohan. Dabei verzichtete er auf Sattel und Zaumzeug. Schattenfell wurde zu Gandalfs treuem Gefährten, zu dem ihn ein besonderes Vertrauensverhältnis verband.
Der Ringkrieg
Am 28. September 3018 D. Z. erreichten Schattenfell und Gandalf die Sarnfurt an der Südgrenze des Auenlandes. Am folgenden Tag gelangten sie nach Hobbingen und am 30. September 3018 D. Z. nach Krickloch im Bockland. Da Frodo bereits aufgebrochen war, setzten sie ihre Reise fort und erreichten Bree in der Nacht zum 1. Oktober D. Z. Am 3. Oktober 3018 D. Z. wurde Gandalf auf der Wetterspitze nachts von den Nazgûl angegriffen. Mit Hilfe des schnellen Schattenfells entkam Gandalf und setzte seine Reise nach Bruchtal fort, wo er am 18. Oktober 3018 D. Z. eintraf.[5][9]
Am 25. Dezember brach die Gemeinschaft des Ringes von Bruchtal auf. Schattenfell gehörte nicht zu den neun Gefährten, die sich auf den Weg nach Süden machen.[10]

Nachdem Gandalf als Gandalf der Weiße nach Mittelerde zurückkehrt war, traf er Schattenfell am Rande des Fangornwaldes wieder. Er war von Bruchtal aufgebrochen und kam zur rechten Zeit, um Gandalf zu treffen, der nach seinem Tod auf dem Celebdil nach Mittelerde zurückgesandt worden war. Gandalf hatte seine Gedanken auf Schattenfell gerichtet und ihn gebeten, sich zu beeilen. Er bat das Pferd außerdem, Gimli zu tragen. Schattenfell gestattete dem Zwerg, auf seinen Rücken zu steigen[6]
Gandalf ritt anschließend nach Edoras. Nachdem er König Théoden von dem verderblichen Einfluss Gríma Schlangenzunges befreit hatte, schenkte ihm der König Schattenfell.[11] Auf dem Weg zur Hornburg verließen Schattenfell und Gandalf den Tross, um Verstärkung herbeizuholen.[12] Im Morgengrauen des 4. März 3019 D. Z.[9] kehrten sie mit Erkenbrand und dessen Heer zurück. Das Erscheinen des Weißen Reiters und seiner Verstärkung versetzte die feindlichen Truppen in Schrecken und trug entscheidend zum Sieg in der Schlacht um die Hornburg bei.[12] Nach dem Sieg über Sarumans Streitkräfte ritt Gandalf auf Schattenfell zusammen mit Théoden und dessen Gefolge nach Isengart.[13] Als Gandalf anschließend nach Minas Tirith aufbrach, nahm er Pippin auf Schattenfells Rücken mit.[7]
Am 13. März 3019 D. Z.[9] wurde der Pelennor von den feindlichen Truppen überrannt.[8] Die eigentliche Schlacht auf den Pelennor-Feldern fand jedoch erst am 15. März statt.[9] In den frühen Morgenstunden dieses Tages durchbrach der Hexenkönig von Angmar die Tore von Minas Tirith und drang in die Stadt ein. Gandalf stellte sich ihm auf Schattenfell entgegen. Schattenfell bewies dabei außergewöhnlichen Mut. Er war das einzige Pferd der freien Völker, das dem Schrecken des Fürsten der Nazgûl standhielt. Während andere Pferde vor dessen Gegenwart zurückwichen, blieb Schattenfell ruhig und wich nicht zurück. Während der Schlacht trug Schattenfell Gandalf in die Kämpfe vor Minas Tirith. Als der Hexenkönig auf seinem geflügelten Reittier erschien, stellte sich Schattenfell ihm entgegen, während andere Pferde vor dem Schrecken des Nazgûl zurückschreckten.[14] Schattenfell begleitete Gandalf auch zum Kampf vor dem Schwarzen Tor.[15]
Nach dem Ringkrieg brachte Schattenfell Gandalf zunächst nach Edoras, wo König Théoden seine letzte Ruhestätte fand.[16] Anschließend führte ihr Weg über Isengart und Bruchtal nach Bree, dass sie am 28. Oktober 3019 D. Z. erreichten.[9] Zwei Tage später brachen Gandalf und die Hobbits in Richtung Auenland auf. An einer Wegkreuzung verabschiedete sich Gandalf von den vier Hobbits und ritt mit Schattenfell weiter, um Tom Bombadil zu besuchen.[17]
Reise in den Westen
Am 29. September 3021 D. Z.[18] begleitete Schattenfell Gandalf zu den Grauen Anfurten. In der überarbeiteten Ausgabe von Der Herr der Ringe wird dort neben dem weiß gekleideten Gandalf ein großes graues Pferd beschrieben. Diese Ergänzung bestätigt Schattenfells Anwesenheit an den Grauen Anfurten.[2][3]
In einem Brief vom 19. Januar 1965 an Miss A. P. Northey erläuterte Tolkien, dass er davon ausgehe, Schattenfell habe Gandalf über das Meer in den Westen begleitet. Er begründete dies damit, dass Gandalf zuletzt auf Schattenfell reitend gesehen worden war und seiner Ansicht nach auf ihm zu den Grauen Anfurten gelangt sein musste. Zudem hielt er es für undenkbar, dass Gandalf ein anderes Reittier benutzt hätte. Da Schattenfell einer besonderen Pferderasse entstammte, deren Herkunft Tolkien mit dem Westen über das Meer in Verbindung brachte, erschien ihm die gemeinsame Reise angemessen.[2][19]
Bereits in einer frühen, unveröffentlichten Fassung des Epilogs von Der Herr der Ringe wurde ausdrücklich erwähnt, dass Schattenfell mit Gandalf auf dem Weißen Schiff fuhr. Samweis Gamdschie begründete dies damit, dass Gandalf sein Pferd selbstverständlich nicht zurückgelassen hätte.[20]
Die Ergänzung der Beschreibung in der zweiten englischen Ausgabe von Die Rückkehr des Königs aus dem Jahr 1966 geht ebenfalls auf Tolkien zurück. Er vermerkte in einem Korrekturexemplar, dass die Änderung unter anderem dazu diente, Fragen nach Schattenfells Verbleib zu beantworten.[2]
Etymologie

Schattenfell, 2020
- Der englische Name Shadowfax geht auf den rohirrischen Namen Sceadu-fæx zurück, der auf dem Altenglischen beruht. Tolkien erklärt die Bedeutung mit ‚schatten-grauer Mähne und Fell‘.
- Das altenglische Wort fax bedeutet ‚Haar‘ beziehungsweise ‚Mähne‘ und ist im modernen Englisch kaum mehr gebräuchlich. Es ist unter anderem noch im Familiennamen wie Fairfax erhalten.
- Die Namensform Sceadu-fax ist nach Tolkien keine tatsächlich belegte altenglische Wortbildung, sondern eine von ihm für die Sprache Rohans geschaffene Form. Der Name verweist auf Schattenfells charakteristische graue Färbung.[21][22]
Filmtrilogie
- In der Filmtrilogie Der Herr der Ringe von Peter Jackson wird Schattenfell von zwei andalusischen Hengsten namens Blanco und Demero dargestellt. Die Pferde wurden von Don Reynolds trainiert.
- Da Gandalf Schattenfell in der Romanvorlage ohne Sattel und Zaumzeug reitet, stellte die Umsetzung dieser Besonderheit eine Herausforderung für die Filmproduktion dar. Für die Reitszenen mit Ian McKellen, dem Darsteller Gandalfs, kam deshalb der Stuntreiter Basil Clapham als dessen Reitdouble zum Einsatz.
- Obwohl Gandalf scheinbar ohne Sattel reitet, wurde bei den Aufnahmen mit McKellen ein Sattel mit Steigbügeln verwendet, der unter seinem weiten Gewand verborgen war. In einzelnen Einstellungen waren Teile der Reitausrüstung dennoch zu erkennen.[23][24]
Anmerkungen
- ↑ Tolkien beschreibt die Mearas als eine besondere Pferderasse, deren Abstammung und Eigenschaften sie von gewöhnlichen Pferden unterscheiden. In seinem Brief Nr. 268 vom 19. Januar 1965 an Miss A. P. Northey vergleicht er sie sinngemäß mit den Elben und bezeichnet sie als deren Gegenstück unter den Pferden. Dabei verweist er auf ihre Herkunft und darauf, dass deren „Blut“ aus dem Westen stamme.
- ↑ Tolkien bezeichnet Schattenfell im englischen Original als grey. Die englische Farbbezeichnung wird bei Pferden auch für Schimmel verwendet, deren Fell weiß erscheinen kann. In der Beschreibung der Grauen Anfurten in Der Herr der Ringe wird Schattenfell als a great grey horse (‚ein großes graues Pferd‘) bezeichnet.
Quellen
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang A, Annalen der Könige und Herrscher. Kapitel II: Das Haus von Eorl, Die Könige der Mark.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. The Fellowship of the Ring. Buch Sechs, Kapitel IX: The Grey Havens, S. 675.
- ↑ 3,0 3,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch VI, Neuntes Kapitel: Die Grauen Anfurten.
- ↑ Fellfarben beim Pferd: Von A wie Apfelschimmel bis P wie Palomino. Pferdeflüsterei, abgerufen am 23. Oktober 2026.
- ↑ 5,0 5,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch II, Zweites Kapitel: Der Rat von Elrond.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch III, Fünftes Kapitel: Der Weiße Reiter.
- ↑ 7,0 7,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch III, Elftes Kapitel: Der Palantír.
- ↑ 8,0 8,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Viertes Kapitel: Die Belagerung von Gondor.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Die Grossen Jahre.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch II. Drittes Kapitel: Der Ring geht nach Süden.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch III, Sechstes Kapitel: Der König der Goldenen Halle.
- ↑ 12,0 12,1 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch III, Siebentes Kapitel: Helms Klamm.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch III, Achtes Kapitel: Der Weg nach Isengart.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Sechstes Kapitel: Die Schlacht auf den Pelennor-Feldern.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch V, Zehntes Kapitel: Das Schwarze Tor öffnet sich.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch VI, Sechstes Kapitel: Viele Abschiede.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch VI, Siebtentes Kapitel: Auf der Heimfahrt.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Die wichtigsten Tage nach dem Fall von Barad-Dûr bis zum Ende des Dritten Zeitalters.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 268: From a letter to Miss A. P. Northey.
- ↑ J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth. Vol. IX Sauron Defeated. Part One: The End of the Third Age, Kapitel XI: The Epilogue, S. 120.
- ↑ Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. The Fellowship of the Ring. Buch Zwei, Kapitel II: The Council of Elrond, S. 250.
- ↑ sceadu. Bosworth-Toller Anglo-Saxon Dictionary, abgerufen am 23. Oktober 2026.
- ↑ Peter Jackson: Der-Herr-der-Ringe-Filmtrilogie. New Line Cinema, WingNut Films.
- ↑ Shadowfax, Chieftain of the Mearas. Brego.net, abgerufen am 23. Oktober 2026.
