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Trotter

Aus Ardapedia

Trotter war in den Entwürfen zu Der Herr der Ringe der Vorgänger des Waldläufers Streicher.

Beschreibung

Trotter war ein Hobbit, der in den früheren Entwürfen zu Der Herr der Ringe den späteren Waldläufer Streicher verkörperte.[1] Tolkien beschrieb Trotter als einen grimmigen und wettergegerbten Waldläufer, der mit der Wildnis und vielen anderen Dingen vertraut war. Die Figur war bereits früh so weit ausgearbeitet, dass ihr Sprachstil in dieser Phase der Erzählung, teilweise wortwörtlich, später unverändert übernommen wurde. Das Wenige, das zu diesem Zeitpunkt über Trotters Hintergrund bekannt war, hatte jedoch nichts mit dem späteren Streicher, Aragorn, Sohn von Arathorn, zu tun.[2]

Ein besonderes Merkmal Trotters war, dass er hölzerne Schuhe trug. Außerdem schien er spezielles Wissen über die Ringgeister zu verfügen.[2] In seiner Vergangenheit war offenbar etwas geschehen, das ihn allein beim Gedanken daran mit Grauen erfüllte.[3]

Werkgeschichte

In einem Brief an W.H. Auden aus dem Juni 1955 schrieb Tolkien, dass ihn beim Schreiben von Der Herr der Ringe viele Dinge überrascht hätten. Er schrieb, dass er niemals in Bree gewesen sei, und als er Streicher in der Ecke der Gaststube sitzen sah, sei dies ein Schock für ihn gewesen. Er habe ebenso wenig wie Frodo gewusst, wer er war.[4]

Christopher Tolkien ordnete die Manuskripte und Notizen seines Vaters mehreren Entwicklungsphasen zu.

Erste Phase

Bereits in der ersten Phase der Entwicklungsgeschichte zu Der Herr der Ringe war Trotter präsent. Die Geschichte von Trotter ähnelt im Großen und Ganzen der von Aragorn. Auch die übrigen Charaktere der Geschichte trugen noch andere Namen. So waren es noch Bingo Beutlin, Odo Tuk, Frodo Tuk und Merry Brandybock, die im Gasthaus „Zum Tänzelnden Pony“ auf Trotter trafen.[5] Es wird beschrieben, dass Bingo das Gefühl hatte, Trotter schon einmal gesehen zu haben, und dass er ihn eigentlich mit einem anderen Namen benennen sollte.

Er hatte einen finsteren Blick – und doch lag etwas darin – das freundlich und sogar vertraut wirkte.

— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel XII: At Rivendell, S. 214

Zweite Phase

In der zweiten Phase der Entwicklungsgeschichte machte sich Tolkien Gedanken darüber, dass Waldläufer besser keine Hobbits sein sollten. Entweder sollte Trotter (als Waldläufer) kein Hobbit sein oder er müsste ein sehr bekannter Hobbit sein. Tolkien stellte sich Bilbo als Trotter vor, entschied sich jedoch im Hinblick auf das „glückliche Ende“ dagegen. Stattdessen zog er in Betracht, dass Fosco Tuk, Bilbos Vetter ersten Grades, Trotter sein könnte. Fosco sollte als junger Hobbit verschwunden sein, weil er, angeregt durch Gandalfs Erzählungen und sein „tukisches“ Erbgut, das Auenland verlassen hatte.[Anm. 1][6][7][8]

Christopher Tolkien merkte dazu an, dass sein Vater folgende Schlussfolgerung gezogen hatte: Wenn Waldläufer keine Hobbits seien, könne Trotter kein Hobbit sein; falls er jedoch beides sei, müsse es sich um einen sehr bekannten Hobbit handeln.[9]

Dritte Phase

In der dritten Entwicklungsphase beschrieb Tolkien die Waldläufer als nicht sesshafte Leute, die Menschen oder Hobbits sein könnten. In diesem Stadium erschien zum ersten Mal die Aussage, dass Waldläufer die Letzten seien, in denen noch etwas vom königlichen Blut der Menschen aus Westernis jenseits des Meeres befände. Gandalf sagte über Trotter, dass ein bestimmter Hobbit ein Waldläufer sei, aber dass dieser Hobbit nicht wirklich ein Waldläufer sei, auch wenn er sich so verhält.[10]

Im August 1939 machte sich Tolkien Notizen zu einer neuen Version und kam zurück auf die Idee, dass Trotter ein bekannter Hobbit sei. Es sollte Peregrin Boffin sein, neben Frodo/Folco Beutlin einer der beiden Lieblingsneffen von Bilbo Beutlin. Peregrin verließ das Auenland und Bilbo wurde dafür verantwortlich gemacht. In Bruchtal traf Bilbo Peregrin wieder und den anderen Hobbits wurde offenbart, wer Trotter wirklich war. Außerdem erfuhren sie, dass Trotter in Mordor gewesen war.[11] Im überarbeiteten Text der dritten Phase wurde die Geschichte von Peregrin Boffin ausgearbeitet: [12]

Er trottete immer nach Hobbingen, weil sein Vater, Paladin Boffin, lebte in den Hugeln, nur eine Meile oder zwei jenseits des Hügels. Als Peregrin begann, von Bergen, Zwergen, Wäldern und Wölfen zu sprechen, war Paladin alarmiert und verbot seinem Sohn schließlich, in die Nähe von Beutelsend zu gehen, und schlug Bilbo die Tür vor der Nase zu.

— J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XXII: New Uncertainties and New Projections, S. 385

Von Trotter zu Streicher

Bei weiteren Überarbeitungen schrieb Tolkien, dass Trotter besser kein Hobbit sein sollte, sondern ein Waldläufer, der von den Menschen aus Westernis abstammte.[13][14]

Christopher Tolkien erörterte in seiner History of Middle-earth die Frage, was die Verbindung von Trotter/Peregrin Boffin zu Streicher/Aragorn sei. Dabei betonte er, dass es sich nicht nur um eine Rolle handele, die zunächst von einem Hobbit und später von einem Menschen ausgefüllt wurde. Für Einzelfälle, ohne Betrachtung des größeren Kontextes, könne es eine ausreichende oder nahezu ausreichende Erklärung sein. Christopher Tolkien hielt es für möglich, dass der ursprüngliche Charakter - die geheimnisvolle Person, die den Hobbits im Gasthaus von Bree begegnete - sich in verschiedene Richtungen hätte entwickeln können, ohne wesentliche Elemente seiner Identität zu verlieren, auch wenn dies zu unterschiedlichen historischen und ethnischen Identitäten in Mittelerde geführt hätte. Trotter wurde demnach nicht einfach vom Hobbit zum Menschen gemacht, vielmehr sei er schon lange potentiell Aragorn gewesen. Als sein Vater entschied, dass Trotter Aragorn und nicht Peregrin Boffin sei, änderten sich zwar Statur und Hintergrund der Figur grundlegend, doch ein großer Teil des „unsichtbaren“ Trotters blieb in Aragorn erhalten und prägte seinen Charakter.[15]

In den Entwürfen blieb der Name Trotter zunächst noch bestehen, auch als der Waldläufer schon der Mensch Aragorn war.[16] Als Tolkien das Kapitel Homeward Bound schrieb, verschwand Trotter und Strider (Streicher) trat an seine Stelle.[17]

Namen von Trotter

  • Rimbedir war der elbische Name Trotters. Glorfindel begrüßte ihn mit den Worten: Ai Rimbedir, Rimbedir! Mai govannen![18]
  • Padathir war ein weiterer elbischer Name für Trotter. Tolkien hatte den Namen im Entwurf über Rimbedir geschrieben.[18]
  • Tarantir war der elbische Name in einem nicht veröffentlichten Epilog, der einige Jahre nach dem Ende des Ringkrieges spielte. Samweis Gamdschie erhielt einen Brief von Aragorn, der mit Tarantar unterschrieben war.[19]
  • Telcontar ersetzte im Schreibmaschinenmanuskript Tarantar und bedeutete nun Streicher.[19]

Sonstiges

Als die vier Hobbits im Gasthaus „Zum Tänzelnden Pony“ Aragorn begegneten, wusste er, wer die Ringgeister sind. Die Hobbits waren überrascht zu sehen, dass sein Gesicht von Schmerz gezeichnet war und seine Hände die Armlehnen seines Stuhles umklammerten. Diese Szene ist ein Schatten der Entwürfe, in denen Streicher noch Trotter war und von Sauron gefangen genommen, eingesperrt und gefoltert worden war.[20][21] In dieser früheren Fassung war Trotter in den Minen von Moria von Saurons Truppen gefangen genommen worden. Die Erinnerung an Moria war für ihn von besonderem Schrecken geprägt.[22][23]

Anmerkung

  1. In Der Hobbit wird erzählt, dass Bilbo Beutlin bei Gandalfs Besuch erwähnt, dieser sei dafür verantwortlich, dass so viele Jungen und Mädchen zu Abenteuern aufgebrochen seien.

Quellen

  1. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel VIII: Arrival at Bree, S. 136
  2. 2,0 2,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel IX: Trotter and the Journey to Weathertop, S. 176
  3. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Story Continued, Kapitel XXIV: The Ring goes South, S. 430
  4. J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 163: An A. C. Nunn (Entwurf)
  5. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel XII: At Rivendell, S. 214
  6. J. R. R. Tolkien: Der kleine Hobbit. Erstes Kapitel: Eine unvorhergesehene Gesellschaft
  7. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel XIII: Queries and Alterations, S. 223
  8. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XXII: New Uncertainties and New Projections, S. 373
  9. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel XIII: Queries and Alterations, S. 224
  10. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XX: At the Sign of the Prancing Pony, S. 332
  11. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XXII: New Uncertainties and New Projections, S. 371
  12. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XXII: New Uncertainties and New Projections, S. 376
  13. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Third Phase, Kapitel XXII: New Uncertainties and New Projections, S. 393
  14. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Story Continued, Kapitel XXIII: The House of Eldrond, S. 414
  15. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The Story Continued, Kapitel XXIV: The Ring goes South, S. 430, 431
  16. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. XIII The War of the Ring. Part One: The Fall of Saruman, Kapitel IV Flotsam and Jetsam, S. 49
  17. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. IX Sauron Defeated. Part One: The End of the Third Age, Kapitel VIII: Homeward Bound, S. 78, Note 4
  18. 18,0 18,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. VI The Return of the Shadow. The First Phase, Kapitel XII: At Rivendell, S. 217
  19. 19,0 19,1 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): The History of Middle-earth Vol. IX Sauron Defeated. Part Two: The Later Quenta Silmarillion, Kapitel XI: The Epilogue, S. 121
  20. J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch I, Zehntes Kapitel: Streicher
  21. Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. The Fellowship of the Ring. Buch Eins, Kapitel XI: Strider, S. 159
  22. Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. The Fellowship of the Ring. Buch Zwei , Kapitel IV: A Journey in the Dark, S. 276
  23. Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Lord of the Rings: A Reader’s Companion. The Two Towers. Buch Vier, Kapitel X: The Coice of Master Samwise, S. 499