Buch von Mazarbul

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Buch von Mazarbul
Typ Buch, Aufzeichnungen
Ort Moria
Kammer von Mazarbul
Besitzer Zwerge von Khazad-dûm
Gimli
Beschreibung Aufzeichnungen über die Wiederbesiedelung Morias durch Balins Volk
Schöpfer Balin und seine Gefährten[1]
Zerstörer Orks
Zerstörungsort Moria, 2994 D. Z.[2]
Bekannt für Bericht über die Wiederbesiedlung Morias und den Untergang der Zwergenkolonie.[1]

Das Buch von Mazarbul (Original Book of Mazarbul) ist im Legendarium eine handgeschriebene Chronik der Rückeroberung Morias durch Balin und seine Anhänger.

Beschreibung

Das Buch von Mazarbul ist eine handgeschriebene Chronik, die den Verlauf von Balins Versuch dokumentiert, gemeinsam mit einer Gruppe von Zwergen aus dem Erebor Moria wieder zu besiedeln. Die erhaltenen Aufzeichnungen schildern die Geschichte der Zwergenkolonie von ihrer Gründung im Jahr 2989 bis zu ihrem Untergang im Jahr 2994 D. Z.[1][2]

Das Buch ist überwiegend in Runen von Moria und Thal sowie teilweise in Elbenschrift geschrieben und weist unterschiedliche Handschriften auf.[1]

Die Bindungsart des Buches ist nicht überliefert. Aufgrund der am Rand angebrachten Löcher könnte es sich um eine Blockheftung gehandelt haben. Andererseits ist denkbar, dass Tolkien beschädigte Blätter darstellte und den eigentlichen Falz nicht wiedergab. Unter dieser Voraussetzung wäre auch eine andere Bindungsform möglich.

Auch über die ursprüngliche Beschaffenheit des im Buch von Mazarbul verwendeten Papiers gibt es keine eindeutigen Angaben Tolkiens. Die starke Brüchigkeit der erhaltenen Blätter bereits nach wenigen Jahrzehnten könnte auf eine hohe Säurehaltigkeit des Papiers hindeuten. Möglicherweise wurde bei seiner Herstellung ein hoher Anteil an Holzschliff verwendet. Eine solche Vermutung ließe sich mit der Nähe der Zwergensiedlungen zu den montanen und alpinen Nadelwäldern Mittelerdes in Verbindung bringen.

Der Inhalt der Handschrift ist im Roman nicht vollständig wiedergegeben. Tolkien fertigte jedoch drei Blätter als Faksimile an, deren Inhalt unmittelbar mit der Handlung des Kapitels „Die Brücke von Khazad-dûm“ verbunden ist. (siehe Faksimiles)[3][4]

Legendarium

Am 15. Januar 3019 D. Z.[2] fand die Ringgemeinschaft in einer Kammer die stark beschädigte Chronik. Auf einem zertrümmerten Deckel einer Truhe lag das aufgeschlitzte, teilweise versengte Buch. In das Buch war hineingestochen worden und es war besudelt mit schwarzen und anderen dunklen Flecken, wie von altem Blut. So war es kaum lesbar. Als Gandalf es aufhob, zerbröselten und brachen einige Seiten.

Das Buch von Mazarbul enthielt Aufzeichnungen über Balins Unternehmung, Moria wieder in Besitz zu nehmen und die dortigen Minen erneut zu besiedeln. Die Chronik wurde offenbar von mehreren Zwergen geführt. Die letzten, kaum noch leserlichen Einträge wurden von Ori, der sehr gut und schnell schreiben konnte und oft elbische Buchstaben gebrauchte, verfasst und schilderten den Angriff der Orks sowie den Untergang der Zwergenkolonie. Mit Oris' letzten Worten bricht die Chronik ab:

„ Wir können nicht hinaus. Sie haben die Brücke und die zweite Halle genommen. Frár und Lóni und Náli fielen dort [...] ging vor fünf Tagen [...] der See reicht bis zur Wand am Westtor. Der Wächter im Wasser hat Oin gepackt. Wir können nicht hinaus. Das Ende kommt, und dann Trommeln, Trommeln in der Tiefe [...] Sie kommen. “

— J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Übersetzt von Margaret Carroux. 9. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2025. Buch I, Erstes Kapitel: Ein lang erwartetes Fest, S. 357, 358.

Nachdem Gandalf die Aufzeichnungen gelesen hatte, übergab er das Buch Gimli. Er beauftragte ihn, es Dáin II. Eisenfuß, dem König unter dem Berg, zu überbringen. Gandalf bezeichnete die Handschrift dabei als Erster als das „Buch von Mazarbul“.[1]

Faksimiles

Gestaltung

Tolkien stellte drei fertige Seiten her. Er verwendete Tinte, Buntstifte und Wasserfarben auf grauem bzw. gelbem Papier und fügte Schnitte, Risse, Brandspuren, „Blutflecken“ und Löcher hinzu. Auch die unterschiedlichen Runenschriften und Beschädigungen wurden sorgfältig ausgearbeitet.

Die erste und die überwiegenden Teile der dritten Seite sind in Angerthas, einer Form der Zwergenschrift Cirth, geschrieben. Die zweite Seite ist in Tengwar ausgeführt. Auch die letzte Zeile der dritten Seite, „They are coming“, steht in Tengwar und wurde als hastig hingeschriebener Text gestaltet. Tolkien verwendete dabei unterschiedliche Schriftbilder, um verschiedene Schreiber darzustellen. Insbesondere die auf der zweiten Seite dargestellte Handschrift wird Ori zugeschrieben. Die Unterschiede in Schriftbild und Ausführung tragen dazu bei, den Eindruck eines tatsächlich überlieferten und von mehreren Zwergen verfassten Dokuments zu vermitteln.

Der in den Faksimiles wiedergegebene Text ist die englische Fassung der Aufzeichnungen aus dem Buch von Mazarbul. Innerhalb der erzählten Welt handelt es sich dabei um Aufzeichnungen in Westron und teilweise in anderen Sprachen bzw. Schriften. Die Verwendung von Cirth und Tengwar bezeichnet daher in erster Linie die jeweilige Schrift, nicht notwendigerweise die Sprache des Textes.[3]

Veröffentlichung

Tolkien beabsichtigte, die drei von ihm angefertigten Faksimiles am Beginn des Kapitels Die Brücke von Khazad-dûm in Der Herr der Ringe abzudrucken.[3]

Im Oktober 1953 beklagte er gegenüber Allen & Unwin, dass die „verbrannten Manuskripte“ verschwunden seien, wodurch der betreffende Abschnitt „ziemlich absurd“ wirke und die Wirkung der Runen verloren gehe.

„ The ‘burned manuscripts’, which readers had found engaging, have disappeared, - making the text of Book ii, Ch. 5 at the beginning rather absurd, and losing the Runes which seem a great attraction to readers of all ages (such as are foolish enough to read this kind of thing at all). “

— J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Harper Collins, London 2025. Letter 141: From a letter to Allen & Unwin, S. 254.

Die ‚verbrannten Manuskripte‘, die die Leser fesselnd fanden, sind verschwunden – was den Text von Buch II, Kapitel 5 am Anfang ziemlich absurd macht und die Runen verliert, die eine große Anziehungskraft auf Leser aller Altersgruppen auszuüben scheinen (sofern sie überhaupt töricht genug sind, so etwas zu lesen).

Übersetzung: Ardapedia

Die aufwendige Reproduktion war dem Verlag jedoch zu kostspielig. Tolkien befürchtete zudem, dass eine Neuzeichnung die Wirkung der Originale mindern würde.[5]

Erst später erkannte Tolkien einen grundsätzlichen Fehler der Faksimiles. Sie stellten die Gemeinsprache durch modernes Englisch dar, obwohl ein echtes Dokument aus der erzählten Zeit in der damaligen Sprache der Zwerge hätte abgefasst sein müssen.

Die drei Faksimile-Seiten wurden erstmals 1979 in Christopher Tolkiens Bildband Pictures by J. R. R. Tolkien veröffentlicht. Eine der drei fertigen Seiten sowie ein Entwurf der ersten Seite wurden 1995 in J. R. R. Tolkien: Artist and Illustrator von Wayne G. Hammond und Christina Scull reproduziert. Weitere Abbildungen und Informationen zur Entstehung finden sich in The Art of The Lord of the Rings by J. R. R. Tolkien (2015).[3]

Erst rund fünfzig Jahre nach dem Erscheinen von Der Herr der Ringe wurden die drei Blätter in der englischen 50th Anniversary Edition erstmals an der von Tolkien ursprünglich vorgesehenen Stelle im Roman abgedruckt.[4]

Externer Link

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Buch II, Fünftes Kapitel: Die Brücke von Khazad-dûm.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang B, Die Aufzählung der Jahre: Die Grossen Jahre.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Wayne G. Hammond, Christina Scull: The Art of the Lord of the Rings. The Book of Mazarbul.
  4. ↑ 4,0 4,1 Tolkien Art Index. Tolkienists, abgerufen am 26. September 2026.
  5. ↑ J. R. R. Tolkien, Humphrey Carpenter (ed.): The Letters of J.R.R. Tolkien. Letter 141: From a letter to Allen & Unwin, 9. Oktober 1953.