Fea und Hroa

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Fea und Hroa sind die Quenya-Begriffe für „Geist“ und „Körper“. Die Pluralformen sind Fear bzw. Hroar.

Beschreibung

Fea wird häufig mit "Geist" (original spirit) übersetzt, entspricht aber eher den Begriffen "Seele" oder "Verstand". Dazu zählt die Fähigkeit, zu denken, zu untersuchen und zu reflektieren. Die ebenfalls zum Geist gezählten mentalen Prozesse, die durch die physischen Organe des Wesens bestimmt werden, etwa die Wahrnemung und die Sammlung von Informationen, zählen dagegen zur Hroa.[1]

Beide gehören zusammen wie ein Haus (der Körper, Hroa) zum Bewohner (der Seele, Fea): Ohne Seele stirbt der Körper. Und ohne Körper kann der Geist allein nichts erreichen. [1]

Die Fea ist zwar im Gegensatz zum Hroa nicht direkt sichtbar. Eine starke und unverdorbene Fea jedoch kann verschwommen und durchscheinend wirken: So, als ob eine Lampe im Körper schiene. Daher heißt sie auch cöacalina für Licht im Haus[2]

Nur wenn beide zusammen vereint sind, sind die Eruhíni (Kinder Erus) vollständige Wesen (Mirroanwi). [1]

Die Fear stammen aus dem Jenseits direkt von Iluvatar, wohingegen die Hroar aus rein irdischem Material bestehen. Daher ist eine Fea unzerstörbar. Auch ist sie eine eindeutige Identität, die nicht mit einer anderen Identität verschmelzen kann. Hroa dagegen kann zerstört und aufgelöst werden: Der Tod ereilt denjenigen, dessen Fea sich vom Hroa trennt und dadurch "obdachlos" wird oder "ins Exil geht".[1]

Melkor und die Hroar

Fea und Hroa wurden von Melkor durch die Beschädigung der Welt absichtlich getrennt.

Da Melkor sich dauerhaft in Arda inkarnierte, konnte er die materielle Welt sehr stark beeinflussen: Außerhalb Amans beinhalteten alle gegenständlichen Dinge ein Melkor-Element (Original: Melkor-ingredient). Alles Körperliche hatte daher eine Tendenz zu Melkor und konnte sich nicht gänzlich von ihm freimachen. Jede Kreatur, die sich ihm unterwarf, wurde von Hass und Zerstörungswahn korrumpiert, da der melkorverseuchte Hroa auch die Fea beeinflusste.[3]

Elbische Ausprägung

Elben sind an Arda gebunden und können sie - im Gegensatz zu den anderen Wesen - nicht verlassen. Da Arda vergänglich ist, sind die Elben zwar äußerst langlebig, aber nicht unsterblich: Sie müssen mit der Welt vergehen.

Dafür sind die elbischen Fear weitaus langlebiger und haben eine viel größere Kontrolle über den Hroa. Daher erholen sie sich beispielsweise von Wunden, die für Menschen tödlich wären. Diese Kontrolle können sie nicht nur auf ihren eigenen Körper ausüben, sondern sie haben auch eine gewisse Meisterschaft über die Natur.

Trotzdem können auch Elben unter Gewalteinwirkung scheinbar sterben. Sie kommen in die Hallen von Mandos, um dann eventuell wiedergeboren zu werden.

Über lange Zeiträume hinweg schwächt die Beschädigung der Welt den Hroa eines Elb: Er verliert immer mehr die Bindung an die Welt und wird im Laufe der Jahrtausende langsam zu einer ätherischen Erscheinungsformen, bis er schließlich für Menschen unsichtbar geworden ist.

Diese Schwächung führte in der Geschichte Mittelerdes zur Herrschaft der Menschen und zum Auszug der Hochelben nach Aman: Denn dort konnten sie ein normales Leben führen.[2]

Menschliche Ausprägung

Das Schicksal der Elben ist von dem der Menschen getrennt: Menschen besuchen Arda, wie auch die Welt an sich (Ea), aus elbischer Sicht nur relativ kurz. Sie sind sozusagen nur Gast und verlassen die Welt nach dem Tod. Die Elben bezeichnen dies als Gabe Ilúvatars. Auch sie kommen vermutlich, wenn auch nur kurz, in die Hallen von Mandos, ihr weiteres Schicksal ist jedoch nur Ilúvatar, Manwe und Mandos bekannt.[4]

Menschliche Fear haben - genau wie Zwerge - weitaus weniger Kontrolle über ihre Hroar, als das bei Elben der Fall ist. Daher konnte Melkor die Menschen weitaus leichter auf seine Seite bringen.

Da Hobbits eine Unterart der Menschen sind, haben sie wie die Menschen Fear, die die Welt nach dem Tod verlassen. Dies gilt auch für Bilbo Beutlin, Frodo Beutlin und Samweis Gamdschie, denen gestattet wurde, nach Aman zu segeln.

Ausprägungen anderer Rassen

  • Obwohl Ilúvatar die Zwerge nicht erschuf, bekamen sie von ihm Fear. Auch sie kommen nach Mandos, getrennt von den Fear der Elben.
  • Ebenso haben die Ents Fear, deren Schicksal unbekannt ist.
  • Die großen Adler wurden in frühen Fassungen der Werkgeschichte als Maiar bezeichnet, die eine körperliche Form annahmen, und hätten somit Fear. In Myths Transformed wird dies jedoch ausgeschlossen und sie sind, wie Huan, nicht mehr als intelligente Tiere, also fealos.
  • Bei Orks ist die Abstammung unklar. Sollten sie, wie von den Weisen von Tol Eressea angenommen, von versklavten Elben abstammen,[5] würde ihre Fea nach ihrem Tod nach Mandos kommen und dort gefangen gehalten werden.[3] Im Fall einer rein menschlichen Abkunft ist das Schicksal ihrer Fear, wie das der Menschen, unbekannt, möglicherweise folgen sie Melkor in die Äußere Leere.[3] Auch wurde von J. R. R. Tolkien die Vermutung geäußert, Orks seien intelligentere und somit fealose Tiere, was später jedoch wieder verworfen wurde.[3] Daneben gibt es Maiar, die einen orkischen Hroar bewohnen.[3]

Etymologie

  • fea (zweisilbig) stammt vom älteren *'phaya ab. Die Sindarinform fear korrespondiert zum Quenya faire für Geist.[1]
  • hroa wird aus dem älteren *srawa abgeleitet. Die Sindarinform dafür ist rhaw.[1]

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 J. R. R. Tolkien: Morgoth’s Ring. (The History of Middle-earth, Band X.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. HarperCollins, London 1992. Kapitel Athrabeth Finrod ah Andreth
  2. 2,0 2,1 J. R. R. Tolkien: Morgoth’s Ring. (The History of Middle-earth, Band X.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. HarperCollins, London 1992. Kapitel The Statute of Finwe and Míriel
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien: Morgoth’s Ring. (The History of Middle-earth, Band X), Myths transformed.
  4. J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, XII Von den Menschen.
  5. J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien (ed.): Das Silmarillion. Quenta Silmarillion, Kapitel III: Vom Erwachen der Elben und von Melkors Gefangenschaft