Leithian-Lied: Unterschied zwischen den Versionen
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''The Gest of Beren son of Barahir and Lúthien the Fay called Tinúviel the Nightingale or the Lay of Leithian Release From Bondage'' | |||
Dies bedeutet etwa ''Die Taten von Beren, Sohn des Barahir, und Lúthien der Fee, genannt Tinúviel die Nachtigall, oder das Lied von Leithian, Befreiung aus den Fesseln''. | |||
''Leithian'', ''Befreiung aus den Fesseln'', bezieht sich vermutlich auf die Befreiung des Silmarils aus der Eisenkrone Morgoths.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto VIII</ref> ''Fay'' (''Fee'') ist eine Andeutung der Abstammung Lúthiens von der [[Maia]] [[Melian]]. | |||
== Inhalt == | == Inhalt == | ||
[[Beren Erchamion]], ein sterblicher [[Mensch]], floh aus seiner Heimat [[Dorthonion]], nachdem sein Vater [[Barahir (Vater Beren Erchamions)|Barahir]] und dessen letzten Gefährten von [[Morgoth]]s [[Ork]]s erschlagen worden waren. Durch Zufall betrat er das Königreich der [[Waldelben]], [[Doriath]]. Dort verliebte er sich unsterblich in [[Lúthien]], die Tochter des [[Elben]]königs [[Thingol]].<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto III</ref> Da dieser eine Verbindung seiner Tochter mit einem Menschen ablehnte, stellte Beren eine praktisch unmögliche Aufgabe: Er sollte ihm einen [[Silmaril]] bringen. Erst wenn Beren einen dieser legendären Edelsteine beschaffe, dürfe er Lúthien heiraten.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto IV</ref> | |||
Die Silmaril waren vor langer Zeit von [[Feanor]] in [[Aman]] gefertigt worden, dann aber von Morgoth gestohlen, nachdem er am [[Aldudénië|Tag des Schicksals]] die [[Zwei Bäume]] [[Laurelin|Glingal]] und [[Telperion|Belthil]] zerstört hatte. Daraufhin hatten Feanor und [[Feanors Söhne|seine Söhne]] auf dem [[Tûn]] einen [[Eid Feanors|Eid]] geschworen, die Silmaril zurückzugewinnen. Morgoth war inzwischen in die [[Außenlande]] geflohen und sich in [[Angband]], der Eisenhölle, niedergelassen. Dort trug er die Silmaril in [[Eisenkrone|seiner Krone]]. Feanors Söhne waren ihm gefogt und hatten einen Belagerungsring um Angband gelegt, der jedoch schließlich von Morgoths Streitkräften durchbrochten worden war.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto VI</ref> | |||
Beren machte sich auf nach Angband. Um zu verhindern, dass seine Tochter ihrem Geliebten folgte, ließ Thingol sie in ein Baumhaus sperren. Sie konnte jedoch nach einiger Zeit entkommen und machte sich auf die Suche nach Beren.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto V</ref> | |||
Dieser | Dieser erreichte inzwischen [[Nargothrond]], die Festung des Elbenkönigs [[Felagund]], der sich mit einigem Gefolge Beren anschloss, um [[Finrods Schwur|einen Eid]] zu erfüllen, den er einst Berens Vater geschworen hatte. Beren und Felagund gerieten in einen Hinterhalt und wurden von Morgoths Statthalter, dem [[Morgul|Nekromanten]] [[Thû]], gefangen genommen.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto VI</ref> Nach einem Duell zwischen Thû und Felagund, das mittels magischer Gesänge ausgetragen wurde, wurde die ganze Gemeinschaft ins Verlies geworfen. Dort sollte ein Wolf einen nach dem anderen fressen, bis jemand das Ziel der Reise verriete. Lúthien begegnete auf ihrer Suche nach Beren indessen den beiden [[gnom]]ische Prinzen [[Celegorm]] und [[Curufin]], die von dem Jagdhund [[Huan]] begleitet wurden.<ref "Leithian VII">[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto VII</ref> | ||
Sie | Sie nahmen Lúthien gefangen und wollten Felagund und mit ihm Beren ihrem Schicksal überlassen, um sich Felagunds Königreich anzueignen. Doch Huan, der aus dem [[Valar|göttlichen]] [[Valinor]] stammte, verließ seine Herren und befreite Lúthien. Zusammen erreichten die beiden die Festung Thûs auf [[Tol-in-Gaurhoth]], konnten den Zauberer mit vereinten Kräften überwinden und Beren befreien, doch für Berens Gefährten kam jede Hilfe zu spät: Sie waren von Thûs Wolf getötet worden. Als schließlich nur noch Felagund und Beren übrig geblieben waren, gelang es dem Elbenkönig, den Wolf mit bloßen Händen zu töten, doch auch er selbst starb nach diesem Kampf.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto IX</ref> Beren und Lúthien brachen nun nach Doriath auf. An der Grenze des Königreichs angekommen wollte Beren sich von Lúthien trennen, um erneut seine Mission aufzunehmen, doch Lúthien bestand darauf, ihn zu begleiten. Die Entscheidung wurde vertagt, als Celegorm und Curufin erneut auftauchten und angriffen. Sie wurden mit Huans Hilfe in die Flucht geschlagen, aber ein Pfeil Celegorms verwundete Beren schwer. Lúthien konnte ihn nur mit ihrer Liebe und elbischer Heilkunst retten. Nach Berens Genesung beschlossen sie, sich zusammen auf die gefahrvolle Reise zu Morgoth zu begeben.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto X</ref> | ||
In Verkleidung | In Verkleidung als [[Werwolf]] und [[Vampir]]in erreichten sie ihr Ziel, doch das Tor zu Angband wurde von [[Carcharoth]], dem schrecklichsten aller Wölfe, bewacht.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto XII</ref> Lúthien gelang es mit Hilfe elbischer [[Curu|Magie]], den Wolf in Schlaf zu versetzen, so dass sie bis in den [[Tiefste Halle|Thronsaal Morgoths]] vordringen konnten. Morgoth durchschaute die Verkleidung, aber Lúthien konnte mit Gesang und Tanz sogar den dunklen Herren selbst und mit ihm den ganzen Hofstaat einschläfern. Beren schnitt einen Silmaril aus der Krone Morgoths, doch als er auch die beiden anderen Steine an sich nehmen wollte, brach sein Messer, und die Klinge traf Morgoth.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto XIII</ref> Dieser begann zu erwachen, so dass Beren und Lúthien mit einem Silmaril flohen. Am Tor trafen sie jedoch auf den wiedererwachten Carcharoth. Beren streckte ihm den heiligen Edelstein entgegen, aber der Wolf biss Berens Hand mitsamt dem Stein ab. An dieser Stelle endet das Leithian-Lied.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto XIV</ref> | ||
== Form == | == Form == | ||
Das Lay of Leithian besteht aus 4.222 jambischen vierhebigen Versen in Reimpaaren, und ist in 14 Gesänge unterteilt. | |||
== Rezeption == | |||
Das Leithian-Lied war in vielen Versionen und Kurzfassungen verbreitet. Eine prosaische Kurzfassung des Liedes findet sich auch in der [[Quenta Silmarillion]].<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Das Silmarillion]]''. Herausgegeben von Christopher Tolkien. ''Quenta Silmarillion'', XIX ''Von Beren und Lúthien''.</ref> | |||
Eine Fassung in Versen sang [[Aragorn II.|Aragorn]] den [[Reisende|vier Hobbits]] im Lager unter der [[Amon Sûl|Wetterspitze]] vor.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Der Herr der Ringe]]''. Erstes Buch, Elftes Kapitel: ''Ein Messer im Dunkeln''</ref> Auch hatte Aragorn dieses Lied gesungen, als er zum ersten Mal [[Arwen]] erblickt hatte, die er daraufhin ''Tinúviel'' nannte. Beide stammten über [[Elwing]] und [[Dior Aranel]] von Beren und Lúthien ab. | |||
Überhaupt gibt es Parallelen zwischen der Geschichte von Beren und Lúthien und der [[Geschichte von Aragorn und Arwen]]. Wie Beren in Lúthien verliebte sich der sterbliche Aragorn in die untersterbliche Arwen, wie Thingol stellte [[Elrond]] an die Verbindung Bedingungen, und wie Lúthien entschied sich Arwen, sterblich zu werden.<ref name="HDR A">[[J. R. R. Tolkien]]: [[Der Herr der Ringe]]. Anhang A: ''Die Númenórischen Könige''</ref> Auch kämpften Beren und Aragorn gegen den selben Feind, denn der Zauberer Thû war niemand anderes als [[Sauron]].<ref "Leithian VII">[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. ''The Lay of Leithian''. Canto VII</ref> | |||
== Etymologie == | |||
Der Herkunft des Begriffs ''Leithian'' ist nicht eindeutig geklärt. Die wahrscheinlichste Bedeutung ''Release from Bondage'' stützt sich zunächst auf die Tatsache, das ''Lay of Leithian'' und ''Release from Bondage'' stets zusammen erwähnt werden. Solche Kombinationen von erfundenem „elbischen“ Namen und nachfolgender Übersetzung sind typisch für Tolkiens Werk. Außerdem existiert eine hastige Notiz Tolkiens über einen Wortstamm ''-leth'', „freisetzen“ mit ''leithia'', „Befreiung“, und dem Vergleich zu ''Lay of Leithian''. Da der Wortstamm ''-leth'' in dieser Bedeutung aber sonst in Tolkiens Schriften nicht auftaucht, fehlt der letzte Beweis, dass dies mehr als eine flüchtige Idee darstellt.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[The Lays of Beleriand]].'' (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. Einleitung von Christopher Tolkien</ref> Im [[Buch der Verschollenen Geschichten]] wird [[England]] von den Elben ''Lúthien'', später ''Leithien'' (einmal auch ''Leithian'' genannt.<ref>[[J. R. R. Tolkien]]: ''[[Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2]]''. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Hans J. Schütz. Klett-Cotta, Stuttgart 1999. (Im Original erschienen 1984 unter dem Titel ''The Book Of Lost Tales. Part Two''.). Kapitel 6: ''Die Geschichte von Eriol oder Ælfwine und das Ende der Geschichten''</ref> Es ist allerdings kein echter Hinweis Tolkiens auf eine Verwandtschaft von ''Leithien'' und ''Leithian'' bekannt. | |||
== Werkgeschichte == | == Werkgeschichte == | ||
Das Leithian-Lied ist das der Vollendung am nächsten kommende der großen epischen Gedichten des englischen Schriftstellers [[J. R. R. Tolkien]]. Die Gedichtformen der [[Narn i Hín Húrin]] und des [[Der Fall von Gondolin|Falls von Gondolin]] verblieben in unvollendeten Entwürfen. | |||
Tolkien arbeitete insgesamt sechs Jahre lang am ''Lay of Leithian'', bis er die Arbeit im September 1931 einstellte. Das ''Lay of Leithian'' existiert in zwei Textversionen: | Tolkien arbeitete insgesamt sechs Jahre lang am ''Lay of Leithian'', bis er die Arbeit im September 1931 einstellte. Das ''Lay of Leithian'' existiert in zwei Textversionen: | ||
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Das Gedicht wurde 2017 erstmals auch in deutscher Sprache im Buch ''[[Beren und Lúthien]]'' veröffentlicht. | Das Gedicht wurde 2017 erstmals auch in deutscher Sprache im Buch ''[[Beren und Lúthien]]'' veröffentlicht. | ||
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* Das Leithian-Lied/Streichers Lied wird erwähnt im [https://www.tolkienin5minuten.de/episode/011-erste-akademische-sporen Podcast Tolkien in 5 Minuten 011 Erste akademische Sporen] | * Das Leithian-Lied/Streichers Lied wird erwähnt im [https://www.tolkienin5minuten.de/episode/011-erste-akademische-sporen Podcast Tolkien in 5 Minuten 011 Erste akademische Sporen] | ||
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Aktuelle Version vom 17. März 2026, 17:44 Uhr
Das Leithian-Lied (Original Lay of Leithian) ist das berühmteste und zweitlängste der Lieder, die von Beleriand im Ersten Zeitalter erzählen. Es handelt von der Liebesgeschichte zwischen Beren Erchamion und Lúthien und der Rückgewinnung eines der Silmaril aus Morgoths Eisenkrone.
Titel
Der komplette Titel lautet:
The Gest of Beren son of Barahir and Lúthien the Fay called Tinúviel the Nightingale or the Lay of Leithian Release From Bondage
Dies bedeutet etwa Die Taten von Beren, Sohn des Barahir, und Lúthien der Fee, genannt Tinúviel die Nachtigall, oder das Lied von Leithian, Befreiung aus den Fesseln.
Leithian, Befreiung aus den Fesseln, bezieht sich vermutlich auf die Befreiung des Silmarils aus der Eisenkrone Morgoths.[1] Fay (Fee) ist eine Andeutung der Abstammung Lúthiens von der Maia Melian.
Inhalt
Beren Erchamion, ein sterblicher Mensch, floh aus seiner Heimat Dorthonion, nachdem sein Vater Barahir und dessen letzten Gefährten von Morgoths Orks erschlagen worden waren. Durch Zufall betrat er das Königreich der Waldelben, Doriath. Dort verliebte er sich unsterblich in Lúthien, die Tochter des Elbenkönigs Thingol.[2] Da dieser eine Verbindung seiner Tochter mit einem Menschen ablehnte, stellte Beren eine praktisch unmögliche Aufgabe: Er sollte ihm einen Silmaril bringen. Erst wenn Beren einen dieser legendären Edelsteine beschaffe, dürfe er Lúthien heiraten.[3]
Die Silmaril waren vor langer Zeit von Feanor in Aman gefertigt worden, dann aber von Morgoth gestohlen, nachdem er am Tag des Schicksals die Zwei Bäume Glingal und Belthil zerstört hatte. Daraufhin hatten Feanor und seine Söhne auf dem Tûn einen Eid geschworen, die Silmaril zurückzugewinnen. Morgoth war inzwischen in die Außenlande geflohen und sich in Angband, der Eisenhölle, niedergelassen. Dort trug er die Silmaril in seiner Krone. Feanors Söhne waren ihm gefogt und hatten einen Belagerungsring um Angband gelegt, der jedoch schließlich von Morgoths Streitkräften durchbrochten worden war.[4]
Beren machte sich auf nach Angband. Um zu verhindern, dass seine Tochter ihrem Geliebten folgte, ließ Thingol sie in ein Baumhaus sperren. Sie konnte jedoch nach einiger Zeit entkommen und machte sich auf die Suche nach Beren.[5]
Dieser erreichte inzwischen Nargothrond, die Festung des Elbenkönigs Felagund, der sich mit einigem Gefolge Beren anschloss, um einen Eid zu erfüllen, den er einst Berens Vater geschworen hatte. Beren und Felagund gerieten in einen Hinterhalt und wurden von Morgoths Statthalter, dem Nekromanten Thû, gefangen genommen.[6] Nach einem Duell zwischen Thû und Felagund, das mittels magischer Gesänge ausgetragen wurde, wurde die ganze Gemeinschaft ins Verlies geworfen. Dort sollte ein Wolf einen nach dem anderen fressen, bis jemand das Ziel der Reise verriete. Lúthien begegnete auf ihrer Suche nach Beren indessen den beiden gnomische Prinzen Celegorm und Curufin, die von dem Jagdhund Huan begleitet wurden.[7]
Sie nahmen Lúthien gefangen und wollten Felagund und mit ihm Beren ihrem Schicksal überlassen, um sich Felagunds Königreich anzueignen. Doch Huan, der aus dem göttlichen Valinor stammte, verließ seine Herren und befreite Lúthien. Zusammen erreichten die beiden die Festung Thûs auf Tol-in-Gaurhoth, konnten den Zauberer mit vereinten Kräften überwinden und Beren befreien, doch für Berens Gefährten kam jede Hilfe zu spät: Sie waren von Thûs Wolf getötet worden. Als schließlich nur noch Felagund und Beren übrig geblieben waren, gelang es dem Elbenkönig, den Wolf mit bloßen Händen zu töten, doch auch er selbst starb nach diesem Kampf.[8] Beren und Lúthien brachen nun nach Doriath auf. An der Grenze des Königreichs angekommen wollte Beren sich von Lúthien trennen, um erneut seine Mission aufzunehmen, doch Lúthien bestand darauf, ihn zu begleiten. Die Entscheidung wurde vertagt, als Celegorm und Curufin erneut auftauchten und angriffen. Sie wurden mit Huans Hilfe in die Flucht geschlagen, aber ein Pfeil Celegorms verwundete Beren schwer. Lúthien konnte ihn nur mit ihrer Liebe und elbischer Heilkunst retten. Nach Berens Genesung beschlossen sie, sich zusammen auf die gefahrvolle Reise zu Morgoth zu begeben.[9]
In Verkleidung als Werwolf und Vampirin erreichten sie ihr Ziel, doch das Tor zu Angband wurde von Carcharoth, dem schrecklichsten aller Wölfe, bewacht.[10] Lúthien gelang es mit Hilfe elbischer Magie, den Wolf in Schlaf zu versetzen, so dass sie bis in den Thronsaal Morgoths vordringen konnten. Morgoth durchschaute die Verkleidung, aber Lúthien konnte mit Gesang und Tanz sogar den dunklen Herren selbst und mit ihm den ganzen Hofstaat einschläfern. Beren schnitt einen Silmaril aus der Krone Morgoths, doch als er auch die beiden anderen Steine an sich nehmen wollte, brach sein Messer, und die Klinge traf Morgoth.[11] Dieser begann zu erwachen, so dass Beren und Lúthien mit einem Silmaril flohen. Am Tor trafen sie jedoch auf den wiedererwachten Carcharoth. Beren streckte ihm den heiligen Edelstein entgegen, aber der Wolf biss Berens Hand mitsamt dem Stein ab. An dieser Stelle endet das Leithian-Lied.[12]
Form
Das Lay of Leithian besteht aus 4.222 jambischen vierhebigen Versen in Reimpaaren, und ist in 14 Gesänge unterteilt.
Rezeption
Das Leithian-Lied war in vielen Versionen und Kurzfassungen verbreitet. Eine prosaische Kurzfassung des Liedes findet sich auch in der Quenta Silmarillion.[13]
Eine Fassung in Versen sang Aragorn den vier Hobbits im Lager unter der Wetterspitze vor.[14] Auch hatte Aragorn dieses Lied gesungen, als er zum ersten Mal Arwen erblickt hatte, die er daraufhin Tinúviel nannte. Beide stammten über Elwing und Dior Aranel von Beren und Lúthien ab.
Überhaupt gibt es Parallelen zwischen der Geschichte von Beren und Lúthien und der Geschichte von Aragorn und Arwen. Wie Beren in Lúthien verliebte sich der sterbliche Aragorn in die untersterbliche Arwen, wie Thingol stellte Elrond an die Verbindung Bedingungen, und wie Lúthien entschied sich Arwen, sterblich zu werden.[15] Auch kämpften Beren und Aragorn gegen den selben Feind, denn der Zauberer Thû war niemand anderes als Sauron.[16]
Etymologie
Der Herkunft des Begriffs Leithian ist nicht eindeutig geklärt. Die wahrscheinlichste Bedeutung Release from Bondage stützt sich zunächst auf die Tatsache, das Lay of Leithian und Release from Bondage stets zusammen erwähnt werden. Solche Kombinationen von erfundenem „elbischen“ Namen und nachfolgender Übersetzung sind typisch für Tolkiens Werk. Außerdem existiert eine hastige Notiz Tolkiens über einen Wortstamm -leth, „freisetzen“ mit leithia, „Befreiung“, und dem Vergleich zu Lay of Leithian. Da der Wortstamm -leth in dieser Bedeutung aber sonst in Tolkiens Schriften nicht auftaucht, fehlt der letzte Beweis, dass dies mehr als eine flüchtige Idee darstellt.[17] Im Buch der Verschollenen Geschichten wird England von den Elben Lúthien, später Leithien (einmal auch Leithian genannt.[18] Es ist allerdings kein echter Hinweis Tolkiens auf eine Verwandtschaft von Leithien und Leithian bekannt.
Werkgeschichte
Das Leithian-Lied ist das der Vollendung am nächsten kommende der großen epischen Gedichten des englischen Schriftstellers J. R. R. Tolkien. Die Gedichtformen der Narn i Hín Húrin und des Falls von Gondolin verblieben in unvollendeten Entwürfen.
Tolkien arbeitete insgesamt sechs Jahre lang am Lay of Leithian, bis er die Arbeit im September 1931 einstellte. Das Lay of Leithian existiert in zwei Textversionen:
- Text A, ein Manuskript, das auf die Rückseiten von Prüfungsblättern geschrieben ist und, untypisch für Tolkien, sporadische Datierungen aufweist, die vom 1. April 1921 bis zum 17. September 1931 reichen.
- Text B ist ein sauberer Schreibmaschinentext, und enthält verschiedene Veränderungen und Verbesserungen gegenüber Text A. Diesen Text übergab Tolkien 1929 seinem Freund C. S. Lewis zur Begutachtung. Lewis äußerte sich sehr positiv und verfasste einen ausführlichen Kommentar, viele seiner vorgeschlagenen Änderungen wurden von Tolkien übernommen.
1937 reichte dieser das Fragment zusammen mit einer Zusammenfassung der noch fehlenden Handlung und anderen Arbeiten beim Verlag George Allen & Unwin ein, der nach dem Überraschungerfolg des Kinderbuchs Der kleine Hobbit nach weiteren Geschichten verlangte. Die Reaktion Stanley Unwins war jedoch vernichtend. In der Vermutung, in Tolkiens Zusammenfassung einen original keltischen Stoff vor sich zu haben, aus dem jemand versucht hatte, ein Gedicht zu machen, urteilte er: „die primitive Kraft ist verschwunden, die klaren Farben sind verschwunden“. Tolkien selbst, der auf Kritik häufig heftig reagierte, schrieb in einem Brief „trotz einiger virtuoser Passagen“ habe das Lay „tiefgehende Fehler“. Trotzdem kehrte Tolkien noch einmal zu seinem Gedicht zurück: Etwa im Jahr 1950 begann er eine Überarbeitung, die sich bald zu einem komplett neuen Gedicht entwickelte, das jedoch auch nicht über das Stadium eines Fragmentes von einigen 100 Zeilen hinauskam.
Das Gedicht wurde 2017 erstmals auch in deutscher Sprache im Buch Beren und Lúthien veröffentlicht.
Links
- Das Leithian-Lied/Streichers Lied wird erwähnt im Podcast Tolkien in 5 Minuten 011 Erste akademische Sporen
Quellen
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto VIII
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto III
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto IV
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto VI
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto V
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto VI
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto VII
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto IX
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto X
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto XII
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto XIII
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto XIV
- ↑ J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Quenta Silmarillion, XIX Von Beren und Lúthien.
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Erstes Buch, Elftes Kapitel: Ein Messer im Dunkeln
- ↑ J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang A: Die Númenórischen Könige
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. The Lay of Leithian. Canto VII
- ↑ J. R. R. Tolkien: The Lays of Beleriand. (The History of Middle-earth, Band III.) Herausgegeben von Christopher Tolkien. George Allen & Unwin, London 1985. Einleitung von Christopher Tolkien
- ↑ J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten Teil 2. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Übersetzt von Hans J. Schütz. Klett-Cotta, Stuttgart 1999. (Im Original erschienen 1984 unter dem Titel The Book Of Lost Tales. Part Two.). Kapitel 6: Die Geschichte von Eriol oder Ælfwine und das Ende der Geschichten
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